Vestas Wind-Aktie: Windkraft-Comeback mit Potenzial
Geschäft mit klarer strategischer Ausrichtung
Vestas Wind Systems ist gemessen am Umsatz der weltweit größte Hersteller von Windturbinen. Das Geschäft gliedert sich in die kapitalintensive Sparte Power Solutions und den kapitalärmeren Servicebereich. Power Solutions entwickelt, produziert und installiert Windturbinen für Onshore- und Offshore-Projekte, während der Servicebereich Wartung und Optimierung über langfristige Verträge anbietet und dadurch vergleichsweise stabile Margen und hohe Planbarkeit ermöglicht.
Der weltweite Ausbau der Windenergie dürfte in den kommenden Jahren weiter voranschreiten. Besonders in westlichen Märkten profitieren Hersteller wie Vestas davon, dass Regierungen und Projektentwickler aus strategischen und sicherheitspolitischen Gründen vielfach auf chinesische Anbieter verzichten. Zwar können chinesische Wettbewerber Turbinen häufig günstiger produzieren, dennoch dominieren westliche Hersteller wie Vestas, Siemens Energy, Nordex und GE Vernova weiterhin viele Märkte außerhalb Chinas.
Mit seiner globalen Präsenz, langjährigen Erfahrung und technologischen Kompetenz ist Vestas gut positioniert, um vom langfristigen Umbau des Energiesystems zu profitieren. Windenergie dürfte dabei eine zunehmend wichtige Rolle im weltweiten Energiemix spielen.
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Windenergie gewinnt weiter an Bedeutung
Onshore-Wind zählt gemessen an den Stromgestehungskosten zu den günstigsten Formen der Stromerzeugung. Die Kosten liegen typischerweise bei rund 0,05 bis 0,09 Euro je Kilowattstunde und damit deutlich unter denen von Braunkohle und Steinkohle.
Neben den niedrigen Kosten spricht auch die strategische Bedeutung für die Windenergie. Sie ist skalierbar, nahezu unbegrenzt verfügbar und kann im eigenen Land erzeugt werden. Damit reduziert sie sowohl die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen als auch geopolitische Risiken.
2025 wurden weltweit 155,3 GW Onshore-Windleistung installiert, 42 Prozent mehr als im Vorjahr. Für die Jahre 2026 bis 2030 wird weiterhin Wachstum erwartet, wenngleich mit einem moderateren Tempo. Die globalen Windkraftkapazitäten dürften in diesem Zeitraum jährlich durchschnittlich um 5,2 Prozent zulegen.
Besonders dynamisch entwickelt sich der Offshore-Markt. Die jährlichen Installationen könnten von 9,3 GW im Jahr 2025 auf 33,3 GW im Jahr 2030 steigen. Das entspräche einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von rund 29 Prozent. Mit zunehmender technischer Reife und besseren Projektbedingungen könnte Offshore-Wind damit zu einem wichtigen Wachstumstreiber werden.
Vestas lieferte 2025 Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 14.537 MW aus und erreichte damit einen geschätzten globalen Marktanteil von 8,9 Prozent. Damit lag das Unternehmen weltweit hinter dem chinesischen Hersteller Goldwind, während Nordex auf Platz drei folgte.
Profitabilität nimmt deutlich zu
Für die Beurteilung des Geschäfts sind insbesondere drei Kennzahlen relevant: die ausgelieferte Turbinenleistung, die EBIT-Margen der einzelnen Segmente und die durchschnittlichen Verkaufspreise. Zusammen geben sie Aufschluss über Absatz, operative Effizienz, Preissetzung und Profitabilität.
Seit 2024 hat sich die Entwicklung im Kerngeschäft Power Solutions deutlich verbessert. Im zweiten Quartal 2026 erzielte die Sparte einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro und eine EBIT-Marge von 10,4 Prozent. Damit hat Vestas die Belastungen der vergangenen Jahre erheblich reduziert.
Auch künftig besteht weiteres Verbesserungspotenzial. Vor allem der Servicebereich befindet sich noch in einer kommerziellen Neuausrichtung. Das langfristige Ziel des Managements liegt bei einer EBIT-Marge von mehr als 25 Prozent im Servicegeschäft und einer konzernweiten EBIT-Marge von über 10 Prozent.
Positiv ist zudem, dass die durchschnittlichen Verkaufspreise im zweiten Quartal 2026 weitgehend stabil blieben. Vestas legt inzwischen deutlich mehr Wert auf profitable Aufträge als auf möglichst hohe Marktanteile oder Auslieferungsvolumen. Das ist eine wichtige Veränderung gegenüber den Jahren der Pandemie und der anschließenden Inflationsphase, in denen zahlreiche Verträge mit unzureichenden Renditen abgeschlossen wurden.
