Argenx-Aktie -15%: Den Rückschlag für einen Kauf nutzen?
Ein herber Dämpfer
Auslöser des heutigen Kurssturzes der Argenx-Aktie war die Mitteilung, dass das Phase-3-Studie UNITY zur Behandlung von Sjögren wegen Wirkungslosigkeit abgebrochen wird. Ein unabhängiges Datenkomitee kam nach einer Zwischenanalyse zu dem Schluss, dass die Studie ihr primäres Ziel nicht erreichen kann.
In der Studie wurde die Wirksamkeit des Wirkstoffes Efgartigimod Sc bei der Therapie des Sjögren-Syndroms getestet. Dabei handelt es sich um eine chronische entzündliche Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Drüsen – vor allem die Tränen- und Speicheldrüsen – angreift und schädigt. Die daran erkrankten Personen leiden deshalb unter extremer Trockenheit von Mund und Augen.
Für Argenx ist das eine ziemlich schlechte Nachricht, was sich auch an der äußerst negativen Kursreaktion der Argenx-Aktie ablesen lässt. Nicht, weil sich mit der Behandlung des Sjögren-Syndroms besonders viel Geld verdienen lässt, sondern weil das Biotech-Unternehmen sein Geld fast ausschließlich mit dem Wirkstoff Efgartigimod Alfa zur Behandlung der schweren Muskelschwächekrankheit Myasthenia gravis verdient. Die Wachstumsgeschichte von Argenx basiert auf der Annahme, dass dieser Wirkstoff auch bei anderen Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden kann.
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Aber auch eine positive Nachricht
Gleichzeitig meldete Argenx aber auch einen Studienerfolg. In einer Phase II-Studie des Wirkstoffkandidaten FB102 zur Behandlung von Zöliakie erreichte das Unternehmen hoffnungsvolle Ergebnisse. Die Studie wird nun in Phase-III überführt.
Zöliakie ist eine chronische Autoimmunerkrankung des Dünndarms, die durch das Klebereiweiß Gluten ausgelöst wird. Gluten kommt in Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Einkorn und Emmer vor. Bei den betroffenen Personen kommt zu einer dauerhaften Entzündung der Dünndarmschleimhaut.
Wo ist der Boden?
Das Chartbild der Argenx-Aktie hat sich mit dem heutigen Kurseinbruch massiv verschlechtert. Der Kurs fällt auf 700 € zurück — den tiefsten Stand seit drei Monaten.
Bei 685 € erwartet die Aktie eine starke Unterstützungszone. Sollte sie nicht halten, könnte es sogar bis 665 € nach unten gehen.
Immer noch ein One-Trick-Pony
In meiner letzten Analyse der Argenx-Aktie Mitte August habe ich den Biopharma-Titel zum Verkauf empfohlen. Der Aktienkurs ist seitdem um -18% zurückgegangen, weshalb ich mich in meiner Einschätzung bestätigt fühle.
Die Gründe für meine Skepsis gegenüber der Argenx-Aktie sind und bleiben dieselben. Der niederländische Konzern ist derzeit ein sogenanntes „One-Trick-Pony“. Fast 100% des Umsatzes stammen vom Medikament Vyvgart (Wirkstoff Efgartigimod), das zur Behandlung von der neuromuskuläre Erkrankung Myasthenia Gravis und der seltene Nervenerkrankung chronische inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP) eingesetzt wird.
Die Story von Argenx basiert aktuell darauf, dass sich der Erfolg von Vyvgart auch auf andere Autoimmunerkankungen übertragen lässt. Das scheint mal zu gelingen und mal nicht.
Im August meldeten die Niederländer positive Ergebnisse in einer Phase-3-Studie für das Präparat Vyvgart Hytrulo zur Behandlung der Autoimmun-Myositis, einer seltenen und schweren entzündlichen Erkrankung der Skelettmuskulatur. Bei der Therapie des Sjögren-Syndroms scheiterte Argenx jedoch.
Charttechnisch und fundamental angeschlagen
Die Einbruch der Argenx-Aktie zeigt, wir ernst der Markt dieses Scheitern nimmt. Das muss er auch, denn die Bewertung der Aktie war meiner Meinung nach etwas zu ambitioniert und hat zu viele Entwicklungserfolge eingepreist.
Das Forward-KGV der Argenx-Aktie liegt nun bei 26. Das ist für ein Unternehmen, das in den kommenden Jahren voraussichtlich mit 20 bis 25% wachsen und ein leicht überproportionales Ergebniswachstum aufweisen wird, ein vernünftiger Wert.
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ℹ️ Argenx in Kürze
- Argenx (WKN: A11602) ist ein 2008 gegründeter belgisch-niederländischer Biopharmakonzern mit Sitz in Breda in den Niederlanden.
- Der Konzern ist auf die Entwicklung und Vermarktung neuartiger Antikörper-Therapien gegen seltene und schwerwiegende Autoimmunerkrankungen spezialisiert.
- Hauptprodukt von Argenx ist der FcRn-Antagonist Vyvgart, der verhindert, dass krankheitsverursachende IgG-Autoantikörper im Körper recycelt werden.
- Vyvgart wird zur Behandlung der chronische neuromuskuläre Erkrankung Myasthenia Gravis und der seltene Nervenerkrankung chronische inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP) eingesetzt.
- Argenx ist Mitglied im europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 und ca. 43 Milliarden € wert.
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Fazit
Viel Upside sehe ich trotz des jüngsten Kurseinbruchs aber derzeit nicht für die Argenx-Aktie. Der Biopharma-Konzern ist fundamental und charttechnisch angeschlagen.
Die Börse bezweifelt in Anbetracht des Studienrückschlags die Wachstumsstory von Argenx. Das Unternehmen wird in den kommenden Monaten gute Studienergebnisse liefern müssen, um diese Zweifel wieder auszuräumen.