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Brenntag-Aktie: Ist sie eine zweite Evonik?

Mögliche Konsolidierungswelle
Die Chemiebranche in Deutschland wird derzeit von den Gesprächen zwischen BASF und Evonik über eine mögliche Übernahme bestimmt. Hier stellt sich die Frage: Kann die Brenntag-Aktie davon profitieren? Seit Juni konnte sich die Aktie wieder erholen und notiert am Donnerstag aktuell bei 61,60 €.

BASF befürchtet Konsolidierungswelle

BASF lotet derzeit eine mögliche Übernahme von Evonik aus. Hintergrund ist die schwierige Situation in der Chemiebranche.

Die Nachfrage ist in vielen Bereichen schwach. Gleichzeitig leiden die europäischen Hersteller unter hohen Energie- und Produktionskosten. Zusammenschlüsse könnten daher für die Unternehmen eine Möglichkeit sein, Kosten zu senken und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Sollte es tatsächlich zu einem Zusammenschluss der beiden großen deutschen Chemiekonzerne kommen, würde ein international bedeutender Chemiekonzern entstehen. Nach Darstellung von BASF könnten sich die Produktportfolios beider Unternehmen gut ergänzen.

Ob es tatsächlich zu einer Übernahme kommt, bleibt allerdings abzuwarten.

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Brenntag hat ein völlig anderes Geschäftsmodell

Trotz des gemeinsamen Standorts Essen ist Brenntag mit Evonik und BASF kaum vergleichbar.

Brenntag produziert selbst keine großen Mengen an Chemikalien. Das Geschäftsmodell besteht vielmehr darin, Chemieprodukte von Herstellern einzukaufen und an industrielle Kunden weiterzuverkaufen.

Dabei kann Brenntag die Produkte in unterschiedlichen Mengen bereitstellen und übernimmt zusätzlich Logistik, Lagerung und Distribution.

Gerade diese Position zwischen Produzenten und Abnehmern macht Brenntag zum Weltmarktführer in seinem Bereich.

Eine mögliche Konsolidierung der Chemieproduzenten muss deshalb nicht automatisch zu einem stärkeren Wachstum bei Brenntag führen.

Ertragsprognose erneut angehoben

Operativ entwickelt sich Brenntag derzeit allerdings erfreulich.

Im August wurde die Ertragsprognose bereits zum zweiten Mal angehoben. Hintergrund war insbesondere das starke zweite Quartal. Auch für das dritte Quartal wird mit einer guten Geschäftsentwicklung gerechnet.

Statt eines operativen EBITDA von bislang 1,25 bis 1,40 Milliarden € werden nun 1,35 bis 1,45 Milliarden € erwartet. Im ersten Halbjahr wurde bereits ein EBITDA von 769 Millionen € erzielt. Sollte sich die operative Entwicklung fortsetzen, besteht daher die Möglichkeit, dass Brenntag das obere Ende der Prognosespanne erreicht oder sogar übertrifft.

Entsprechend interessant wird der nächste Quartalsbericht.

Bewertung

Der Kursanstieg seit Juni von etwa 46 € auf aktuell 61,50 € ist vor allem mit der verbesserten operativen Entwicklung und den angehobenen Prognosen zu erklären.

Die möglichen Übernahmegespräche zwischen BASF und Evonik haben dagegen bislang keinen zusätzlichen Kursschub ausgelöst.

Das dürfte auch dann begrenzt bleiben, wenn es tatsächlich zu einer Übernahme kommt.

Brenntag ist als Chemiedistributor von anderen Faktoren abhängig als ein Chemieproduzent. Entscheidend sind unter anderem die Einkaufs- und Verkaufspreise, die Nachfrage der Kunden, die Absatzmengen sowie die Entwicklung der Margen.

Zusätzlichen Rückenwind liefern Kosteneinsparungen aus dem laufenden Restrukturierungsprogramm. Allein im zweiten Quartal wurden Einsparungen von rund 41 Millionen € erzielt.

ℹ️ Brenntag in Kürze

  • Die Brenntag SE (WKN: A1DAHH) ist Weltmarktführer in der Distribution von Chemikalien und Inhaltsstoffen. Sie ist die Dachgesellschaft und übernimmt die Steuerung der Brenntag-Group. Der Konzern bietet seinen Kunden als Zwischenhändler eine bedarfsgerechte Kommissionierung an.
  • Der Chemiedistributor ist mit rund 600 Standorten in 72 Ländern vertreten, der Hauptsitz ist in Essen.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet; die Börsenbewertung beträgt aktuell knapp 8,9 Milliarden €.

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Fazit

Brenntag ist keine zweite Evonik. Eine mögliche Übernahme durch BASF dürfte daher nur geringe direkte Auswirkungen auf die Brenntag-Aktie haben.

Allerdings ist die Aktie seit Juni um rund ein Drittel gestiegen. Auf dem aktuellen Kursniveau von 61,50 € ist daher bereits einiges an Optimismus eingepreist.

Für einen Neueinstieg halte ich die Aktie daher momentan für wenig attraktiv. Ich erwarte eher eine Seitwärtsbewegung, solange keine weitere deutliche Verbesserung der Ertragsprognose erfolgt.

Wer bereits investiert ist, kann die Aktie aus meiner Sicht halten. Was für die Aktie spricht, ist die gute Dividendenrendite von aktuell 3%.

Apropos: Einige Dividenden-Titel bieten aktuell ein besonders attraktives Chance-Risiko-Verhältnis. Diese zehn Aktien kombinieren regelmäßige Ausschüttungen mit möglichen Kurssteigerungen – eine Kombination, die Beachtung verdient.