Commerzbank-Aktie: EZB senkt die Hürde – sind jetzt 42 € drin?
EZB senkt die Kapitalanforderungen erneut
Die Europäische Zentralbank hat am 27. Oktober ihre neuen Anforderungen an die Commerzbank veröffentlicht. Demnach sinkt die zusätzliche Eigenmittelanforderung der sogenannten Säule 2 von bislang 2,15 auf 2,10%.
Die regulatorische Mindestanforderung an das harte Kernkapital reduziert sich dadurch auf 10,26%. Tatsächlich verfügte die Commerzbank Ende Juni bereits über eine harte Kernkapitalquote von 14,4%. Der Abstand beträgt somit beachtliche 4,14 Prozentpunkte.
Für Anleger ist diese Entwicklung interessant. Denn die Kapitalausstattung entscheidet darüber, wie viel Geld eine Bank für zusätzliche Kredite, Wachstum und Ausschüttungen einsetzen kann.
Allerdings sollte man die Größenordnung einordnen. Die gesenkte Mindestanforderung verbessert den Kapitalspielraum lediglich um drei Basispunkte. Ein wesentlicher zusätzlicher Gewinnhebel entsteht daraus zunächst nicht. Vielmehr bestätigt die Entscheidung, dass die EZB das Risikoprofil der Commerzbank weiterhin positiv beurteilt.
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Bis 2030 sollen 5,9 Milliarden € Gewinn entstehen
Die operative Entwicklung ist ohnehin überzeugend. Im ersten Halbjahr 2026 steigerte die Commerzbank ihren Nettogewinn um rund +40% auf 1,81 Milliarden €. Das operative Ergebnis wuchs um +14% auf 2,73 Milliarden €.
Für das Gesamtjahr erwartet das Management mindestens 3,4 Milliarden € Nettogewinn. Bis 2028 sollen daraus bereits 4,6 Milliarden € und bis 2030 sogar 5,9 Milliarden € werden.
Das wäre gegenüber der Prognose für 2026 ein Gewinnwachstum von rund +74% innerhalb von vier Jahren. Gleichzeitig strebt die Bank bis 2030 eine Eigenkapitalrendite auf das materielle Eigenkapital von 21% an.
Die Commerzbank will zudem weiterhin hohe Teile ihrer Gewinne an die Aktionäre zurückgeben. Dafür sind steigende Dividenden und Aktienrückkäufe vorgesehen.
Allerdings muss das Management seine ehrgeizigen Ziele noch erfüllen. Gerade eine konjunkturelle Abschwächung oder höhere Kreditausfälle könnten die Profitabilität belasten.
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Bewertung: KGV von 12 und 42 € Kursziel
Bei einem Börsenwert von rund 41 Milliarden € und mindestens 3,4 Milliarden € erwartetem Jahresgewinn wird die Commerzbank mit ungefähr dem Zwölffachen des laufenden Jahresgewinns bewertet.
Das erscheint mir für eine Bank mit zweistelliger Eigenkapitalrendite durchaus moderat.
Auch der Buchwert liefert eine interessante Orientierung. Ende Juni lag der materielle Buchwert bei 26,54 € je Aktie. Daraus ergibt sich beim aktuellen Kurs ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,42. Ein echtes Buchwert-Schnäppchen ist die Aktie damit allerdings nicht mehr.
Die Analysten sind entsprechend zurückhaltend. Die Deutsche Bank sieht das Papier bei 42 €, während RBC und Barclays jeweils 41 € erwarten. JPMorgan bleibt mit 39 € vorsichtiger. Gegenüber dem aktuellen Kurs entspricht das einem möglichen Aufwärtspotenzial zwischen rund +3% und +11%.
ℹ️ Commerzbank in Kürze
- Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
- Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
- Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit rund 40,6 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Die niedrigeren Kapitalanforderungen sind für mich ein weiteres Zeichen der fundamentalen Stärke der Commerzbank. Sie schaffen zwar keinen großen zusätzlichen Gewinnhebel, bestätigen aber die solide Kapitalausstattung. Bei einem KGV von rund 12 halte ich die Aktie weiterhin für vernünftig bewertet. Besonders die Gewinnziele bis 2030 könnten langfristig weiteres Potenzial eröffnen. Kurzfristig würde ich allerdings die Quartalszahlen am 5. November abwarten. Für einen aggressiven Neueinstieg erscheint mir der Bewertungsabschlag derzeit zu gering.