Salesforce-Aktie springt +13% – steckt dahinter mehr?
Salesforce überrascht vor allem beim Gewinn
Bei Salesforce ging es gestern Abend ziemlich schnell. Nach Veröffentlichung der Quartalszahlen sprang die Aktie nachbörslich zeitweise um rund +13% nach oben und damit deutlich stärker, als es die Zahlen auf den ersten Blick vielleicht vermuten lassen.
Im vergangenen Quartal setzte Salesforce 11,35 Milliarden US$ um. Das waren rund 11% mehr als vor einem Jahr und etwas mehr als die erwarteten 11,32 bis 11,33 Milliarden US$. Beim Gewinn fiel die Überraschung deutlich größer aus. Bereinigt verdiente Salesforce 5,90 US$ je Aktie, während Analysten lediglich mit rund 3,27 US$ gerechnet hatten.
Ganz eins zu eins sollte man diese beiden Zahlen allerdings nicht miteinander vergleichen. Im Gewinn steckte ein positiver Effekt aus einer Beteiligung an Anthropic. Ohne diesen Effekt hätte der bereinigte Gewinn bei ungefähr 3,37 US$ je Aktie gelegen und damit immer noch oberhalb der Erwartungen.
Noch wichtiger für die Reaktion der Aktie war deshalb vermutlich der Blick auf das laufende Geschäft. Die sogenannten Current Remaining Performance Obligations, vereinfacht gesagt bereits vertraglich zugesicherte Umsätze, die Salesforce in den kommenden 12 Monaten erwartet, stiegen um 14% auf 33,5 Milliarden US$. Hier hatte der Markt mit etwas weniger gerechnet.
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Ausgerechnet KI könnte Salesforce jetzt wieder helfen
Die Aktie hatte in diesem Jahr zeitweise ziemlich zu kämpfen und ein großer Teil der Unsicherheit hing ausgerechnet mit dem KI-Boom zusammen. Die Sorge dahinter ist relativ einfach erklärt. Wenn Unternehmen mit KI-Agenten immer mehr Aufgaben selbst automatisieren können, brauchen sie dann irgendwann überhaupt noch so viele klassische Software-Lizenzen von Salesforce?
Nach den neuen Zahlen sieht es zumindest erstmal nicht danach aus. Das Geschäft mit Agentforce und Data 360 kommt mittlerweile auf einen annualisierten wiederkehrenden Umsatz von fast 3,9 Milliarden US$. Gegenüber dem Vorjahr hat sich dieser Wert damit mehr als verdreifacht. Allein Agentforce erreicht inzwischen rund 1,5 Milliarden US$ ARR, nachdem es im vorherigen Quartal noch 1,2 Milliarden US$ waren.
Salesforce verarbeitet mittlerweile außerdem enorme Mengen an KI-Aktivität über seine Plattform. Insgesamt wurden bereits mehr als 7 Milliarden sogenannte Agentic Work Units verarbeitet, davon allein 3,2 Milliarden im vergangenen Quartal. KI scheint Salesforce damit bislang nicht einfach das bestehende Geschäft wegzunehmen. Das Unternehmen schafft es zunehmend, selbst daran mitzuverdienen.
Marc Benioff wird bei den KI-Sorgen ziemlich deutlich
CEO Marc Benioff nutzte den Earnings Call entsprechend, um ziemlich deutlich gegen die Sorgen rund um das klassische Softwaregeschäft zu schießen. Er widersprach der Vorstellung einer drohenden „SaaSpocalypse“, bei der KI-Agenten klassische Software-Abonnements nach und nach überflüssig machen könnten. Stattdessen verwies er darauf, dass Salesforce momentan das stärkste Wachstum bei neuen jährlichen Auftragswerten seit vier Jahren sieht und die Kundenabwanderung gleichzeitig nahe historischen Tiefständen liegt.
Das ist für die Aktie ziemlich wichtig. Salesforce war in diesem Jahr schließlich nicht deshalb unter Druck geraten, weil das Unternehmen plötzlich kein Geld mehr verdient. Vielmehr zweifelten Anleger daran, ob das bisherige Geschäftsmodell in einer Welt voller KI-Agenten noch genauso wertvoll sein wird. Die neuen Zahlen liefern zumindest ein Argument dagegen. Kunden nutzen weiterhin die klassischen Salesforce-Produkte und kaufen gleichzeitig immer stärker die neuen KI-Angebote dazu.
