Ein gescheitertes Herzmedikament reißt heute gleich drei Pharmakonzerne ins Minus. Pelacarsen, das Mittel gegen erhöhte Lipoprotein(a)-Werte, hat in der Phase-III-Studie Lp(a)Horizon seinen eigentlichen Job nicht erledigt, nämlich Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskulären Tod zu verhindern. Das Lipoprotein(a)-Level der Probanden sank zwar, beim entscheidenden Primärziel blieb der Erfolg aus.
Novartis, Ionis und Amgen im Abwärtssog
Novartis verliert heute an der Schweizer Börse knapp 4 Prozent. Ionis Pharma, der Entwickler von Pelacarsen, sackt sogar um 10 Prozent ab. Amgen kommt mit einem Minus von 5 Prozent noch am glimpflichsten davon, obwohl das Unternehmen an dem Misserfolg gar nicht direkt beteiligt ist. Der Grund: Amgens ähnliches Präparat Olpasiran gerät durch die negativen Signale aus der Pelacarsen-Studie ebenfalls unter Druck. Meiner Meinung nach ist diese Reaktion bei Amgen nachvollziehbar, der Markt bestraft auch das, was theoretisch schieflaufen könnte.
Analysten streichen Milliarden aus dem Modell
Die Zürcher Kantonalbank bringt es auf den Punkt: Pelacarsen funktioniert nicht. Die Experten der ZKB nehmen deshalb risikoadjustierte Umsatzerwartungen von bis zu 1,3 Milliarden US$ komplett aus ihrem Modell heraus. Vontobel hatte sogar mit einem Spitzenumsatz von 2 Milliarden US$ gerechnet. Die Bank hält die Kursziel-Senkung jedoch klein, weil sie gleichzeitig ihre Schätzung für das Medikament Remibrutinib von 1 auf 2 Milliarden US$ verdoppelt.
Was bedeutet das für die Aktien
Für Novartis ist der heutige Tag schmerzhaft, aber kein Desaster. Das Unternehmen hat mit Remibrutinib offenbar einen Ausgleich in der Pipeline, der die Lücke zumindest teilweise schließen könnte. Bei Ionis sieht das düsterer aus, ein Minus von 10 Prozent an einem Tag zeigt, wie viel Hoffnung der Markt in Pelacarsen gesteckt hatte. Für Amgen wiederum dürfte entscheidend sein, ob die eigene Olpasiran-Studie bessere Daten liefert als das Pelacarsen-Desaster. Ich rate bei allen drei Titeln vorerst zur Vorsicht.
Quelle: dpa-AFX
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