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Rheinmetall-Aktie -12%: Finger weg oder +85% Upside kassieren?

Jahresprognose kassiert
Es ist eine rabenschwarze Woche für die Rheinmetall-Aktie. Nachdem der Kurs des deutschen Rüstungskonzerns bereits von Montag auf Mittwoch um -8% gesunken ist, bricht er am Donnerstagvormittag zweistellig ein. Die Rheinmetall-Aktie sackt damit auf den tiefsten Stand seit Februar 2025 ab. Was steckt hinter dem Crash und ist er für Anleger eine perfekte Kaufgelegenheit?

Gute Zahlen

Die Rheinmetall-Aktie gerät heute unter massiven Druck, weil der Rüstungskonzern im Zuge der Vorlage seiner Quartalszahlen überraschend seine Jahresprognose für Umsatz und Marge nach unten korrigieren musste. Es ist bereits die fünfte Umsatz- oder Gewinnwarnung binnen elf Monaten, was das Vertrauen der Börse in die einst bejubelte Aktie massiv beschädigt hat. Zuerst zu den Quartalszahlen, dann zur Prognose:

Die Zahlen für das dritte Quartal 2026 lesen sich eigentlich sehr gut. Der Umsatz von Rheinmetall stieg gegenüber dem Vorjahr um 32% auf 3,15 Milliarden US$. Das operative Ergebnis legte auf Jahressicht sogar um 62% auf 553 Millionen € zu. Die operative Marge betrug demnach gute 17,5%.

Und auch bei der Auftragssituation gibt es wenig zu meckern. Der Auftragseingang lag bei 2,9 Milliarden € und stieg damit auf insgesamt 78,0 Milliarden €.

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Aber die Prognose wird kassiert

Aber trotz solider Quartalszahlen kassierte Rheinmetall seine Prognose für das Gesamtjahr. Bislang ging der Rüstungskonzern von einem Jahresumsatz zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden € aus. Nach neuesten Schätzungen werden die Erlöse 2026 nur 13,2 Milliarden € betragen. Das entspricht einem Umsatzwachstum von 33% gegenüber 2025.

Auch bei der Marge gab es eine Prognosekorrektur. Während Rheinmetall bislang von einer operativen Marge von 19,0% ausging, peilt der Konzern nun einen Wert von 18,5% an.

Hauptgrund für die Prognosesenkung ist die Verzögerung beim Radpanzerprojekt Arminius. Ein milliardenschwerer Auftrag der Bundeswehr für das Boxer-Fahrzeugprogramm wird voraussichtlich erst 2027 vergeben. Der erwartete Auftragsanteil für Rheinmetall liegt bei rund 12,4 Milliarden € beim ersten Auftragspaket.

Damit fehlen Umsatz und auch Zahlungseingänge im Jahr 2026. Erwartete Anzahlungen in Höhe von über 3 Milliarden € verschieben sich ins nächste Jahr.

Und auch bei der Lieferung von Artilleriemunition an die Bundeswehr gibt es Probleme. Die deutschen Streitkräfte und andere Abnehmer aus dem Ausland nehmen bestimmte Munitionslieferungen langsamer ab als geplant. Dadurch werden Umsätze ebenfalls in das Jahr 2027 verschoben.

Nicht zuletzt ist Rheinmetall auch bei anderen Aktivitäten mit Umsatzverschiebungen konfrontiert. So werden bei der Zusammenarbeit mit dem Drohnenhersteller Destinus die ursprünglich erwarteten Umsätze 2026 nicht vollständig erreicht.

Sorgenkind Cashflow

Aufgrund der Projektverschiebungen hat sich auch der Cashflow von Rheinmetall zuletzt deutlich verschlechtert. Der operative Free Cashflow lag in den ersten neun Monaten des Jahres bei -1,70 Milliarden €. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag der Wert noch bei -798 Millionen €.

Diese Cashflow-Verschlechterung ist die Auswirkung hoher Lagerbestände und des gebundenen Working Capitals. Rheinmetall muss also viel Geld für die Vorfinanzierung der Aufträge in die Hand nehmen, bevor daraus entsprechende Zahlungseingänge entstehen.

Aktuelle Chartanalyse

Eine aktuelle Chartanalyse der Rheinmetall-Aktie findet ihr bei meinem Kollegen Louis Blümlein.

Was sagen Banken?

Erste Banken haben bereits auf die neuen Prognosen reagiert, aber auf unterschiedliche Weise. Nicht bei allen kam es zu Kurszielanpassungen.

Die US-Großbank JPMorgan senkte ihr Kursziel für die Rheinmetall-Aktie von 1.350 auf 1.150 US$. Die Deutsche Bank hatte bereits im Vorfeld der Zahlenvorlage ihr Kursziel von 1.800 auf 1.650 € korrigiert, ebenso die Schweizer UBS von 1.600 auf 1.360 €.

Die Investmentbank Jefferies beließ hingegen ihren fairen Wert der Rheinmetall-Aktie bei 1.350 €. Auch die Analysten der Royal Bank of Canada änderten ihr Kursziel von 1.600 € nicht.

Das durchschnittliche Kursziel der Rheinmetall-Aktie liegt aktuell bei 1.552 €. Das bedeutet, dass Analysten im Schnitt ein Upside von ca. +85% darin sehen.

Grundsätzlich ja, momentan nein

Grundsätzlich ist die Rheinmetall-Aktie für mich eine ganz klare Kaufempfehlung. Das Forward-KGV des Rüstungskonzerns ist inzwischen unter 20 gesunken. Für ein stark wachsendes Unternehmen mit einer ebenso starken Profitabilität und auf Jahre hinaus prall gefüllten Auftragsbüchern ist das ein sehr niedriger Wert. Man kann mit Fug und Recht von einem Schnäppchen sprechen.

Jetzt kommt das Aber: Das Rheinmetall-Management hat meiner Meinung nach einen großen Fehler damit begangen, seine Prognosen scheibchenweise zu korrigieren. Das sorgte in den letzten Monaten für einen massiven Vertrauensverlust.

Wie groß dieser Vertrauensverlust inzwischen ist, zeigt der heutige zweistellige Kursrückgang der Rheinmetall-Aktie. Er ist eigentlich angesichts der moderaten Prognosekorrektur, die noch dazu auf Projektverschiebungen basiert, viel zu hoch.

Aber zu viel Porzellan ist zuletzt zerbrochen worden und ich fürchte es wird noch mehr zu Bruch gehen. Einige Analysten befürchten, dass Rheinmetall in den kommenden Wochen auch seine Langfristprognose bis 2030 kassieren wird, weil die Umsatzaussichten für einige Großprojekte zunehmend unklar sind. Ich halte das für durchaus wahrscheinlich. Darauf dürfte die Rheinmetall-Aktie mit einem weiteren Kurseinbruch reagieren.

Abschließend: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.

ℹ️ Rheinmetall in Kürze

  • Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
  • Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
  • Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
  • Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und Euro Stoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei rund 39 Milliarden €.

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Fazit

Vor diesem Hintergrund rate ich Anlegern, vorerst die Füße still zu halten. Was die Bewertung anbelangt, schreit die Rheinmetall-Aktie nach einem Kauf.

Aber das Momentum ist aktuell so negativ, dass ich davon abrate. Weitere schlechte Nachrichten könnten bevorstehen. Anleger tun gut daran, darauf zu warten, bis sich die Wogen ein wenig geglättet haben.