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Boeing-Aktie -10%: Ist die Erholung jetzt in Gefahr?

Turbulenzen bei Boeing

Die Boeing-Aktie ist am Dienstag nach den Zahlen zum dritten Quartal im US-Handel um 9,78% auf rund 170 US$ gefallen. Der Flugzeugbauer wird sein Auslieferungsziel von 500 Maschinen für 2026 voraussichtlich verfehlen. Kurz darauf senkte Jefferies das Kursziel, bleibt aber bei seiner Kaufempfehlung. Damit stellt sich die Frage: Wie belastbar ist die Erholung bei Boeing nach diesem Rückschlag noch?

Der Hochlauf stockt

Im dritten Quartal meldete Boeing einen bereinigten Verlust von 34 Cent je Aktie. Erwartet hatte der Markt ein Minus von 21 Cent. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 4% auf 24,188 Milliarden US$. Der Nettoverlust ging auf 116 Millionen US$ zurück, nachdem es ein Jahr zuvor noch 5,34 Milliarden US$ gewesen waren. Die Sparte Verkehrsflugzeuge blieb mit einem Minus von 697 Millionen US$ das Sorgenkind. Im Rüstungsgeschäft legte der Umsatz dagegen um 15% auf 7,94 Milliarden US$ zu.

Den Kurs belastete vor allem der Ausblick. Laut Finanzchef Jesus Malave wird Boeing im laufenden Jahr weniger als 500 Maschinen der 737-Max-Familie ausliefern. Nach neun Monaten sind es 375, davon 124 im dritten Quartal. Die Produktionsrate von 47 Maschinen pro Monat soll erst 2027 stabil erreicht werden, einen deutlichen weiteren Ausbau der 737-Fertigung plant der Konzern für die zweite Jahreshälfte 2027. Bei der 787 bleibt es bei acht Maschinen pro Monat, die Auslieferungen dürften am unteren Ende der Zielspanne liegen. Für mich wiegt das schwerer als der Quartalsverlust: Jeder Monat Verzögerung beim Hochlauf verschiebt die Umsätze und die Margen, auf denen die gesamte Erholung aufbaut.

Cashflow hält die Richtung

Beim Cashflow konnte Boeing liefern. Der freie Cashflow lag im Quartal bei 464 Millionen US$, nach 238 Millionen US$ im Vorjahresquartal. Und das, obwohl rund 700 Millionen US$ an Vergleichszahlungen an das US-Justizministerium abgeflossen sind. Insgesamt übergab Boeing 161 Verkehrsflugzeuge, so viele wie in keinem Quartal seit 2018. Der Auftragsbestand stieg auf den Rekordwert von 745 Milliarden US$.

Für den freien Cashflow nennt das Management rund 2 Milliarden US$ für 2026 und etwa 3 Milliarden US$ für 2027. Danach sollen es 2028 rund 6 Milliarden US$ und 2029 dann 10 Milliarden US$ sein. Im Wert für 2027 stecken Investitionen von rund 5 Milliarden US$ sowie Mittelabflüsse im 777X-Programm. Aus meiner Sicht ist diese Zielreihe der eigentliche Kern des Investment-Case. Der volle Auftragsbestand nützt Aktionären erst dann etwas, wenn die Fabriken ihn zügig in Auslieferungen umsetzen.

Analysten ziehen auseinander

Jefferies senkte das Kursziel von 265 auf 230 US$ und bestätigte die Einstufung "Buy". Nach Einschätzung des Analysehauses dürfte das Cashflow-Ziel von 10 Milliarden US$ ein Jahr später erreicht werden. Jin Chang von Presidents Capital Management stufte die Aktie dagegen von "Buy" auf "Neutral" ab, sein Kursziel liegt bei 192 US$.

Bewertung bleibt anspruchsvoll

Für 2026 erwarten Analysten im Mittel einen Verlust von 1,04 US$ je Aktie, ein KGV ist dafür nicht aussagekräftig. Für 2027 liegt die mittlere Schätzung bei 3,56 US$ Gewinn je Aktie. Daraus ergibt sich beim Kurs von rund 170 US$ ein KGV von knapp 48 für 2027. Bei rund 790 Millionen Aktien kommt Boeing auf einen Börsenwert von etwa 134 Milliarden US$. Gemessen am Cashflow-Ziel für 2027 entspricht das einer Rendite von nur gut 2%. Erst mit den angepeilten 10 Milliarden US$ für 2029 stiege sie auf rund 7,5%. Die Bewertung setzt also voraus, dass Boeing seinen Plan über mehrere Jahre einhält.

Fazit

Für mich ist die Erholung bei Boeing intakt, sie kommt aber langsamer voran als erhofft. Der Kurseinbruch hat zwar Luft aus der Bewertung gelassen. Das hohe Gewinnmultiple für 2027 lässt jedoch kaum Spielraum für weitere Verzögerungen in der Produktion. Das Jefferies-Ziel liegt rund 35% über dem aktuellen Niveau. Daran lässt sich ablesen, wie viel Potenzial möglich wäre, wenn der Hochlauf gelingt. Die Abstufung durch Presidents Capital macht aber auch deutlich, dass dieser Erfolg keineswegs sicher ist.

Entscheidend wird nun sein, ob Boeing die angepeilte Produktionsrate im Laufe von 2027 tatsächlich stabil hält und den Cashflow-Pfad bestätigt. Für bestehende Anleger mit langem Atem könnte es sinnvoll sein, die Position zu halten, weil Rekordauftragsbestand und Rüstungsgeschäft eine solide Grundlage bilden. Ein Neueinstieg könnte für mich erst interessant werden, wenn die nächsten Quartale belegen, dass die Produktion verlässlich steigt. Bis dahin könnten Anleger die Entwicklung von der Seitenlinie aus beobachten.

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