Nvidia-Aktie: 1,4 Billionen US$ weg — und nun?
Die Demokraten als Gefahr
Eine Antwort auf diese Frage hat am Tag nach dem Technologieblutbad selbstverständlich niemand, es gibt nur Spekulationen. Fakt ist, dass der Auslöser des gestrigen Crashs bei Tech-Aktien der Erdrutschsieg der Demokraten bei den Midterm-Wahlen in den USA war. Eigentlich erstaunlich, denn der Sieg war bereits am gestrigen Mittwoch bekannt. Offenbar brauchte die Börse einen Tag länger, um das Geschehen zu verdauen.
Die neue demokratische Mehrheit in beiden Kammern des US-Kongresses schürt im Technologiesektor die Sorge vor deutlich strafferen Zügeln in Washington in Bezug auf die Regulierung der Branche. Während die Republikaner unter Präsident Trump und seinen Einflüsterern, allen voran Elon Musk, auf einen Laissez-faire-Ansatz bei KI & Co. setzten, könnte sich unter den Demokraten so einiges ändern.
Sie setzen sich im Unterschied zu den Republikanern für strengere Umweltstandards ein, die den Bau von KI-Rechenzentren ausbremsen könnten. Manch führender Demokrat fordert bereits ein Moratorium für den Bau neuer Rechenzentren. Eine darunter ist die frisch gewählte Gouverneurin von Texas, Gina Hinojosa. Eine durchaus umstrittene Forderung, schließlich gilt der Lone Star State als Hotspot für Data Centers.
Darüber hinaus fordern die Demokraten eine generell strengere Regulierung für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Nicht zuletzt wollen viele aus der Partei die engen Beziehungen der Tech-Szene mit der Politik in Washington genauer unter die Lupe nehmen. Für zahlreiche demokratische Politiker ist die Nähe zwischen Technologiewirtschaft und Politik inzwischen zu groß geworden.
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Was hat das alles mit Nvidia zu tun?
Für Nvidia könnte die Machtübernahme der Demokraten im US-Kongress durchaus ein Problem darstellen. Wenn Rechenzentren nicht mehr so schnell gebaut werden wie bisher, geht die Nachfrage nach Chips zurück. Wenn der Einsatz von KI strenger reglementiert wird, könnte sich die Chip-Nachfrage ebenfalls verringern.
Hinzu kommt, dass an der Börse zuletzt deutlich die Ungeduld zunahm, wann sich die astronomischen Summen, die Tech-Giganten und Cloud-Anbieter in die KI-Infrastruktur stecken, in entsprechenden Renditen niederschlagen. Anleger reagierten verschnupft auf die gigantischen Investitionsprognosen vieler Big Tech-Konzerne und schickten die Aktien bereits bei der Vorstellung der Quartalszahlen in den Keller.
Auch das könnte die Nachfrage nach Nvidia-Chips mindern. Wenn die Börse die Geduld mit der Tech-Branche verliert, weil sich Investitionen nicht schnell genug amortisieren, wird das irgendwann die Investitionsbereitschaft und folglich die Chipnachfrage dämpfen.
Auf dem Weg zum 12-Monatstief
Das Chartbild der Nvidia-Aktie hat sich in den letzten vier Wochen dramatisch verschlechtert. Gestern ging der Tech-Titel auf einem neuen 6-Monatstief aus dem Handel. Sollte der Support bei 178 US$ nicht halten, könnte die Nvidia-Aktie sogar bis zu ihrem 12-Monatstief bei 165 US$ durchgereicht werden.
Eine irrwitzige Bewertung
Meiner Überzeugung nach handelt es sich bei der jüngsten Abstrafung der Nvidia-Aktie um eine ganz krass überzogene Reaktion der Börse. Ja, die Demokraten können der Tech-Branche einige Steine in den Weg legen und das werden sie wahrscheinlich auch tun.
Aufhalten können sie die KI-Entwicklung aber nicht. Die Marktnachfrage nach KI-Cloud-Produkten und -Leistungen ist so immens hoch, dass selbst politische Eingriffe sie meiner Meinung nach nur marginal verringern werden.
Ein Blick auf die aktuelle Bewertung der Nvidia-Aktie zeigt, wie irrwitzig die Kursentwicklung geworden ist. Das Forward-KGV liegt mit 13 weit unter dem Durchschnitt der letzten Quartale. Zur Erinnerung: Nvidia wird im laufenden GJ (bis Ende Januar 27) Umsatz und Gewinn voraussichtlich um über 90% steigern. Im kommenden GJ dürfte sich das Wachstum auf ca. 70% abschwächen. Gleichzeitig erwirtschaftet der Chipkonzern eine beneidenswerte operative Marge von 60%.
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ℹ️ Nvidia in Kürze
- Die Nvidia Corporation (WKN: 918422) ist einer der weltweit größten Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen.
- Die Chips und Prozessoren des Konzerns kommen in Personal Computern, Spielekonsolen, Rechenzentren und autonom fahrenden Autos zum Einsatz.
- Das in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien beheimatete Unternehmen ist Marktführer im Bereich Hochleistungschips für Anwendungen auf Basis künstlicher Intelligenz.
- Nvidia ist Mitglied in den US-Indizes Nasdaq 100, S&P 500 und Dow Jones und ist aktuell mit rund 4,4 Billionen US$ das wertvollste Unternehmen der Welt.
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Fazit
Eine so gewaltige Diskrepanz zwischen Bewertung, Wachstumsdynamik und Profitabilität habe ich selten erlebt. Sie lässt nur einen Rückschluss zu: Die Nvidia-Aktie ist massiv unterbewertet.
Anleger sind deshalb gut beraten, das gestrige Gemetzel an den Tech-Börsen für einen Einstieg in die Nvidia-Aktie zu nutzen. Sie ist ein fabelhaftes Schnäppchen — daran werden auch die Demokraten nichts ändern.