BioNTech-Aktie: 16,6 Milliarden € Cash – kommt jetzt der Krebs-Turnaround?
Moderna liefert den wichtigen Machbarkeitsnachweis
Moderna und Merck konnten mit ihrer personalisierten mRNA-Krebsimmuntherapie das Wiederauftreten beziehungsweise die Ausbreitung bestimmter Melanome in einer Phase-3-Studie verzögern. Die vollständigen Daten sollen noch im Oktober vorgestellt werden, eine mögliche Zulassung wird für das kommende Jahr vorbereitet.
Für BioNTech ist das wissenschaftlich bedeutsam. Der Erfolg beweist zwar nicht, dass andere mRNA-Krebsimpfstoffe ebenfalls funktionieren. Er stärkt jedoch die grundsätzliche Annahme, dass individuell auf das Tumorprofil zugeschnittene Immuntherapien einen klinisch messbaren Nutzen erreichen können.
BioNTech verfolgt einen ähnlichen Ansatz bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. Der Kandidat Autogene Cevumeran soll das Immunsystem auf individuell ausgewählte Tumormerkmale trainieren. Nach dem jüngsten Rückschlag bei Darmkrebs bleibt dieses Programm allerdings mit erheblichen Entwicklungsrisiken verbunden.
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2026 wartet noch ein eigener mRNA-Test
Kurzfristig wird deshalb BNT113 besonders wichtig. Die serienmäßig herstellbare mRNA-Therapie richtet sich gegen zwei Proteine, die in HPV16-positiven Tumoren vorkommen. In einer zulassungsrelevanten Phase-2/3-Studie wird die Kombination mit Mercks Keytruda gegen Keytruda allein bei wiederkehrendem oder metastasiertem Kopf-Hals-Krebs getestet.
Die erste Zwischenanalyse des Phase-3-Teils wird noch 2026 erwartet. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat BNT113 bereits den Fast-Track-Status verliehen. Positive Daten würden zeigen, dass BioNTechs mRNA-Plattform auch außerhalb individuell hergestellter Impfstoffe kommerzielles Potenzial besitzt.
Gleichzeitig hängt BioNTechs Zukunft nicht mehr allein an mRNA. Der Antikörper Gotistobart verlängerte in einer Phase-3-Studie das Überleben bestimmter Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs klinisch bedeutsam. Nach Unternehmensangaben wurde die Überlebenszeit gegenüber der Standardchemotherapie nahezu verdoppelt.
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Die Kasse deckt einen Großteil des Börsenwerts
Ende Juni verfügte BioNTech über liquide Mittel und Wertpapieranlagen von 16,63 Milliarden €. Dem steht eine aktuelle Marktkapitalisierung von rund 22,8 Milliarden US$ gegenüber. Vereinfacht betrachtet bewertet die Börse das gesamte operative Geschäft und die umfangreiche Krebs-Pipeline damit nur noch mit wenigen Milliarden US$.
Der Abschlag besitzt allerdings einen Grund. Im zweiten Quartal brach der Umsatz von 260,8 auf 105,6 Millionen € ein. Gleichzeitig verdoppelte sich der Nettoverlust beinahe auf 820,8 Millionen €. Für das Gesamtjahr erwartet BioNTech lediglich 1,6 bis 1,9 Milliarden € Umsatz, aber bereinigte Forschungsausgaben zwischen 2 und 2,3 Milliarden €. Das Unternehmen verbraucht daher weiterhin einen Teil seines finanziellen Polsters.
Das Management nutzt die niedrige Bewertung dennoch für Rückkäufe. Bis Anfang Mai 2027 dürfen eigene Aktien im Wert von bis zu 1 Milliarde US$ erworben werden. Im zweiten Quartal kaufte BioNTech bereits rund 1,69 Millionen Papiere zu durchschnittlich 89,50 US$ zurück.
Analysten sehen bis zu 136 US$
Das durchschnittliche Kursziel von 21 Analysten liegt bei rund 116 US$ und signalisiert gut +20% Potenzial. Morgan Stanley sieht 114 US$, BMO Capital 105 US$ und Canaccord Genuity sogar 136 US$. Die Spanne reicht allerdings von knapp 76 bis fast 144 US$ – ein Spiegelbild der hohen klinischen Unsicherheit.
ℹ️ BioNTech in Kürze
- BioNTech (WKN: A2PSR2) ist ein deutsches Biotech-Unternehmen mit Sitz in Mainz, das auf die Entwicklung und Herstellung patientenspezifischer aktiver Immuntherapien zur Behandlung von Krebs und Infektionskrankheiten fokussiert ist.
- In den letzten Jahren wurde das Unternehmen durch seinen Impfstoff gegen das Coronavirus (Covid-19) weltbekannt und entwickelte sich zu einem Milliardenkonzern.
- An der Börse ist BioNTech derzeit mit rund 22,8 Milliarden US$ bewertet.
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Fazit
BioNTech bleibt eine spekulative Pipeline-Wette, besitzt dank der 16,6 Milliarden € starken Finanzposition aber einen ungewöhnlich großen Sicherheitspuffer. Bestätigen BNT113 oder weitere Krebsprogramme ihren Nutzen, dürfte die Aktie erhebliches Neubewertungspotenzial besitzen. Für risikobereite Langfristanleger halte ich eine kleine Position deshalb für interessant.