Öl (WTI) über 100 US$: Der Preis der Geopolitik
Zwei Nadelöhre bringen den Ölmarkt unter Stress
Die geopolitische Risikoprämie erhält zum Wochenende neue Nahrung. Am Sonntag wurde erneut ein Schiff in der Straße von Hormus getroffen, während Saudi-Arabien seine wichtige Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriffen zeitweise stilllegte. Diese Route hatte zuletzt täglich rund 4 bis 5 Millionen Barrel transportiert und sollte gerade die eingeschränkte Passage durch Hormus kompensieren. Gleichzeitig haben die vom Iran unterstützten Huthi ihre Position am Bab al-Mandab ausgebaut und unter anderem die strategisch wichtige Insel Perim eingenommen. Damit geraten gleich zwei der wichtigsten globalen Energiekorridore unter Druck. Vor Beginn des Konflikts liefen allein durch die Straße von Hormus rund 20% des weltweiten Ölangebots.
Auch die fundamentale Marktbilanz wird zunehmend enger. Die Internationale Energieagentur erwartet für 2026 inzwischen einen Rückgang des globalen Ölangebots um 5,7 Millionen Barrel pro Tag. Seit Beginn des Konflikts sind die beobachteten Lagerbestände weltweit bereits um rund 507 Millionen Barrel gefallen, allein im August um weitere 95 Millionen. Allerdings besitzt die Rally einen natürlichen Gegenspieler: Hohe Energiepreise drücken die Nachfrage, weshalb die IEA für dieses Jahr einen Verbrauchsrückgang um 2,5 Millionen Barrel pro Tag erwartet. Damit bleibt das Umfeld klar preisstützend, aber nicht grenzenlos bullisch.
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Zur Signallage

Quelle Chart: stock3
Der Wochenchart spricht nach dem jüngsten Kursschub zunächst weiter für die Käufer. Mit der Rückeroberung von 89,89 und insbesondere 93,35 US$ wurde ein wichtiges technisches Signal geliefert. Eine Konsolidierung ausgehend von aktuell rund 100 US$ bis in den Bereich um 95 beziehungsweise 93,35 US$ wäre daher zunächst unproblematisch. Hält diese Zone, favorisiere ich anschließend einen neuen Aufwärtsimpuls. Das zentrale Ziel liegt bei 114,80 US$, wo bereits im Frühjahr erheblicher Verkaufsdruck aufgekommen war.
Obacht wäre dagegen bei einem nachhaltigen Rückfall unter 93,35 und speziell 89,89 US$ angebracht. Damit würde der jüngste Ausbruch deutlich an Qualität verlieren und 82,04 US$ wieder auf die Agenda rücken. Fällt auch diese Unterstützung, wäre bei 77,97 US$ die nächste größere Haltelinie gefragt. Erst darunter würde sich das derzeit bullische Wochenbild nachhaltig eintrüben und im größeren Kontext wieder Raum bis 71,44 beziehungsweise 66,55 US$ entstehen.
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Fazit
WTI trifft oberhalb von 100 US$ auf ein Umfeld, das geopolitisch kaum explosiver sein könnte. Solange 93,35 US$ hält, bleibt mein bevorzugtes Szenario aufwärtsgerichtet und 114,80 US$ das nächste große Ziel. Eine Entspannung rund um Hormus oder den Bab al-Mandab könnte die Risikoprämie allerdings jederzeit schnell reduzieren. Unter 89,89 US$ würde ich deshalb deutlich vorsichtiger werden, dann dürfte zunächst 82,04 US$ wieder in den Fokus rücken.
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