Schaeffler-Aktie nach -50% Kursverlust: Ist jetzt der Boden erreicht?
Hohe Sonderkosten belasten das Ergebnis
Die Geschäftszahlen für die ersten neun Monate, die am 3. November veröffentlicht wurden, stehen weiterhin im Zeichen des Transformationsprozesses. Hohe Sonderaufwendungen von 262 Millionen € belasteten die Ertragslage.
Das operative Ergebnis vor Sondereffekten verbesserte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,5% auf 794 Millionen €. Die daraus resultierende EBIT-Marge erhöhte sich leicht von 4,2 auf 4,5%. Auch beim Konzernergebnis zeigte sich eine Verbesserung: Der Gewinn vor Sondereffekten stieg von 55 auf 211 Millionen €. Unter Berücksichtigung der Sondereffekte lag das Konzernergebnis allerdings lediglich bei 11 Millionen €.
Der Umsatz erreichte 17,5 Milliarden € und lag damit leicht unter dem Vorjahresniveau. Während die Region Asien/Pazifik ein Wachstum von 7% verzeichnete, ging der Umsatz in Europa um 0,5% zurück. Nach Unternehmensangaben wirkte sich die breite Aufstellung der Schaeffler Gruppe stabilisierend aus. Mit vier produktorientierten Sparten und vier Regionen konnten rückläufige Entwicklungen in einzelnen Bereichen durch andere Geschäftsaktivitäten weitgehend ausgeglichen werden.
Angesichts der weiterhin angespannten Lage in der Automobilindustrie sind die Geschäftszahlen durchaus zufriedenstellend. Insbesondere die Verbesserung der bereinigten EBIT-Marge ist ein positives Signal.
Die Jahresprognose wurde bestätigt. Demnach rechnet Schaeffler mit einem Umsatz zwischen 22,5 und 24,5 Milliarden € sowie einer EBIT-Marge vor Sondereffekten von 3,5 bis 5,5%.
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Neues Sparprogramm aufgelegt
Zusätzlich zum bisherigen Transformationsprogramm hat Schaeffler ein weiteres Maßnahmenpaket zur nachhaltigen Verbesserung der Ertragslage angekündigt.
Ab 2028 sollen dadurch jährlich rund 300 Millionen € eingespart werden. Dem stehen zunächst einmalige Aufwendungen von etwa 480 Millionen € gegenüber.
Die Maßnahmen haben erhebliche Auswirkungen auf die Belegschaft und die Produktionsstruktur. In Europa sollen insgesamt 3.460 Stellen abgebaut werden. Zudem sind die Schließungen von vier Standorten in Deutschland vorgesehen. Auch die Beschäftigten über alle Hierarchieebenen hinweg sollen einen Solidaritätsbeitrag leisten.
Begründet werden die Maßnahmen mit der weiterhin schwierigen Situation in der Automobilindustrie. Der Konzern sieht sich gezwungen, Überkapazitäten abzubauen und seine Kostenstruktur an die veränderten Marktbedingungen anzupassen.
Bewertung
Das zusätzliche Sparprogramm verdeutlicht, dass der wirtschaftliche Druck auf Schaeffler weiterhin erheblich ist. Der Abbau von Überkapazitäten und die Anpassung der Personalstruktur sind daher wichtige Schritte, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
Positiv ist die breitere strategische Aufstellung des Unternehmens. Neben dem klassischen Automobilgeschäft investiert Schaeffler verstärkt in Zukunftsfelder wie Robotik und Drohnentechnologie. Damit könnten sich langfristig zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten eröffnen.
Bis sich diese Investitionen jedoch deutlich in den Geschäftszahlen niederschlagen, dürfte noch einige Zeit vergehen. Zunächst muss der Konzern beweisen, dass sich die eingeleiteten Sparmaßnahmen tatsächlich in einer nachhaltig höheren Profitabilität auszahlen.
ℹ️ Schaeffler in Kürze
- Die Schaeffler Gruppe ist ein weltweit führender Zulieferer der Automobil- und Industriebranche. Der Schwerpunkt dabei liegt bei Getriebe und Fahrwerk sowie Wälz- und Gleitlagerlösungen. Der Konzern befindet sich in einer Umbauphase hin zur Elektromobilität.
- Der Hauptsitz befindet sich in Herzogenaurach, daneben ist der Konzern weltweit aufgestellt.
- Das Unternehmen ist im SDAX gelistet und wird aktuell mit etwa 5,4 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Die Geschäftszahlen zeigen, dass die hohen Sonderkosten das Konzernergebnis weiterhin erheblich belasten. Bereinigt um diese Belastungen kommt Schaeffler allerdings langsam voran. Das Schlimmste könnte damit hinter dem Unternehmen liegen. Eine nachhaltige Trendwende lässt sich daraus allerdings noch nicht ableiten, weitere Rückschläge sind durchaus möglich.
Anleger sollten deshalb zunächst die weitere Kursentwicklung abwarten. Für langfristig orientierte Anleger mit einer höheren Risikobereitschaft könnte das aktuelle Kursniveau dennoch eine interessante Einstiegsbasis darstellen.
Ergänzend sei erwähnt: Während Panzerproduktion boomt, deckt „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ zwei Unternehmen auf, die dank des Nachfrageschubs den entsprechenden Rohstoffe bald massiv profitieren werden.