Vonovia-Aktie: Kann es denn noch schlimmer werden?

Unklarheit über Enteignung
Die Vonovia-Aktie notiert aktuell nur hauchdünn über ihrem 12-Jahrestief bei 17,20 €. Wird der Immobilienkonzern es schaffen, diesen Support zu halten oder müssen sich Anleger auf eine noch schlimmere Kursentwicklung einstellen?

Berlin sorgt für graue Haare

Vonovia-Chef Luka Mucic dürften am Sonntag graue Haare gewachsen sein, als das Ergebnis der Landtagswahl in Berlin über die Bildschirme flackerte. Mit dem Sieg der Linken wurde der Albtraum der Immobilienwirtschaft wahr.

Die Partei fordert eine Vergesellschaftung, sprich Enteignung, großer Wohnungsgesellschaften wie Vonovia. In einem Fernsehinterview bekräftigte Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp ihre Forderungen mit den Worten: „Wenn die Linke regiert, wird vergesellschaftet. Das habe ich so gesagt, und dabei bleibe ich auch.“

So abwegig die Idee wirtschaftspolitisch erscheinen mag, man muss der Linken zugute halten, dass sie damit dem Willen der Einwohner Berlins nachkommt. In einem 2021 abgehaltenen Volksentscheid sprach sich eine klare Mehrheit von 58% der Berlinerinnen und Berliner für eine Enteignung von Immobilienkonzernen aus.

Sie erhoffen sich dadurch, dass 220.000 Wohnungen in die Hand der Stadt fallen würden, die ihrerseits für bezahlbare Mieten sorgen könnten. Von diesem gewaltigen Wohnungsbestand stammen übrigens rund 140.000 Wohnungen von Vonovia.

Wir halten Dich über alle wichtigen Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt auf dem Laufenden. Abonniere gleich hier unseren kostenlosen SD Insider Newsletter!

Hohe Hürden für eine Enteignung

Ob es allerdings überhaupt so weit kommt, ist momentan völlig unklar, denn die rechtlichen, politischen und finanziellen Hürden für eine Enteignung sind extrem hoch. Rechtlich ist eine Vergesellschaftung nach dem deutschen Grundgesetz zwar grundsätzlich erlaubt, aber nur in bestimmten Ausnahmefällen. Gerichte werden klären müssen, ob der Berliner Wohnungsmarkt so eine Ausnahmeenteignung rechtfertigen würde.

Zudem ist unklar, ob die Linken überhaupt die Führung der Stadtregierung übernehmen werden. Zwar deutet aktuell viel auf eine Koalition zwischen Linken, SPD und Grünen hin, aber sicher ist sie nicht. Auch ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen wäre möglich. Die Linke darf es mit ihren Forderungen gegenüber der SPD und den Grünen demnach nicht übertreiben. Vor allem die SPD steht einer Enteignung von Wohnungskonzernen kritisch gegenüber.

Und nicht zuletzt ist gar nicht klar, ob die Stadt Berlin überhaupt das Geld aufbringen könnte, um solch eine Enteignung in der Praxis durchzuführen. Sie müsste den enteigneten Immobilienkonzernen Entschädigungen in Milliardenhöhe bezahlen. Fraglich, ob sich dafür Geldgeber finden würden, die Verschuldung des notorisch knappen Berlins noch weiter in die Höhe zu treiben.

Vonovia macht derzeit gute Miene zum bösen Spiel. Konzernchef Mocic bot der neuen Stadtregierung eine konstruktive Zusammenarbeit an, um Wohnungen schneller zu bauen und Mieten bezahlbar zu machen.

Ausführliche Chartanalyse

Eine ausführliche aktuellen Chartanalyse der Vonovia-Aktie findet ihr bei meinem Kollegen Christian Kämmerer.

Zwei Gründe gegen ein Investment

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es in Berlin zu einer Enteignung von Immobilienkonzernen kommen wird. Selbst wenn ein Gesetzesentwurf dazu im Stadtparlament eine Mehrheit finden würde, wären jahrelange Gerichtsprozesse mit ungewissem Ausgang die Folge.

Gleichzeitig dürfte die Bundesregierung der Immobilienwirtschaft zu Hilfe eilen. Bundeskanzler Merz kündigte bereits seinerseits einen Gesetzesentwurf an, um Enteignungen zu verhindern. Der Imageschaden für den Wirtschaftsstandort Deutschland wäre einfach zu groß.

Trotzdem ist die Vonovia-Aktie für mich aktuell kein Investment wert. Der Papierform nach ist sie sehr günstig bewertet. Es gibt aber zwei große Abers:

Erstens: Die Aktie wird meiner Meinung nach auch in den kommenden Woche höchst sensibel auf die politischen Entwicklungen in Berlin reagieren. Eine Koalitionsvertrag, der die Enteignung von Immobilienkonzernen festhält, dürfte den Kurs der Vonovia-Aktie auf ein neues Mehrjahrestief drücken.

Zweitens: Auch vom Kapitalmarkt bekommt Vonovia derzeit keinen Rückenwind. Die steigenden Zinsen belasten das auf Fremdfinanzierung basierende Geschäftsmodell des Immobilienkonzerns stark. Eine Trendwende bei der Zinsentwicklung zeichnet sich meines Erachtens noch nicht ab.

Du willst wissen, welche drei Trend-Aktien wir für den Jahresendspurt auf dem Zettel haben? Hier geht’s zum Gratis-Report für das Schlussquartal 2026

ℹ️ Vonovia in Kürze

  • Vonovia (WKN: A1ML7J) mit Sitz in Bochum verwaltet und vermietet Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden.
  • Durch die Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen im Jahr 2021 ist das Unternehmen zum größten Immobilienkonzern Europas avanciert mit ca. 550.000 Wohneinheiten.
  • Vonovia ist Mitglied im DAX und aktuell rund 14,8 Milliarden € wert.

Vonovia kaufen, halten oder verkaufen? Unsere zehnköpfige Redaktion berichtet regelmäßig über Vonovia und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.

Vonovia weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »

Fazit

Für Anleger mit Nerven aus Stahl ist die Vonovia-Aktie momentan zweifellos ein hochspannender Turnaround Case. Ich rate Anlegern jedoch, ihre Nerven nicht übermäßig zu strapazieren, sondern die weitere politische Entwicklung der nächsten Wochen abzuwarten. Sie könnte den Kurs der Vonovia-Aktie noch weiter in den Keller ziehen.