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Almonty-Aktie: Bricht die Story komplett zusammen?

Weiter unter Druck
Redaktion
Die Almonty-Aktie bleibt nach unserer kritischen Berichterstattung von letzter Woche unter Druck. Dabei hat der Wolframproduzent mit der Inbetriebnahme der Sangdong-Mine in Südkorea einen wichtigen Meilenstein erreicht. Doch statt Euphorie herrscht Ernüchterung. Verzögerungen bei den Ausbauplänen, eine ambitionierte Bewertung und erhebliche finanzielle Risiken werfen Fragen auf. Unsere kritische Einschätzung bleibt bestehen: Die Wolfram-Story ist vielversprechend, die Aktie aber längst kein Selbstläufer.

Almonty hat geliefert – zumindest teilweise. Am 23. September meldete das Unternehmen die erste Wolframproduktion in Sangdong. Im Oktober folgte die erste kommerzielle Verschiffung. Damit ist aus einem jahrelangen Entwicklungsprojekt endlich ein produzierender Bergbaubetrieb geworden.

Das ist zweifellos ein Erfolg. Doch zwischen erster Produktion und einem wirtschaftlich erfolgreichen Minenbetrieb liegen Welten. Entscheidend sind jetzt der Produktionshochlauf, die tatsächlichen Förderkosten und die erzielten Margen. Beim Investorentag am 19. Oktober wurden weiterhin technische Optimierungen an der Aufbereitungsanlage thematisiert. Zudem sorgten angepasste Zeitpläne für die nächsten Ausbaustufen für Ernüchterung. Auch Analyst Stifel reagierte mit einer Reduzierung seiner Erwartungen.

Die Börse quittierte die Veranstaltung mit deutlichen Kursverlusten. Das ist beachtlich, denn die operative Entwicklung ist grundsätzlich positiv. Offenbar erkennen Anleger zunehmend, dass die ambitionierten Wachstumserwartungen nicht ohne Verzögerungen und Risiken zu erreichen sind.

Gute Story, schwierige Bewertung

Der geopolitische Rückenwind für Almonty ist unbestritten. China dominiert den Wolframmarkt und verschärfte Exportkontrollen erhöhen den strategischen Wert westlicher Lieferketten. Mit Sangdong verfügt Almonty über ein bedeutendes Projekt außerhalb Chinas. Langfristige Abnahmeverträge, unter anderem mit der Plansee-Gruppe, bieten zusätzliche Planungssicherheit.

Doch strategische Bedeutung und Börsenwert sind zwei unterschiedliche Dinge.

Die Marktkapitalisierung lag Ende Oktober bei rund 2,5 Milliarden US-Dollar. Eine enorme Bewertung für ein Unternehmen, das den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg seiner wichtigsten Mine erst noch beweisen muss. Ein großer Teil der künftigen Produktionssteigerungen dürfte bereits im Aktienkurs berücksichtigt sein.

Besonders kritisch bleibt die Qualität der ausgewiesenen Gewinne. Im zweiten Quartal 2026 meldete Almonty einen Nettogewinn von 181,8 Millionen CAD. Davon entfielen allerdings rund 173,1 Millionen CAD auf nicht zahlungswirksame Bewertungsgewinne im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten und der Wandelanleihe. Das bereinigte EBITDA lag dagegen bei 17,6 Millionen CAD. Wer allein auf den Nettogewinn blickt, erhält deshalb ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Ertragskraft.

Milliardenfinanzierung und Verwässerungsrisiko

Auch die Finanzierung verdient einen kritischen Blick. Die im Juni platzierte Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar verschafft Almonty zwar erheblichen finanziellen Spielraum. Sie bringt jedoch Zinsverpflichtungen und potenzielle Verwässerungsrisiken mit sich. Gleichzeitig ist die Zahl der ausstehenden Aktien seit Juli 2024 bereits um rund 67 Prozent gestiegen.

Hinzu kommen die im bisherigen Jahresverlauf eingeräumten Schwächen bei den internen Finanzkontrollen. Der Wechsel des Abschlussprüfers zu PwC ist für sich genommen kein Beleg für Unregelmäßigkeiten. Dennoch muss Almonty erst beweisen, dass die Berichterstattung dauerhaft den Anforderungen eines inzwischen milliardenschweren Unternehmens genügt.

Auch die Expansion nach Spanien und Ruanda eröffnet zwar zusätzliche Chancen, erhöht aber die operative Komplexität. Almonty muss erst zeigen, dass mehrere internationale Projekte gleichzeitig erfolgreich entwickelt und wirtschaftlich betrieben werden können.

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Die Aktie bleibt ein Hochrisikoinvestment

Die Kursentwicklung spricht eine deutliche Sprache. Nach dem Rekordhoch von 24,41 US-Dollar im April notierte die Aktie am 30. Oktober nur noch bei 8,70 US-Dollar. Damit hat sich der Börsenwert trotz erster Produktion und geopolitischer Rückenwinde erheblich reduziert.

Unsere kritische Einschätzung bleibt deshalb bestehen. Almonty besitzt zweifellos interessante Vermögenswerte und könnte von der strukturellen Neuordnung des Wolframmarktes erheblich profitieren. Doch die entscheidende Bewährungsprobe steht erst bevor. Das Unternehmen muss steigende Produktionsmengen, stabile operative Margen und nachhaltigen freien Cashflow liefern.

Bis dahin erscheint die Bewertung ambitioniert. Die Wolfram-Fantasie ist real, die daraus abgeleitete Renditeerwartung für Aktionäre jedoch keineswegs gesichert.

ℹ️ Almonty Industries in Kürze

  • Almonty Industries (WKN: A1JSSD) ist ein 2011 gegründetes Bergbauunternehmen mit Sitz in Dillon, Montana, USA. Der Schwerpunkt des Unternehmens liegt auf der Förderung von Wolfram.
  • Derzeit betreibt der kanadische Rohstoffproduzent Minen in Portugal, Spanien und Südkorea.
  • Die Hauptnotierung der Aktie erfolgt an der Nasdaq (Ticker: ALM). In Deutschland ist die Aktie unter anderem in Frankfurt und über Tradegate handelbar. Das Unternehmen wird aktuell mit 2,47 Milliarden US$ bewertet.

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Redaktion

Fazit

Almonty ist inzwischen mehr als eine reine Projektfantasie. Doch aus einer produzierenden Mine wird nicht automatisch ein attraktives Investment. Solange die operative Leistungsfähigkeit und die Wirtschaftlichkeit nicht überzeugend nachgewiesen sind, bleibt die Aktie eine hochspekulative Wette mit erheblichem Rückschlagpotenzial. Wir bleiben bezüglich der kommenden Kursentwicklung skeptisch, was unter anderem auch an einem aus unserer Sicht fragwürdigen Management liegt.

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