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Novo Nordisk-Aktie: 2,6 Milliarden US$ für die Zeit nach Wegovy!

Spannende Übernahme
Vincent Uhr
Novo Nordisk zahlt bis zu 2,6 Milliarden US$ für die Rechte an einer experimentellen Abnehmpille des chinesischen Pharmakonzerns Hengrui. Das Besondere: HRS-1596 könnte nur einmal pro Woche eingenommen werden. Für den unter Druck geratenen Wegovy-Hersteller ist der Deal eine Wette auf die Zeit nach dem Auslaufen wichtiger Semaglutid-Patente – kurzfristig löst er die Wachstumsprobleme jedoch nicht.

Eine Abnehmpille pro Woche

HRS-1596 aktiviert gleichzeitig die Rezeptoren GLP-1 und GIP. Damit basiert der Wirkstoff auf einem ähnlichen Grundprinzip wie Tirzepatid, der Wirkstoff in Eli Lillys Mounjaro und Zepbound.

Das Präparat soll den Appetit reduzieren, die Insulinausschüttung anregen und die Insulinempfindlichkeit verbessern. Der entscheidende Unterschied zu den heute verfügbaren Medikamenten könnte jedoch die Einnahme sein. Novo Nordisk sieht das Potenzial für eine orale Dosierung nur einmal pro Woche.

Aktuelle Abnehmpillen müssen täglich eingenommen werden. Eine wöchentliche Tablette könnte daher ähnlich bequem sein wie eine Spritze, ohne dass sich Patienten selbst injizieren müssen. Das wäre sowohl für die Therapietreue als auch für die Erschließung neuer Patientengruppen interessant.

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Der wichtigste Haken

HRS-1596 befindet sich noch ganz am Anfang seiner Entwicklung. Hengrui besitzt bislang lediglich die chinesische Genehmigung für den Start einer Phase-1-Studie. Belastbare Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit bei Patienten liegen folglich noch nicht vor.

Bis zu einer möglichen Zulassung wären mehrere klinische Studien mit Tausenden Teilnehmern erforderlich. Selbst bei erfolgreicher Entwicklung dürfte das Medikament erst Anfang des kommenden Jahrzehnts auf den Markt kommen. Der Deal hilft Novo deshalb nicht dabei, kurzfristig verlorene Marktanteile von Eli Lilly zurückzugewinnen.

Das Timing ist dennoch nachvollziehbar. Wichtige Patente rund um Semaglutid laufen in den Jahren 2030 und 2032 aus. Novo benötigt rechtzeitig neue Wirkstoffe, die einen Teil der heutigen Umsätze mit Ozempic und Wegovy ersetzen können.

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Nur 300 Millionen US$ fließen sofort

Die Schlagzeile von 2,6 Milliarden US$ klingt größer als das unmittelbare finanzielle Risiko. Novo zahlt zunächst 300 Millionen US$. Weitere 2,3 Milliarden US$ werden nur fällig, wenn bestimmte Entwicklungs-, Zulassungs- und Umsatzziele erreicht werden. Hinzu kommen mögliche Lizenzgebühren auf spätere Verkäufe.

Für diese Zahlungen erhält Novo die weltweiten Entwicklungs-, Produktions- und Vermarktungsrechte außerhalb Chinas, Hongkongs, Macaos und Taiwans. Scheitert der Wirkstoff frühzeitig, bleibt der finanzielle Schaden somit weitgehend auf die Anfangszahlung und eigene Entwicklungskosten begrenzt.

Nach dem Nanexa-Deal ist dies bereits die zweite größere Vereinbarung innerhalb kurzer Zeit. Das Management setzt zunehmend auf externe Innovationen, um die eigene Pipeline schneller zu verbreitern.

Der Handlungsdruck ist unübersehbar

Trotzdem zeigt der Kauf auch, wie dringend Novo neue Wachstumstreiber benötigt. Investoren kritisierten beim Kapitalmarkttag vor allem das Fehlen konkreter mittelfristiger Wachstumsziele und eine zu geringe Anzahl fortgeschrittener Medikamente für die Zeit nach Semaglutid.

HRS-1596 verändert daran zunächst wenig. Zudem bleibt Novo stark auf Diabetes und Adipositas konzentriert. Der Deal verbreitert das Produktportfolio innerhalb dieses Marktes, sorgt jedoch nicht für eine stärkere Diversifikation.

Bei einem Aktienkurs von rund 253 DKK liegt das erwartete KGV inzwischen nur noch bei ungefähr 12. Die zuletzt gezahlte Jahresdividende von 11,70 DKK entspricht einer Rendite von rund 4,6%. Damit bezahlen Anleger aktuell nur wenig für langfristige Pipeline-Chancen wie HRS-1596.

ℹ️ Novo Nordisk in Kürze

  • Novo Nordisk (WKN: A3EU6F) mit Sitz in Bagsværd bei Kopenhagen produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte und Dienstleistungen.
  • Der Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Insulin. Fast jedes dritte Diabetes-Präparat weltweit stammt vom dänischen Pharmakonzern. Außerdem ist Novo Nordisk in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente und Hormonersatztherapien aktiv.
  • Darüber hinaus ist Novo Nordisk eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Adipositas-Medikamenten (Mittel zur Gewichtsabnahme).
  • Das Unternehmen wird aktuell mit rund 195 Milliarden € bewertet – inklusive der nicht handelbaren A-Aktien.

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Vincent Uhr

Fazit

Die wöchentliche Abnehmpille könnte langfristig ein wichtiges Produkt werden, ist heute aber kaum mehr als eine interessante Option. Der Deal ist aufgrund der erfolgsabhängigen Zahlungen vernünftig strukturiert. Wegen der günstigen Bewertung bleibe ich für die Novo Nordisk-Aktie langfristig optimistisch und halte einen gestaffelten Einstieg weiterhin für attraktiv.