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Rheinmetall-Aktie -20%: Lohnt jetzt der Einstieg bei 806 €?

Korrektur oder Kaufchance?
Redaktion | Börse

Die Rheinmetall-Aktie findet keinen Boden. Am Freitag rutschte das Papier weiter ab auf nur noch gut 806 Euro. Seit der Gewinnwarnung vom Mittwochabend summieren sich die Verluste damit auf fast 20 Prozent, im bisherigen Jahresverlauf hat sich der Kurs nahezu halbiert. Damit stellt sich die Frage: Ist der Ausverkauf übertrieben oder hat der Rüstungskonzern ein grundsätzliches Problem?

Fünf Warnungen in elf Monaten

Der Absturz hat eine Vorgeschichte. David Perry von JPMorgan verwies in seiner ersten Reaktion darauf, dass es sich bereits um die fünfte Umsatz- oder Gewinnwarnung innerhalb von elf Monaten handelte. Diese Serie rückte in den Analystenkommentaren nach der Warnung als Vertrauensverlust in den Vordergrund.

Bei zwei Häusern führte die Nachricht zu einem harten Schnitt: Bernstein und Oddo BHF gaben ihre bisherigen Empfehlungen auf. Yan Derocles von Oddo BHF geht davon aus, dass es Zeit brauchen wird, den Vertrauensverlust wieder auszuräumen, und erwartet vom Kapitalmarkttag am 27. November zunächst vor allem eine Kalibrierung der Erwartungen. Alexander Neuberger vom Bankhaus Metzler begegnet der weiteren Expansion inzwischen zurückhaltender, weil sich offensichtliche Schwierigkeiten zeigen, potenzielle Aufträge in gesicherte Umsätze zu verwandeln.

Geteiltes Analystenbild

Die Experten von Kepler kappten zwar ihr Kursziel, rieten aber ausdrücklich dazu, in die Schwäche hinein nachzuladen, weil das dritte Quartal gezeigt habe, dass Rheinmetall weiter profitabel wächst. UBS-Experte Sven Weier wertet die Warnung eher als konservativeren Prognoseansatz. Sie sei völlig unerwartet gekommen und die heftige Marktreaktion nachvollziehbar, schrieb er am Donnerstagabend. Der Kapitalmarkttag könnte aus seiner Sicht die Gelegenheit bieten, realistischere Ziele zu setzen, bis dahin dürften Anleger in Wartestellung bleiben.

Kursziele über dem Markt

Trotz der Kurszielsenkungen liegen sämtliche Ziele der genannten Analysehäuser weiterhin klar über dem aktuellen Xetra-Niveau von gut 806 Euro. Gemessen am Rekordhoch von über 2000 Euro, das vor 13 Monaten erreicht wurde, hat die Aktie den Großteil der damaligen Euphorie bereits abgebaut.

Fazit

Für uns bleibt die Serie von fünf Warnungen in elf Monaten das zentrale Argument gegen einen schnellen Einstieg. Ein einzelner Ausrutscher wäre eine Kaufgelegenheit, ein wiederholtes Verfehlen eigener Prognosen ist dagegen ein Glaubwürdigkeitsproblem, das sich nicht mit einem Quartal reparieren lässt. Dass die Kursziele der Analysten weiterhin deutlich über dem Kurs liegen, hilft wenig, solange dieselben Häuser ihre Ziele im Quartalsrhythmus nachjustieren müssen. Entscheidend wird sein, ob das Management am 27. November Ziele vorlegt, die es anschließend auch hält. Bestehende Anleger könnten die Position bis zu diesem Termin halten, da ein Verkauf nach dem jüngsten Kurseinbruch die Schwäche nur bestätigen würde. Für einen Neueinstieg könnte es dagegen ratsam sein, den Kapitalmarkttag abzuwarten und die Entwicklung vorerst von der Seitenlinie aus zu beobachten.

Quelle: dpa-AFX

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