Intuit-Aktie -12%: Ist sie doch ein KI-Opfer?

Starke Wachstumsverlangsamung
Die Intuit-Aktie konnte sich seit Anfang Juli stark von ihren heftigen Kursverlusten im ersten Halbjahr erholen. Doch am Mittwochmorgen erlebt diese Kurserholung mit einem Crash von -12% einen herben Dämpfer. Was ist geschehen und müssen sich Anleger nun auf noch größere Kursverluste einstellen?

Starke Vergangenheitszahlen

Intuit legte gestern Abend die Zahlen für das vierte Quartal und das Geschäftsjahre 2025/26 vor, das am 31. Juli zu Ende ging. Auf den ersten Blick gibt es überhaupt keinen Grund für den Kurseinbruch der Intuit-Aktie, denn sowohl Umsatz als auch Gewinn lagen über den Erwartungen der Wall Street.

Der Umsatz kletterte im gesamten Geschäftsjahr um 14% gegenüber dem Vorjahr auf 21,45 Milliarden US$ und überschritt damit erstmals die Marke von 20 Milliarden US$. Auch im Schlussquartal des Geschäftsjahres lieferte der Software-Konzern ein Wachstum von knapp 14% auf 4,36 Milliarden US$ und übertraf damit die Konsensprognose von 4,27 Milliarden US$ leicht.

Beim Gewinn gelang Intuit ebenfalls eine positive Überraschung. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg im letzten Quartal nicht nur um satte 47% im Jahresvergleich auf 4,03 US$, sondern lag auch deutlich über der Markterwartung von rund 3,58 US$. Im Gesamtjahr erhöhten sich die EPS um ca. 20% gegenüber dem Vorjahr auf 24,27 US$.

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Aber eine trübe Zukunftsperspektive

Trotz der starken Geschäftsentwicklung im vergangenen Geschäftsjahr reagierte die Börse schwer enttäuscht und das liegt an der Prognose für das Geschäftsjahr 2026/27. Intuit erwartet in den kommenden Monaten eine spürbare Wachstumsverlangsamung.

Für das GJ 26/27 geht das Management des Software-Anbieters nur noch von einem Wachstum zwischen 9 und 10% auf 23,28 bis 23,51 Milliarden US$ aus, was deutlich unter den bisherigen Wachstumserwartungen des Marktes liegt. Als große Wachtumsbremse wird das Consumer-Segment mit der Steuersoftware TurboTax gesehen, für das nur noch ein Umsatzwachstum von 2 bis 3 % erwartet wird. Management-Recherchen ergaben, dass Kunden verstärkt zu preiswerteren Alternativen gewechselt sind.

Noch schlechter sind die Prognosen für Mailchimp. Bei der E-Mail-Marketing-Plattform geht das Unternehmen sogar von einem minimalen Umsatzverlust im neuen Geschäftsjahr aus.

Zurück zum 6-Jahrestief?

Die Intuit-Aktie erlebte in den letzten zwei Monaten eine starke Erholungsrallye, in deren Zuge der Kurs um fast +50% nach oben ging. Mit dem heutigen Crash hat sich das Blatt mit einem Schlag gewendet.

Im US-Handel dürfte der Kurs auf knapp über 300 US$ abstürzen. Es steht sogar zu befürchten, dass der Tech-Titel in den kommenden Wochen noch einmal das 6-Jahrestief bei 255 US$ testen wird.

Die KI-Disruption zeigt sich schon heute

In meiner letzten Analyse von Intuit habe ich Anlegern geraten, die Finger von der Intuit-Aktie zu lassen. Der heutige Kurscrash scheint meine Argumente zu bestätigen.

Für mich zählt Intuit zu den klassischen Verlierern der KI-Disruption. KI-Agenten machen die kostspieligen Software-Abos von Intuit in vielen Bereichen obsolet bzw. sie üben einen starken Preisdruck aus. Das zeigt sich inzwischen deutlich an der Wachstumsverlangsamung, vor allem im Bereich Steuersoftware.

Diese Entwicklung wird sich nicht aufhalten lassen und ich sehe nicht, wie Intuit darauf reagieren kann. Finanz-, Steuer- und Marketingsoftware gehört meiner Überzeugung nach zu denjenigen Teilbereichen, die sich am einfachsten durch KI ersetzen lassen — zumindest bei einfacheren Anwendungsfällen im Privatbereich. Das wird Intuit in den kommenden Jahren noch stark zu spüren bekommen.

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Zudem ist die Intuit-Aktie mit einem Forward-KGV von 14 immer noch nicht günstig bewertet. Das Wachstum hat sich inzwischen auf einstellige Werte verlangsamt und wird meiner Meinung nach in den kommenden Jahren noch weiter zurückgehen. Gleichzeitig wird die noch recht gute operative Marge von Intuit in Höhe von rund 25% in Zukunft unter Druck geraten.

ℹ️ Intuit in Kürze

  • Intuit (WKN: 886053) ist ein 1983 gegründetes Technologieunternehmen mit Sitz im kalifornischen Palo Alto, das sich auf Finanz-, Steuer- und Marketingsoftware für Privatpersonen, kleine und mittlere Unternehmen sowie Steuerberater spezialisiert hat.
  • Das Unternehmen gilt als einer der wichtigsten Pioniere bei der Digitalisierung des Finanzalltags von Privatpersonen und Unternehmen.
  • Kernprodukte von Intuit sind die Software-Plattformen QuickBooks (Buchhaltungssoftware), TurboTax (DIY-Software für die private Steuererklärung in den USA und Kanada), Credit Karma (Bonitätsprüfungen und Finanzprodukte wie Kredite und Versicherungen) und Mailchimp (E-Mail-Marketing).
  • Intuit ist Mitglied im Nasdaq 100-Index und ca. 98 Milliarden US$ wert.

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Fazit

Die Intuit-Aktie mag optisch günstig aussehen. De facto ist sie es nicht. Der Software-Anbieter ist in meinen Augen einer der größten KI-Verlierer, was sich bereits heute in den Zahlen abzeichnet. Eine Kurserholung der Aktie erwartet ich deshalb nicht.