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Evonik-Aktie: War’s das mit der Übernahme?

Management gegen Übernahme
Die Evonik-Aktie konnte aufgrund der bestätigten Übernahmegespräche zuletzt deutlich zulegen. Am Dienstag notiert sie aktuell bei etwa 20,30 € und damit auf einem neuen Jahreshoch. Nun gibt es allerdings einen Dämpfer: Laut Berichten von Reuters und Handelsblatt hat das Evonik-Management ein erstes Übernahmeangebot von BASF über rund 22,15 € je Aktie als zu niedrig zurückgewiesen. Damit stellt sich die entscheidende Frage: War es das mit der Übernahme oder geht sie in die nächste Runde?

Erstes BASF-Angebot offenbar abgelehnt

BASF hatte Evonik und dessen Großaktionär RAG-Stiftung mit einem Vorschlag für eine mögliche Übernahme angesprochen. Die Sondierungen wurden von BASF inzwischen offiziell bestätigt. Der Konzern betont allerdings, dass Ausgang und weiterer Verlauf weiterhin offen sind.

Nach Informationen von Reuters hat Evonik ein erstes Angebot von rund 10,3 Milliarden € beziehungsweise 22,15 € je Aktie inzwischen zurückgewiesen. Der Grund: Der gebotene Preis sei aus Sicht von Evonik zu niedrig. Auch das Handelsblatt berichtet von einer Ablehnung der ersten Offerte durch das Management.

Damit ist der Übernahmepoker allerdings keineswegs beendet.

Denn BASF hat bislang nicht erklärt, dass man sich aus dem Prozess zurückzieht. Der Chemiekonzern betont vielmehr, dass eine mögliche Bewertung vom Synergiepotenzial abhängt, das letztlich nur gemeinsam mit Evonik geprüft werden kann.

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Management steht einer Übernahme kritisch gegenüber

Aus Sicht des Evonik-Managements ist die Ablehnung des ersten Angebots nachvollziehbar.

Durch einen Zusammenschluss würde Evonik seine Eigenständigkeit weitgehend verlieren. Gleichzeitig befindet sich der Konzern selbst mitten in einer strategischen Transformation.

Evonik will sich stärker auf profitable Kerngeschäfte konzentrieren und gleichzeitig Kosten reduzieren. Bei einer Übernahme müsste BASF daher genau prüfen, welche Geschäftsbereiche dauerhaft in den eigenen Konzern integriert werden und welche möglicherweise verkauft oder abgespalten werden.

Damit besteht für Evonik die Gefahr, dass Teile der bisherigen Unternehmensstrategie durch die Vorstellungen des neuen Eigentümers ersetzt werden.

Gewerkschaft ebenfalls kritisch

Auch die Gewerkschaft IG BCE steht einem möglichen Zusammenschluss kritisch gegenüber. Für sie geht es nicht nur um die Interessen von BASF und den Aktionären, sondern insbesondere um die Auswirkungen auf Beschäftigte und Standorte.

IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis erklärte:

Was Aktionären und Börsenhändlern schlüssig erscheinen mag, muss mit Blick auf die Mitarbeitenden, die Standorte, den Markt und die heimische Wertschöpfung noch lange nicht sinnvoll sein.

Gerade bei einer möglichen Zusammenlegung zweier großer Chemiekonzerne könnten Arbeitsplatz- und Standortfragen eine wichtige Rolle spielen.

RAG-Stiftung mit Schlüsselrolle

BASF hat sich neben Evonik auch an die RAG-Stiftung gewandt. Sie hält rund 43,8% der Evonik-Aktien und ist damit mit Abstand größter Anteilseigner. Entsprechend groß ist ihre Bedeutung für den weiteren Verlauf.

Die Stiftung verfolgt langfristig das Ziel, ihre Beteiligung zu reduzieren. Bei einer möglichen Übernahme müsste deshalb auch geklärt werden, ob sie ihre Evonik-Aktien gegen eine Barabfindung verkauft oder über eine andere Transaktionsstruktur an dem neuen Unternehmen beteiligt wird.

Für die Stiftung spielt dabei nicht nur der Preis eine Rolle. Sie wurde gegründet, um die Ewigkeitsaufgaben des deutschen Steinkohlebergbaus langfristig aus Kapitalerträgen zu finanzieren. Eine mögliche Transaktion müsste deshalb auch aus Sicht der langfristigen Vermögensanlage sinnvoll sein.

Übernahmepreis wird zum entscheidenden Punkt

Der erste angebotene Preis von rund 22,15 € je Aktie entspricht einem deutlichen Aufschlag auf den Kurs vor Bekanntwerden der Übernahmepläne. Trotzdem war die Offerte dem Evonik-Management offenbar nicht hoch genug.

Genau hier dürfte der nächste Verhandlungsschritt ansetzen.

BASF muss entscheiden, ob der Konzern bereit ist, den Preis zu erhöhen. Gleichzeitig darf der Kauf aus Sicht der BASF-Aktionäre nicht so teuer werden, dass die erwarteten Synergien aufgezehrt werden.

Das ist eine entscheidende Frage. Ein höherer Kaufpreis macht das Angebot zwar für Evonik attraktiver, erhöht aber gleichzeitig die finanzielle Belastung für BASF.

Bewertung

Das erste Angebot ist damit zunächst gescheitert. Das bedeutet aber nicht automatisch das Ende der Übernahmepläne.

Vielmehr dürfte jetzt die Frage im Mittelpunkt stehen, ob BASF einen höheren Preis anbietet und ob dieser aus Sicht von Evonik und insbesondere der RAG-Stiftung ausreichend attraktiv ist.

Für BASF ist die Situation anspruchsvoll. Der Konzern befindet sich selbst in einer umfangreichen Transformation und versucht, sich stärker auf seine Kerngeschäfte zu konzentrieren. Eine Übernahme von Evonik müsste deshalb einen klaren strategischen und finanziellen Mehrwert bieten.

Auf der anderen Seite könnte ein Zusammenschluss erhebliche Synergien ermöglichen. Reuters verweist unter anderem auf sich ergänzende Produktportfolios und mögliche Kosteneinsparungen.

ℹ️ Evonik in Kürze

  • Evonik Industries AG, kurz Evonik, ist ein weltweit führender Konzern für Spezialchemie. Die Produkte kommen sowohl im Nahrungsmittelbereich als auch im Industriebereich zum Einsatz.
  • Neben dem Hauptsitz in Essen unterhält das Unternehmen 27 internationale Produktionsstandorte, und ist in mehr als 100 Ländern tätig.
  • Das im MDAX gelistete Unternehmen wird an der Börse aktuell mit ca. 9,5 Milliarden € bewertet.

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Fazit

Das erste BASF-Angebot von rund 22,15 € je Evonik-Aktie wurde laut Reuters und Handelsblatt abgelehnt. Damit ist zumindest die erste Offerte vom Tisch. Eine endgültige Absage an eine Übernahme gibt es dagegen noch nicht.

Für die Evonik-Aktie ist das eine besondere Situation. Der aktuell Kurs liegt bereits nahe am bislang berichteten Angebotspreis von 22,15 €. Der verbleibende Abstand beträgt damit nur rund +10%. Sollte BASF das Angebot erhöhen, besteht zwar weiteres Kurspotenzial. Sollte sich der Konzern dagegen zurückziehen, könnte die Aktie einen erheblichen Teil des Übernahmeaufschlags wieder verlieren.

Ich halte einen Kauf der Evonik-Aktie deshalb momentan für wenig ratsam. Wer bereits investiert ist, kann die weitere Entwicklung abwarten.

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