Vonovia-Aktie: 16, 26 oder 34,50 € – wer hat recht?
JPMorgan streicht 8,50 €
JPMorgan hat sein Kursziel von 34,50 auf 26 € gesenkt, die Einstufung „Overweight“ aber beibehalten. Analyst Neil Green verweist auf die gestiegenen Zinsen und die zunehmende Frustration der Investoren. Als möglichen Kurstreiber sieht er Verkäufe von Aktivitäten im Wert von rund 1 Milliarde €, deren Erlös Vonovia zum Schuldenabbau verwenden könnte.
Das neue Ziel verspricht vom aktuellen Niveau trotzdem rund +55%. Berenberg bleibt mit 34,50 € wesentlich optimistischer. Die Privatbank verweist auf die Widerstandsfähigkeit der operativen Gewinne und sieht auch die politische Enteignungsdiskussion in Berlin weniger kritisch. BNP Paribas hält dagegen und nennt lediglich 16 €.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob die Wohnungen gefragt sind. Vielmehr müssen Anleger beurteilen, wie viel vom steigenden Mietertrag nach Finanzierungskosten und notwendigen Investitionen übrig bleibt.
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Das Kerngeschäft wächst
Im ersten Halbjahr erhöhte Vonovia das bereinigte EBITDA im Vermietungsgeschäft um 3,5% auf 1,27 Milliarden €. Im Value-add-Segment, zu dem unter anderem Handwerker-, Energie- und wohnungsnahe Dienstleistungen zählen, sprang das Ergebnis sogar um 27,6% auf 128,5 Millionen €.
Konzernweit stieg das bereinigte EBITDA um 2,4% auf 1,46 Milliarden €. Das bereinigte Vorsteuerergebnis ging dagegen um 2,6% auf 962,3 Millionen € zurück. Je Aktie sank es wegen der höheren Aktienzahl um 5,4% auf 1,13 €.
Für das Gesamtjahr erwartet das Management weiterhin ein bereinigtes Vorsteuerergebnis von 1,9 bis 2 Milliarden €. Auf Basis dieser Prognose kostet die Aktie nur ungefähr das 7-Fache des bereinigten Ergebnisses. Die erwartete Dividende von rund 1,26 € entspräche zudem einer Rendite von etwa 7,5%. Fundamental wirkt das ausgesprochen günstig.
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Die Schulden erklären den Abschlag
Der Börsenkurs bildet allerdings nur die eine Seite der Bewertung ab. Vonovia trug Ende Juni Nettoschulden von 40 Milliarden €. Der Verschuldungsgrad stieg von 45,4 auf 46%, während das Verhältnis von Nettoschulden zum bereinigten EBITDA den Faktor 14 erreichte.
Gleichzeitig sank der operative freie Cashflow im ersten Halbjahr um 45,4% auf 607,5 Millionen €. Neue Anleihen kosteten Vonovia nach Währungsabsicherung teilweise zwischen 3,85 und 4,57%. Werden ältere, günstigere Finanzierungen ersetzt, steigt die Zinsbelastung schrittweise weiter.
Der Immobilienbestand wurde dennoch mit 85,68 Milliarden € bewertet. Der EPRA NTA lag zuletzt bei 46,22 € je Aktie. Die Aktie notiert somit rund 64% unter ihrem bilanziellen Nettovermögenswert. Der Abschlag zeigt, wie wenig Vertrauen der Markt momentan in die Werthaltigkeit des Portfolios und den Schuldenabbau besitzt.
ℹ️ Vonovia in Kürze
- Vonovia (WKN: A1ML7J) mit Sitz in Bochum verwaltet und vermietet Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden.
- Durch die Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen im Jahr 2021 ist das Unternehmen zum größten Immobilienkonzern Europas avanciert mit ca. 550.000 Wohneinheiten.
- Vonovia ist Mitglied im DAX und aktuell rund 13,8 Milliarden € wert.
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Fazit
Das Berenberg-Ziel von 34,50 € setzt sinkenden Zinsdruck, stabile Immobilienwerte und einen sichtbaren Schuldenabbau voraus. Kurzfristig erscheint mir das neue JPMorgan-Ziel von 26 € realistischer. Bei 16,75 € ist bereits viel Skepsis eingepreist, während Vermietungsgeschäft und Dividende solide bleiben. Für langfristige Anleger überwiegt deshalb die Chance – aufgrund der hohen Verschuldung würde ich allerdings nur gestaffelt einsteigen.