Rocket Lab-Aktie: Unterbewertet im Schatten von SpaceX?
Nicht irgendjemand
Brian Gesuale, der Managing Director und Aktienanalyst bei Raymond James, dem US-amerikanischer Finanzdienstleistungskonzern, ist kein klassischer Tech-Hype-Analyst, sondern eine bewährte Stimme aus dem Defense-, Aerospace- und Government-Bereich.
Vor Raymond James war Brian bei Piper Jaffray im Equity Research tätig und hatte zuvor eine Karriere bei der US Air Force. Dort arbeitete er unter anderem an Satelliten-Bildgebungssystemen und am B-2-Stealth-Bomber-Programm. Er hat einen Abschluss in Economics von der US Air Force Academy und einen Master in Finance.
Am 11. September 2026 hat er die Coverage von Rocket Lab mit „Outperform“ und einem Kursziel von 80 US$ aufgenommen. Das entspricht ungefähr +30% Upside zum damaligen Kurs von 65 US$. Gesuale kennt den US-Verteidigungs- und Raumfahrtsektor schon sehr lange. Er betrachtet Rocket Lab daher nicht nur als Space-Aktie, sondern auch als Defense-/Government-Contractor.
Neutron als größter Wachstumstreiber
Der wichtigste zukünftige Hebel ist die Neutron-Rakete. Damit will Rocket Lab vom Small-Launch-Markt in den deutlich größeren Markt für mittlere Nutzlasten vorstoßen. Raymond James erwartet, dass Neutron ab 2027 einen wesentlichen Beitrag zum Wachstum leisten kann.
Das ist entscheidend, weil Rocket Lab mit Electron zwar bereits ein funktionierendes Launch-Geschäft hat, aber langfristig wesentlich mehr Umsatz über größere Missionen erzielen könnte. Gleichzeitig ist das auch der riskanteste Teil der Story, denn Neutron verursacht derzeit enorme Investitionen. Somit erwartet Rocket Lab auch im dritten Quartal 2026 noch einen negativen EBITDA-Beitrag und weiterhin negativen Free Cashflow.
Gesuale glaubt aber, dass sich das Bild ab 2027/28 dreht, sowohl für den Gewinn wie auch für den freien Cashflow.
Iridium wird gefährlich für SpaceX
Doch der entscheidende Punkt für den Optimismus bei Rocket Lab ist Iridium. Rocket Lab übernimmt das börsennotierte Iridium Communications für einen Unternehmenswert von ungefähr 8 Milliarden US$. Iridium ist ein globaler Telekommunikationsanbieter im All und betreibt ein Netzwerk aus Satelliten, über das Kunden weltweit kommunizieren können – das, was Starlink bei SpaceX ist.
Dadurch bekommt Rocket Lab nicht einfach weitere Satelliten, sondern ein bereits laufendes Geschäft mit mehr als 2,5 Millionen aktiven Kunden, sowie Government- & Defense-Kunden, wiederkehrenden Serviceumsätzen und technische Vorteile mit.
Iridium hat 2025 rund 872 Millionen US$ Umsatz, 495 Millionen US$ operatives EBITDA und satte 57% operative EBITDA-Marge erwirtschaftet. Reuters berichtet, dass Raymond James davon ausgeht, dass Iridium Rocket Lab nach der Übernahme ungefähr 300 Millionen US$ Free Cashflow liefern könnte, was Rocket Labs negativem Free Cashflow von ca. -110 Millionen US$ im zweiten Quartal 2026 zugute kommt. Gleichzeitig hatte Rocket Lab rund 2,4 Milliarden US$ Liquidität und wächst extrem schnell. Der Q2-Umsatz lag bei 234 Mio. US$ (+62 % YoY) und im Backlog sind noch weitere 2,36 Milliarden US$ (+137 % YoY).
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Ist die Übernahme zu teuer?
Was man allerdings hinterfragen sollte, sind die Kosten für die Übernahme. Rocket Lab finanziert den Cash-Anteil unter anderem über eine 3,6-Milliarden-US$ Bridge-Finanzierung. Das könnten bei angenommenen Modellkosten von etwa 7 bis 9% ungefähr 286 Millionen US$ jährliche Zinskosten verursachen, was nicht wenig ist.
Deshalb darf man nicht so tun, als wären diese 300 Millionen US$ von Iridium zusätzlicher FCF für Rocket-Lab-Aktionäre. Ein erheblicher Teil kann zunächst durch die Finanzierungskosten aufgezehrt werden. Das macht die Übernahme aber keinesfalls teuer, weil Rocket Lab bislang praktisch schuldenarm war und diese Bridge-Finanzierung mit dem zusätzlichen Umsatz- und Gewinnhebel absolut machbar ist.
ℹ️ Rocket Lab Corporation in Kürze
- Rocket Lab USA (WKN: A419CG) ist ein in Long Beach in Kalifornien ansässiger Hersteller von Luft- und Raumfahrtprodukten und Anbieter von Raketentransporten.
- Das 2006 gegründete Unternehmen entwickelt und betreibt die Trägerrakete Electron, die Kleinsatelliten ins All transportiert.
- Darüber hinaus stellt Rocket Lab USA Satellitenkomponenten wie Star Tracker, Reaktionsräder, Solarzellen und -anordnungen, Satellitenfunkgeräte, Trennsysteme sowie Flug- und Bodensoftware her.
- Rocket Lab USA notiert an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist ca. 37,7 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Der Analyst Brian Gesuale erwartet, dass Rocket Lab mithilfe der Übernahme von Iridium und steigenden Umsätzen bis 2028 positiven Free Cashflow erreichen und die Verlustzone verlassen könnte. Die Begründung ist valide, aber meiner Meinung nach nicht ganz so schnell umsetzbar, wie erwartet wird.
Ein Kauf zwingt sich meiner Meinung nach nicht auf, da die Aktie eher als hoch bewertet bis leicht überbewertet auf Basis des heutigen Geschäfts einzustufen ist. Potenziell könnte sie fair bewertet sein, wenn die Neutron- und Iridium-Story tatsächlich bis 2028 aufgeht.