Moderna hat gerade geliefert, was die Branche seit Jahren für möglich, aber nicht sicher gehalten hat. Die Phase-3-Studie INTerpath-001 erreichte ihre Ziele, und die Reaktion der Wall Street ließ nicht lange auf sich warten.
Was die Studie wirklich zeigt
1.137 Patienten, zwei Endpunkte, beide erfüllt. In der Studie wurde die Kombination aus Intismeran Autogene (dem personalisierten mRNA-Präparat von Moderna) und Mercks Keytruda bei Melanom-Patienten im Stadium IIB bis IV getestet. Sowohl das rezidivfreie Überleben als auch das fernmetastasenfreie Überleben verbesserten sich statistisch signifikant. Der Grund, warum das so wichtig ist: Es ist der erste positive Phase-3-Erfolg für eine individualisierte mRNA-Krebstherapie weltweit. Die Vorstudie KEYNOTE-942 hatte schon Hinweise geliefert, das Rückfall- oder Todesrisiko um 49 Prozent gegenüber Keytruda allein zu senken und das Risiko für Fernmetastasen oder Tod um 59 Prozent. Phase 3 hat das nun bestätigt.
Die Zulassung peilt Moderna für 2027 an. Die Daten sollen zunächst auf einem internationalen Kongress vorgestellt und dann den Behörden eingereicht werden.
Analysten mit deutlichen Kurszielsprüngen
Die Reaktion fiel entsprechend heftig aus. Bank of America hob ihr Kursziel von 40 auf 170 US$ an und stufte auf Neutral hoch. Barclays zog von 48 auf 125 US$ nach, blieb aber bei Equal Weight. William Blair nahm ein Upgrade auf Outperform vor. Wolfe Research sieht das Spitzenumsatzpotenzial von Intismeran über vier Indikationen hinweg bei 9,2 Milliarden US$, noch vor einer möglichen Gewinnbeteiligung von Merck.
Am 26.08.2026 legte die Aktie um 14 Prozent zu und schloss bei 135,86 €. Das klingt beeindruckend, ist aber im Kontext zu sehen. Am 19. August war die Aktie an einem einzigen Tag um rund 177 Prozent gestiegen und fiel am Folgetag um mehr als ein Viertel wieder zurück. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 517 Prozent, der RSI bei 72,3, also im überkauften Bereich. Der Kurs notiert rund 9 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 149,62 €, das am 19. August erreicht wurde, aber weit über dem 50-Tage-Durchschnitt von 62,88 €.
Operativ bleibt die Lage angespannt
Im zweiten Quartal 2026 erzielte Moderna lediglich 145 Millionen US$ Umsatz bei einem Nettoverlust von 782 Millionen US$. Die Barreserven von rund 5,1 Milliarden US$ bei vergleichsweise niedriger Verschuldung geben dem Unternehmen Spielraum bis zur Zulassung. Firmenchef Stéphane Bancel warnte gleichzeitig vor massiven staatlichen Investitionen Chinas in mRNA-Technologie und fordert von der US-Regierung mehr Risikobereitschaft. Zusätzlich baut Moderna seine Fertigungskapazitäten in Massachusetts aus und will bis Jahresende auch als Unternehmen im Bereich Seltene Erkrankungen auftreten.
Was das für die Aktie bedeuten könnte
Meiner Meinung nach ist die Lage an der Börse klar zweigeteilt. Die klinischen Daten überzeugen, und ein Umsatzpotenzial von 9,2 Milliarden US$ wäre für Moderna transformativ. Doch der Weg bis zur Zulassung 2027 ist lang, und die Quartalszahlen zeigen, wie viel Geld das Unternehmen in der Zwischenzeit verbrennt. Die extreme Kursvolatilität der vergangenen Wochen dürfte anhalten. Die Aktie wäre damit weniger eine Investition in heutige Gewinne als eine Wette auf die Zulassung, und genau das sollte jeder einpreisen, der über einen Einstieg nachdenkt.
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