Commerzbank-Aktie: Orcel will die Chefs loswerden – sind 43 € zu viel?
Orcel greift nach der Kontrolle
UniCredit soll nicht nur den Abgang von Orlopp und Weidmann anstreben. Die Italiener widersetzen sich laut Reuters auch dem Wunsch der Bundesregierung, weiterhin zwei Vertreter in den Aufsichtsrat zu entsenden.
Der Bund hält noch 13,3% der Commerzbank. Finanzminister Lars Klingbeil stellte bereits klar, dass Deutschland seine Mandate behalten will und im Fall einer Fusion sogar eine Vertretung im UniCredit-Aufsichtsrat erwartet. Weitere Bedingungen betreffen den Sitz in Frankfurt, die Börsennotierung und die Finanzierung des deutschen Mittelstands.
UniCredit hat sich inzwischen Zugriff auf knapp 50% der Commerzbank gesichert. Orcel könnte deshalb eine außerordentliche Hauptversammlung verlangen und versuchen, die Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat neu zu besetzen. Die Commerzbank weist die Spekulationen zurück und betont, dass die Verträge des Vorstands laufen und innerhalb der Führung Einigkeit über die Strategie besteht.
Der Konflikt ist damit längst keine Diskussion über mögliche Synergien mehr. Es geht darum, wer die Bank kontrolliert und welche Interessen bei einer späteren Integration Vorrang erhalten.
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Die Aktie enthält bereits Übernahmefantasie
Problematisch ist die Diskrepanz zwischen Aktienkurs und Analystenzielen. Der Konsens von 13 Analysten liegt bei 41,26 € und damit unter dem aktuellen Kurs. Sieben Experten empfehlen den Kauf, fünf raten zum Halten und einer zum Verkauf.
JPMorgan erhöhte sein Ziel Anfang September zwar von 38 auf 39 €, bleibt aber bei einer neutralen Einschätzung. Morgan Stanley sieht den fairen Wert bei 44 €, Kepler Cheuvreux bei 45 €. Die Spanne reicht insgesamt von 31,60 bis 45 €.
Damit ist ein erheblicher Teil der Übernahmehoffnung bereits eingepreist. Besonders brisant: Die Commerzbank erklärte im April, UniCredit sehe keinen Spielraum für einen marktüblichen Aufschlag oder verbesserte Angebotsbedingungen. Ein Kontrollwechsel muss für die übrigen Aktionäre daher nicht automatisch einen zusätzlichen Kursgewinn bedeuten.
Scheitert eine einvernehmliche Lösung und zieht sich der Prozess weiter hin, könnte sich der Markt wieder stärker an den fundamentalen Kurszielen orientieren. Umgekehrt würde ein höheres Angebot die skeptischen Analystenschätzungen schnell überholen.
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Operativ liefert Orlopp starke Argumente
Die aktuelle Führung kann auf Rekordzahlen verweisen. Im ersten Halbjahr stieg das operative Ergebnis um 14% auf 2,7 Milliarden €, während der Nettogewinn um rund 40% auf 1,8 Milliarden € zulegte. Die Erträge erhöhten sich um 7% auf 6,5 Milliarden €.
Die Rendite auf das materielle Eigenkapital erreichte 12,6%, die harte Kernkapitalquote lag bei soliden 14,4%. Für das Gesamtjahr erwartet die Bank mindestens 3,4 Milliarden € Gewinn und Erträge von rund 13,2 Milliarden €. Diese Zahlen zeigen, dass die Commerzbank nicht auf eine Übernahme angewiesen ist, um profitabel zu wachsen.
ℹ️ Commerzbank in Kürze
- Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
- Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
- Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 46,8 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Operativ bleibt die Commerzbank stark, doch bei rund 43 € erscheint mir die Aktie ausgereizt. Weil der Kurs bereits über dem Analystenkonsens liegt und UniCredit keinen marktüblichen Aufschlag versprochen hat, würde ich bestehende Positionen halten, der Übernahmefantasie aber nicht mehr hinterherlaufen.