Vonovia-Aktie: 1.000 Wohnungen – jetzt winken 100% Kurschance?
Berlin ist Risiko und Wachstumsmarkt zugleich
Vonovia und die Tochter Deutsche Wohnen besitzen in Berlin rund 130.000 Wohnungen. Seit 2013 hat der Konzern dort etwa 6.000 neue Einheiten errichtet, weitere 1.000 befinden sich im Bau. Gemessen am gesamten eigenen Bestand von mehr als 528.000 Wohnungen ist das kein gewaltiger Wachstumsschub. Es zeigt jedoch, dass Vonovia wieder stärker in den Neubau investiert.
Die wirtschaftliche Grundlage dafür ist grundsätzlich vorhanden. Ende Juni lag die durchschnittliche Bestandsmiete in Berlin bei 8,26 € je Quadratmeter, während bei Neuvermietungen durchschnittlich 10,80 € erzielt wurden. Gleichzeitig herrscht in der Hauptstadt erheblicher Wohnungsmangel.
Politisch bleibt Berlin allerdings ein Risikofaktor. Nach dem Wahlerfolg der Linken wird erneut über eine Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände diskutiert. Berenberg verweist nach einem Gespräch mit dem Management auf die Widerstandsfähigkeit der Gewinnentwicklung. Zudem hält Vonovia eine Enteignung für verfassungswidrig. Kurzfristig dürfte die Diskussion die Bewertung dennoch belasten.
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Das Kerngeschäft wächst bereits
Im ersten Halbjahr stieg das bereinigte EBITDA im Vermietungsgeschäft um +3,5% auf 1,27 Milliarden €. Der Bereich Value-add, zu dem unter anderem Handwerkerleistungen und Energiedienstleistungen gehören, verbesserte sein Ergebnis sogar um +27,6% auf 128,5 Millionen €.
Insgesamt legte das bereinigte EBITDA um +2,4% auf 1,46 Milliarden € zu. Die durchschnittliche Miete des Konzerns erhöhte sich um +3,5% auf 8,51 € je Quadratmeter. Zudem gewann das Immobilienportfolio ohne Investitionen 1,1% an Wert. Damit setzt sich die Stabilisierung der zuvor stark gefallenen Immobilienpreise fort.
Schwach entwickelte sich dagegen das Development-Geschäft. Dessen bereinigtes EBITDA brach um -65% auf 20,1 Millionen € ein. Vonovia stellte im ersten Halbjahr lediglich 84 neue Wohnungen für den eigenen Bestand fertig. Die 1.000 Berliner Einheiten dürften deshalb erst über mehrere Jahre einen spürbaren Ergebnisbeitrag liefern.
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Ist das Kursziel von 34,50 € realistisch?
Für 2026 erwartet Vonovia ein bereinigtes EBITDA von 2,95 bis 3,05 Milliarden € – nach 2,80 Milliarden € im Vorjahr. Die Mieteinnahmen sollen auf 3,45 bis 3,55 Milliarden € steigen, während das organische Mietwachstum rund 4% erreichen soll.
Der Nettovermögenswert EPRA NTA lag Ende Juni bei 46,22 € je Aktie. Der Börsenkurs entspricht damit nur rund 37% des bilanzierten Immobilienwerts. Selbst das Berenberg-Ziel von 34,50 € läge noch etwa 25% darunter. Berenberg ist mit seinem Optimismus zudem nicht allein: JPMorgan nennt ebenfalls 34,50 €, Kepler Cheuvreux 34 € und die DZ Bank 31 €. Das durchschnittliche Analystenziel beträgt allerdings nur 26,51 €.
ℹ️ Vonovia in Kürze
- Vonovia (WKN: A1ML7J) mit Sitz in Bochum verwaltet und vermietet Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden.
- Durch die Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen im Jahr 2021 ist das Unternehmen zum größten Immobilienkonzern Europas avanciert mit ca. 550.000 Wohneinheiten.
- Vonovia ist Mitglied im DAX und aktuell rund 14,6 Milliarden € wert.
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Fazit
Die 1.000 Berliner Wohnungen allein rechtfertigen keine Kursverdopplung. Das wachsende Vermietungsgeschäft, stabilere Immobilienwerte und der extreme Abschlag zum Nettovermögenswert machen die Vonovia-Aktie bei rund 17 € dennoch attraktiv. Das Kursziel von 34,50 € ist ambitioniert, aber erreichbar, wenn die Ertragsziele erfüllt werden und sich das politische Risiko nicht verschärft.