Mit Claude kommt jetzt noch eine ziemlich große Partnerschaft dazu
Passend dazu hat Salesforce gestern Abend auch die Zusammenarbeit mit Anthropic deutlich ausgebaut. Unter dem Namen „Claudeforce“ sollen Salesforce und Claude enger miteinander verbunden werden. Das Spannende daran ist, dass Nutzer künftig direkt innerhalb von Claude auf Salesforce-Funktionen zugreifen können.
Zum Start sollen dafür mehr als 30 vorgefertigte Sales-Funktionen zur Verfügung stehen. Ein Mitarbeiter könnte Claude damit beispielsweise Informationen aus Salesforce abrufen lassen oder bestimmte Vertriebsaufgaben erledigen, ohne ständig zwischen verschiedenen Anwendungen wechseln zu müssen.
Und hier zeigt sich auch, wie Salesforce auf die mögliche Verschiebung durch KI reagiert. Statt zu versuchen, Nutzer zwingend innerhalb der eigenen Oberfläche zu halten, möchte das Unternehmen seine Daten und Geschäftsprozesse offenbar auch dort verfügbar machen, wo die Nutzer künftig mit KI arbeiten. Wenn Claude also irgendwann stärker zur eigentlichen Benutzeroberfläche für Unternehmen wird, möchte Salesforce trotzdem darunter liegen und die benötigten Daten und Prozesse bereitstellen.
Auch der Ausblick wird etwas besser
Bei der Prognose gab es ebenfalls Rückenwind. Für das Gesamtjahr erwartet Salesforce mittlerweile einen Umsatz zwischen 46,1 und 46,4 Milliarden US$. Zuvor lag die Spanne noch bei 45,9 bis 46,2 Milliarden US$. Für das kommende Quartal stellt das Unternehmen 11,42 bis 11,50 Milliarden US$ Umsatz in Aussicht.
Damit dürfte Salesforce weiterhin ungefähr zweistellig wachsen. Auch beim Gewinn wurde die Jahresprognose deutlich angehoben. Hier sollte man allerdings wieder berücksichtigen, dass der positive Effekt aus der Anthropic-Beteiligung einen Teil des Sprungs erklärt.
Nach einem schwierigen Jahr kommt plötzlich wieder Hoffnung auf
Der Kurssprung von rund +13% wirkt besonders heftig, wenn man sich anschaut, woher die Salesforce-Aktie kommt. Vor den Zahlen lag das Papier seit Jahresbeginn noch deutlich im Minus. Sorgen vor einer möglichen KI-Disruption hatten gerade klassische Software-Aktien stark getroffen.
Deshalb musste Salesforce gestern vermutlich auch gar keine komplett verrückten Wachstumszahlen liefern. Der Markt wollte vor allem sehen, dass KI das bestehende Geschäft nicht auffrisst und Salesforce gleichzeitig selbst einen Weg findet, mit Agenten Geld zu verdienen. Das Wachstum bei Agentforce, die stärkeren Auftragseingänge und die Zusammenarbeit mit Anthropic liefern dafür zumindest erste ziemlich gute Argumente.
Ob daraus schon die große Trendwende für die Aktie wird, muss sich natürlich erst noch zeigen. Aber nach Monaten, in denen KI für Salesforce an der Börse eher als Bedrohung gesehen wurde, könnte sich die Geschichte langsam drehen.
ℹ️ Salesforce in Kürze
- Salesforce (WKN: A0B87V) mit Sitz in San Francisco ist der weltweit führende Anbieter von Customer Relationship Management Software-Lösungen (Unternehmenssoftware für das Management von Kundenbeziehungen).
- Der Konzern bietet Unternehmen jeder Größe Cloud-basierte Lösungen in den Bereichen Kundenservice, Marketing und Vertrieb.
- Der im Dow Jones gelistete Software-Konzern ist an der Börse ca. 168 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Salesforce hat vor allem beim KI-Geschäft überzeugt. Agentforce wächst schnell, die Auftragslage bleibt stark und auch der Ausblick wurde leicht angehoben. Nach den vielen Sorgen, dass KI für Salesforce zum Problem werden könnte, liefern die Zahlen nun erstmal ein ziemlich gutes Gegenargument.