Klares Aufholpotenzial
Für kapitalintensive Unternehmen bietet sich insbesondere das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA als Bewertungskennzahl an. Auf Basis der vergangenen zwölf Monate wird Vestas derzeit mit einem Abschlag von 8,4 Prozent gegenüber dem Branchenmedian gehandelt. Auf Basis der erwarteten Ergebnisse beträgt der Abschlag sogar 23,4 Prozent.
Angesichts der führenden Marktposition, der soliden Bilanz und der hohen Visibilität durch den Auftragsbestand erscheint dieser Bewertungsabschlag nur schwer zu rechtfertigen. Vestas verfügte zuletzt über einen Auftragsbestand von rund 76 Milliarden Euro und damit über eine umfangreiche Grundlage für künftige Umsätze.
Zusätzliche Unterstützung für die Aktionäre bietet das im zweiten Quartal 2026 angekündigte Aktienrückkaufprogramm über 400 Millionen Euro. Gleichzeitig bekräftigte das Management das Ziel, 40 Prozent des Nettogewinns an die Aktionäre zurückzuführen.
Bei einer Bewertung auf dem Niveau des Branchenmedians ergäbe sich ein rechnerischer Wert von etwa 228 bis 273 dänischen Kronen beziehungsweise 30,50 und 36,52 € je Aktie. Angesichts der verbesserten Profitabilität, des hohen Auftragsbestands und der langfristig positiven Branchenaussichten erscheint diese Bewertung plausibel.
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Diese Risiken bleiben
Die Investmentthese ist allerdings nicht ohne Risiken. Auf makroökonomischer Ebene könnten eine unzureichende staatliche Unterstützung, höhere Zinsen oder steigende Stahlpreise die Wirtschaftlichkeit neuer Windprojekte belasten. Stahl ist insbesondere bei Turbinentürmen und Offshore-Fundamenten ein bedeutender Kostenfaktor.
Eine zentrale Rolle spielen zudem staatliche Förderprogramme. In Europa haben mehrere Länder bereits erlebt, dass zu niedrig angesetzte Vergütungssätze bei Ausschreibungen Investoren abschreckten. Deutschland und Polen zeigen dagegen, dass geeignete Förderbedingungen den Ausbau von Windparks ermöglichen können, ohne die wirtschaftlichen Interessen der Betreiber aus dem Blick zu verlieren.
Auf Unternehmensebene bleibt die Konkurrenz durch chinesische Hersteller ein wichtiger Faktor. Vestas muss insbesondere in Märkten mit starkem chinesischem Wettbewerb seine Preissetzung diszipliniert gestalten und unprofitable Verträge vermeiden. Der durchschnittliche Verkaufspreis je Megawatt bleibt deshalb eine wichtige Kennzahl für die weitere Entwicklung.
ℹ️ Vestas in Kürze
- Vestas Wind Systems (WKN: A3CMNS) mit Sitz in Aarhus in Dänemark ist der größte Windkraftanlagenhersteller der Welt.
- Mit einer installierten Gesamtleistung von weit über 175 Gigawatt in rund 90 Ländern hat Vestas mehr Windkraftkapazität errichtet als jeder andere Hersteller weltweit.
- Das Unternehmen entwickelt, fertigt, installiert und wartet Windkraftanlagen sowohl für den Einsatz an Land (Onshore) als auch auf dem Meer (Offshore).
- Vestas notiert an der Nasdaq Copenhagen und ist ca. 204 Milliarden DKK wert.
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Fazit
Vestas hat nach mehreren Jahren schwacher Ergebnisse seine operative Entwicklung deutlich verbessert. Gleichzeitig sprechen strukturelle Faktoren wie Europas Streben nach größerer Energieunabhängigkeit, die Abkehr von fossilen Brennstoffen und der steigende Strombedarf für langfristig wachsende Märkte.
Besonders Offshore-Wind könnte zusätzliche Dynamik liefern. Der noch junge Markt bietet erhebliches Wachstumspotenzial, sofern technologische Fortschritte, bessere Projektwirtschaftlichkeit und verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen zusammenkommen.
Gegenüber seinen Wettbewerbern erscheint Vestas derzeit je nach Bewertungsansatz um rund 9 bis 30 Prozent unterbewertet. Gelingt es dem Unternehmen, die verbesserte Profitabilität nachhaltig zu bestätigen und das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, könnte sich dieser Abschlag weiter verringern.
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