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Deutsche Telekom

Deutsche Telekom-Aktie: 2,5 Milliarden € – jetzt 47% Potenzial?

Buy the Dip?
Vincent Uhr
Die Deutsche Telekom-Aktie ist am Freitag um 7,9% auf 24,70 € eingebrochen. Auslöser waren neue Sorgen vor SpaceX als künftigem Mobilfunkkonkurrenten. Dabei ging eine andere Nachricht nahezu unter: Die Telekom will ihre indirekten Kosten mithilfe künstlicher Intelligenz bis 2030 um rund 2,5 Milliarden € senken. Analysten sehen nach dem Kursrutsch im Durchschnitt sogar 47% Potenzial.

KI soll die Kostenbasis verändern

Bis 2027 erwartet die Deutsche Telekom außerhalb der USA bereits Bruttoeinsparungen von rund 1,1 Milliarden € gegenüber 2023. Bis 2030 soll die Entlastung bei den indirekten Kosten auf etwa 2,5 Milliarden € steigen.

Die Einsparungen entstehen vor allem im Kundenservice, im Netzbetrieb, in der Softwareentwicklung und in der Verwaltung. Der Chatbot „Frag Magenta“ übernahm im ersten Halbjahr bereits rund 2,6 Millionen Kundenanrufe. Bei T-Mobile US sank die Zahl der Anrufe im Kundenservice um 55%. KI-Agenten bearbeiten dort mittlerweile 40% der Kundenkontakte.

Allerdings fließen die eingesparten Mittel nicht vollständig in den Gewinn. Einen Teil will die Telekom in den deutschen Glasfaserausbau und die weitere Digitalisierung investieren. Dennoch könnten automatisierte Prozesse die Margen dauerhaft verbessern und den hohen Kapitalbedarf des Netzgeschäfts zumindest teilweise ausgleichen.

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Aus Kosten sollen neue Umsätze werden

KI dient der Telekom nicht nur als Sparprogramm. Im Geschäft mit Unternehmenskunden außerhalb der USA sollen die entsprechenden Erlöse von rund 250 Millionen € im laufenden Jahr auf 800 Millionen € im Jahr 2030 steigen.

Ein wichtiger Baustein ist die Industrial AI Cloud in München. Dort können Unternehmen KI-Modelle trainieren, industrielle Prozesse simulieren und sensible Daten auf europäischer Infrastruktur verarbeiten. Gemeinsam mit SAP baut die Telekom zudem eine souveräne KI-Plattform für deutsche Behörden auf.

Auch im Privatkundengeschäft sollen neue Erlösquellen entstehen. Der Magenta AI Assistant kann Telefongespräche live übersetzen, Inhalte zusammenfassen und Fragen beantworten. Solche Funktionen könnten künftig Bestandteil höherpreisiger Tarife oder kostenpflichtiger Zusatzangebote werden.

Das operative Geschäft bleibt stabil

Im zweiten Quartal stieg der Konzernumsatz auf 29,93 Milliarden €. Das bereinigte EBITDA nach Leasingverbindlichkeiten erreichte 11,82 Milliarden € und übertraf damit die Markterwartungen.

Für das Gesamtjahr rechnet die Telekom weiterhin mit einem bereinigten EBITDA AL von rund 47,5 Milliarden € und einem bereinigten Ergebnis je Aktie von etwa 2,20 €. Die Prognose für den freien Cashflow wurde erneut angehoben und liegt nun bei rund 20 Milliarden €.

Auch die Kapitalrückgabe bleibt attraktiv. Für 2025 zahlte die Telekom 1 € je Aktie, 11% mehr als im Vorjahr. Analysten rechnen für das laufende Geschäftsjahr im Durchschnitt mit ungefähr 1,13 €. Beim aktuellen Kurs entspräche dies einer erwarteten Dividendenrendite von rund 4,6%. Zusätzlich wurde das Aktienrückkaufprogramm von ursprünglich 2 auf bis zu 5 Milliarden € aufgestockt.

Analysten sehen den Einbruch als Chance

Das durchschnittliche Kursziel von 18 Analysten liegt bei 36,43 €. Damit ergibt sich gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag ein rechnerisches Potenzial von rund 47%.

Die Deutsche Bank nennt 40 €, Goldman Sachs 38 € und UBS 35,10 €. Selbst das niedrigste Kursziel von 28,10 € liegt noch deutlich über dem aktuellen Kurs.

Die SpaceX-Gefahr sollte dennoch nicht ignoriert werden. Ein flächendeckendes Mobilfunkangebot mit guter Versorgung in Gebäuden dürfte ohne zusätzliche terrestrische Infrastruktur oder Roamingpartner allerdings Jahre benötigen. Kurzfristig bedroht Starlink das Kerngeschäft von T-Mobile US daher weniger stark, als es der Kursrutsch vermuten lässt.

ℹ️ Deutsche Telekom in Kürze

  • Die Deutsche Telekom (WKN: 555750) gehört zu den weltweit führenden Konzernen für Telekommunikations- und Informationstechnologie. Die Leistungen sind sehr breit gefächert, von der Breitbanktelefonie, Mobilfunk sowie TV oder komplexe ICT-Lösungen bietet der Konzern alles aus einer Hand an.
  • Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn ist weltweit in 50 Ländern tätig. Mit der Tochter T-Mobile US gehört es zu den führenden Telekommunikationsanbietern in den USA.
  • Die Marktkapitalisierung der im DAX gelisteten Aktie beträgt rund 119 Milliarden €.

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Vincent Uhr

Fazit

Der Kurssturz erscheint mir überzogen. SpaceX ist ein langfristiges Wettbewerbsrisiko, aber noch kein vollwertiger Ersatz für ein Mobilfunknetz. Gleichzeitig stützen steigender Cashflow, KI-Einsparungen, Aktienrückkäufe und die attraktive Dividende. Nach dem Rückgang auf 24,70 € halte ich die Deutsche Telekom-Aktie wieder für kaufenswert.