Commerzbank-Aktie: Bund greift ein – kommt doch noch eine Prämie?

Maßnahmen gegen Dumping?
Vincent Uhr
Nach der viel diskutierten Machtübernahme durch UniCredit prüft das Bundesfinanzministerium offenbar eine Verschärfung des deutschen Übernahmerechts. Sogenannte „Low Ball Offers“ sollen künftig möglicherweise erschwert werden. Commerzbank-Aktionäre sollten jedoch nicht vorschnell auf eine nachträgliche Übernahmeprämie hoffen: Für den laufenden Fall dürfte die politische Reaktion zu spät kommen.

Kontrolle ohne angemessenen Aufschlag

UniCredit hatte zunächst einen bedeutenden Anteil an der Commerzbank aufgebaut und anschließend ein freiwilliges Übernahmeangebot vorgelegt. Dieses orientierte sich weitgehend an der gesetzlichen Mindestgegenleistung und enthielt keinen nennenswerten Aufschlag auf den Börsenkurs.

Der entscheidende Vorteil für UniCredit: Mit dem Überschreiten der Schwelle von 30% konnte sich die italienische Großbank anschließend mehr Bewegungsfreiheit für weitere Käufe verschaffen. Inzwischen kontrolliert sie knapp 48% des Commerzbank-Kapitals und damit faktisch die Hauptversammlung.

Dabei hatten nur wenige unabhängige Investoren das Angebot angenommen. Nach Angaben von Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann stammten weniger als drei Prozentpunkte der angedienten Aktien von institutionellen Anlegern und Privatanlegern. Ein großer Teil kam offenbar von Banken, die mit UniCredit verbunden waren.

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Neue Regeln helfen der Commerzbank kaum

Das Bundesfinanzministerium prüft nun, wie solche Konstruktionen künftig verhindert werden könnten. Denkbar wären strengere Preisregeln, höhere Transparenzanforderungen oder eine verpflichtende Kontrollprämie, wenn ein Käufer die faktische Macht über ein Unternehmen erlangt. Konkrete Vorschläge liegen bislang jedoch nicht öffentlich vor.

Für bestehende Commerzbank-Aktionäre ist das zunächst nur ein politisches Signal. Eine spätere Gesetzesänderung dürfte eine bereits abgeschlossene Angebotsphase kaum rückwirkend verändern. UniCredit müsste einen deutlichen Aufschlag wohl nur dann zahlen, wenn die Italiener für eine vollständige Integration weitere Aktionäre zum Verkauf bewegen wollen.

Der Bund besitzt dabei weiterhin Einfluss. Deutschland hält rund 13% der Commerzbank und fordert, dass die Bank börsennotiert bleibt, ihren Sitz in Frankfurt behält und weiterhin den deutschen Mittelstand finanziert.

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Die fundamentale Entwicklung liefert Schutz

Die Commerzbank ist allerdings längst nicht mehr allein auf Übernahmefantasie angewiesen. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Erträge um 7% auf 6,5 Milliarden €. Der Nettogewinn sprang um 40% auf 1,8 Milliarden €, während die Eigenkapitalrendite auf 12,6% kletterte.

Für das Gesamtjahr peilt die Bank mindestens 3,4 Milliarden € Gewinn an. Bis 2030 sollen daraus 5,9 Milliarden € werden. Gleichzeitig will das Management die Kosten-Ertrags-Quote auf 43% senken und die Eigenkapitalrendite auf 21% erhöhen.

Hinzu kommt eine außergewöhnlich hohe Kapitalrückführung. Für 2026 plant die Commerzbank Ausschüttungen von rund 3,2 Milliarden €. Darin enthalten ist der bereits gestartete Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden €. Die Bank möchte grundsätzlich 100% des bereinigten Gewinns über Dividenden und Rückkäufe an die Anteilseigner weiterreichen.

Kursziele sind weitgehend erreicht

Die Analysten werden trotz der Rekordergebnisse vorsichtiger. Die DZ Bank sieht den fairen Wert bei 46 €, Metzler bei 45 € und JPMorgan lediglich bei 39 €. Der Konsens liegt bei rund 41,30 € und damit ungefähr auf Höhe des aktuellen Börsenkurses.

Eine zusätzliche Übernahmeprämie ist in diesen Zielen nicht vollständig berücksichtigt. Ohne ein verbessertes Angebot von UniCredit erscheint das kurzfristige Kurspotenzial nach der starken Rallye jedoch begrenzt.

ℹ️ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 44,5 Milliarden € bewertet.

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Vincent Uhr

Fazit

Strengere Übernahmeregeln wären für den deutschen Kapitalmarkt sinnvoll, kommen für die Commerzbank aber wahrscheinlich zu spät. Die Aktie bleibt dank steigender Gewinne und hoher Kapitalrückführungen attraktiv. Nach der starken Rallye würde ich vorhandene Positionen halten, für einen Neueinstieg aber auf einen Rücksetzer oder ein verbessertes UniCredit-Angebot warten.