Novo Nordisk-Aktie: Neue Milliarden-Ziele – reicht das für die Wende?
Novo legt die Messlatte hoch
Auf dem Kapitalmarkttag in London hat Novo Nordisk seine Strategie bis 2030 vorgestellt. Mehr als fünf neue Medikamente mit Blockbuster-Potenzial sollen bis dahin auf den Markt kommen. Für 2035 stellt der Konzern mit seiner aktuellen Pipeline mehr als 150 Milliarden Dänische Kronen Umsatz in Aussicht. Bis 2030 sollen außerdem mehr als 60 Millionen Patienten weltweit mit Medikamenten von Novo erreicht werden.
Ein wichtiger Teil der Pläne bleibt das Geschäft mit Abnehmmedikamenten. Novo will seine Kapazitäten für orale GLP-1-Präparate so weit ausbauen, dass künftig zehnmal mehr Patienten versorgt werden können. Die Wegovy-Tablette entwickelt sich in den USA bereits ordentlich und kommt laut Unternehmen auf rund 7 Millionen Verschreibungen.
Beim Aktienkurs sorgten die neuen Ziele trotzdem nicht für Begeisterung. Die Aktie verlor am Montag zeitweise bis zu -9%. Anleger beschäftigt weiterhin die Frage, wie stark Novo in den kommenden Jahren wachsen kann und wie gut der Konzern auf den näher rückenden Patentauslauf von Semaglutid vorbereitet ist.
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Im Rennen mit Eli Lilly gibt es Rückenwind
Passend zum Kapitalmarkttag gab es auch neue Daten aus der Medikamenten-Pipeline. Ein experimentelles Adipositas-Medikament von Novo kam in einer späten klinischen Studie auf einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 12,4% und schnitt dabei besser ab als ein vergleichbares Präparat von Eli Lilly.
Solche Ergebnisse kann Novo gut gebrauchen. Eli Lilly hat mit Zepbound im wichtigen US-Markt stark aufgeholt und dürfte Wegovy beim Umsatz in diesem Jahr deutlich hinter sich lassen. Gleichzeitig musste Novo zuletzt mehrere Rückschläge verkraften. Unter anderem blieben Ergebnisse bei CagriSema hinter früheren Erwartungen zurück, während die Entwicklung des Herzmedikaments Ziltivekimab nach enttäuschenden Daten gestoppt wurde.
CagriSema bleibt trotzdem ein wichtiger Teil der Planung. Der Marktstart ist für Anfang 2027 vorgesehen, anschließend sollen weitere Varianten und neue Wirkstoffe folgen. Novo versucht damit, die Abhängigkeit von Wegovy und Ozempic Stück für Stück zu reduzieren.
Analysten bleiben vorsichtig
An der Wall Street ist die Stimmung rund um Novo weiterhin eher zurückhaltend. Morgan Stanley hat die Aktie erst vor wenigen Tagen von „Equal-weight“ auf „Underweight“ abgestuft und das Kursziel bei 250 Dänischen Kronen belassen. Analyst Thibault Boutherin sieht vor allem die mittelfristigen Wachstumsaussichten kritisch und glaubt nicht, dass die gut laufende Wegovy-Pille den späteren Gegenwind durch auslaufende Semaglutid-Patente vollständig auffangen kann.
JPMorgan liegt mit einem Kursziel von 275 Kronen etwas höher und bleibt bei „Neutral“. Dort wurden nach den vergangenen Quartalszahlen zwar die Erwartungen für 2026 angehoben, für 2027 sieht Analyst Richard Vosser bislang aber kaum Wachstum.
Mehr Spielraum sieht die UBS. Die Schweizer Großbank bestätigte zuletzt „Neutral“ mit einem Kursziel von 332 Kronen. Analyst Matthew Weston sieht vor allem bei der Wegovy-Tablette Chancen, wartet aber ebenfalls darauf, wie Novo die Probleme der kommenden Jahre angehen will.
ℹ️ Novo Nordisk in Kürze
- Novo Nordisk (WKN: A3EU6F) mit Sitz in Bagsværd bei Kopenhagen produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte und Dienstleistungen.
- Der Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Insulin. Fast jedes dritte Diabetes-Präparat weltweit stammt vom dänischen Pharmakonzern. Außerdem ist Novo Nordisk in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente und Hormonersatztherapien aktiv.
- Darüber hinaus ist Novo Nordisk eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Adipositas-Medikamenten (Mittel zur Gewichtsabnahme).
- Das Unternehmen wird aktuell mit rund 166 Milliarden € bewertet – inklusive der nicht handelbaren A-Aktien.
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Fazit
Novo Nordisk versucht mit dem Kapitalmarkttag wieder mehr Vertrauen für die kommenden Jahre aufzubauen. Die Ziele sind durchaus ambitioniert. Mehr als fünf neue Blockbuster, deutlich höhere Kapazitäten bei oralen Abnehmpräparaten und mehr als 150 Milliarden Dänische Kronen Pipeline-Umsatz würden dem Konzern neue Wachstumsmöglichkeiten eröffnen. Dafür muss die Pipeline aber auch liefern. Die neuen Studiendaten im Vergleich mit Eli Lilly sind ein positives Signal, reichen allein aber noch nicht aus, um die Sorgen rund um Wettbewerb, Wachstum und den späteren Patentauslauf bei Semaglutid aus dem Weg zu räumen. Die schwache Reaktion der Aktie zeigt, dass Anleger inzwischen mehr sehen wollen als langfristige Ziele. Neue Medikamente müssen erfolgreich durch die Studien kommen und anschließend auch kommerziell überzeugen. Schafft Novo das, könnte die derzeit gedrückte Stimmung wieder drehen. Bis dahin dürfte jede neue Studiendaten-Veröffentlichung besonders aufmerksam verfolgt werden.