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Daimler Truck-Aktie -5%: Ist der Kursrutsch übertrieben?

Gewinnwarnung belastet Anleger
Redaktion | Börse

Die Daimler-Truck-Aktie steht am Freitag deutlich unter Druck. Zeitweise verlor das Dax-Papier bis zu 8,3 Prozent, zuletzt notierte es bei 39,95 Euro noch 4,7 Prozent im Minus, obwohl der Nutzfahrzeughersteller im dritten Quartal deutlich mehr verdient hat. Ausgelöst hat den Rückschlag der Auftragseingang, der die Erwartungen verfehlte. Ist der Kursrutsch eine Übertreibung oder der Beginn einer Abkühlung?

Nordamerika trägt das Ergebnis

Das um Sondereffekte bereinigte Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern legte im dritten Quartal im Jahresvergleich um fast drei Viertel auf 1,12 Milliarden Euro zu. Der Nettogewinn, der auf die Aktionäre entfällt, stieg um 59 Prozent auf 689 Millionen Euro. Der Umsatz im Industriegeschäft kletterte um ein Fünftel auf 11,6 Milliarden Euro, der Absatz um 26 Prozent auf 91.260 Fahrzeuge. Treiber war die Erholung in Nordamerika, wo die Verkäufe um mehr als die Hälfte zulegten, nachdem sie im Vorjahr infolge der Zollerhöhungen von US-Präsident Donald Trump eingebrochen waren.

Die bereinigte operative Marge im Industriegeschäft zog um fast drei Prozentpunkte auf 9,1 Prozent an und übertraf damit die Analystenerwartungen. In Nordamerika verdoppelte sie sich nahezu und erreichte 12,1 Prozent, während sie in Europa leicht nachgab. Mit Freightliner und Western Star ist Nordamerika der größte und profitabelste Markt des Konzerns. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi verwies darauf, dass das starke Nordamerika-Ergebnis auch einer Zollerstattung zu verdanken war.

Die Bestellungen verlieren Tempo

Der Auftragseingang stieg konzernweit um 10 Prozent auf 71.168 Fahrzeuge und lag damit zum zweiten Mal in Folge unter dem Absatz des jeweiligen Quartals. Im vierten Quartal 2025 und im ersten Quartal 2026 hatten die Bestellungen noch jeweils die Marke von 100.000 Fahrzeugen überschritten, allerdings getragen von einem Nachholeffekt nach zuvor eingebrochener Nachfrage. Nick Housden von RBC bezeichnete die neuen Bestellungen als schwächer als von Analysten erwartet, hielt es aber für wahrscheinlich, dass viele Investoren bereits mit einem solchen Niveau gerechnet hatten. Auch Anthony Dic von Oddo BHF sah den Auftragseingang unter den Markterwartungen.

Für das vierte Quartal stellt das Management ein weiterhin ordentliches Nordamerika-Geschäft in Aussicht, mit einer Marge am oberen Ende der Jahresspanne von 9 bis 11 Prozent. Bei Mercedes-Benz Trucks rechnet Finanzchefin Eva Scherer damit, dass die Marge über die Jahresprognose von 6 bis 8 Prozent hinausgeht, nach 6,3 Prozent im dritten Quartal. Scherer schränkte jedoch ein, dass sich das vierte Quartal wegen Nachholeffekten nicht ins neue Jahr fortschreiben lasse. Konzernchefin Karin Radström bestätigte den Jahresausblick mit 43 bis 47 Milliarden Euro Umsatz im Industriegeschäft und einer bereinigten operativen Marge von 7 bis 9 Prozent, nach 42,1 Milliarden Euro und 7,9 Prozent im Vorjahr.

Frachtraten als Hoffnungsträger

Radström zeigte sich optimistisch für das kommende Jahr und verwies auf zuletzt weiter anziehende Frachtraten. Branchenexperten zufolge können steigende Frachterlöse dazu beitragen, dass Spediteure mit anziehenden Gewinnmargen ihre alternden Lkw-Flotten schneller erneuern. Michael Aspinall von Jefferies sprach von positiven Aussichten für das vierte Quartal, bezeichnete die Markterwartungen an das operative Ergebnis des kommenden Jahres aber als ambitioniert.

Fazit

Daimler Truck bleibt operativ auf Kurs, doch der Markt handelt bereits die Zeit nach dem Nachholeffekt. Das starke dritte Quartal profitierte von einer Zollerstattung und einem schwachen Vorjahresvergleich, während die Bestellungen zum zweiten Mal hintereinander unter dem Absatz lagen. Entscheidend wird, ob die steigenden Frachtraten die Investitionsbereitschaft der US-Spediteure so weit beleben, dass der Auftragseingang wieder über den Absatz steigt. Gelingt das nicht, dürften die von Jefferies als ambitioniert bezeichneten Gewinnerwartungen für das kommende Jahr unter Druck geraten. Für bestehende Anleger dürfte es sich anbieten, die Position zu halten und die Auftragsentwicklung im Schlussquartal abzuwarten, während ein Einstieg erst bei wieder anziehenden Bestellungen reizvoller erscheint.

Quelle: dpa-AFX

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