Oracle-Aktie: Ellison stoppt 7,5-Milliarden-Verkauf – Kaufsignal?
Kein einziger Anteilsschein wurde verkauft
Der im Juni aufgesetzte Handelsplan hätte Ellison den Verkauf von bis zu 50 Millionen Oracle-Aktien bis zum 24. Oktober ermöglicht. Das Unternehmen teilte nun mit, dass der Plan aufgehoben wurde und Ellison gegenwärtig keine Verkäufe beabsichtigt. Eine offizielle Begründung nannte Oracle nicht.
Ellison besitzt weiterhin rund 40% des Konzerns. Selbst das ursprünglich geplante Aktienpaket hätte daher nur einen kleinen Teil seiner Beteiligung ausgemacht. Psychologisch wäre der erste große Verkauf seit Jahrzehnten dennoch belastend gewesen – insbesondere nach dem starken Kursrückgang der vergangenen Monate.
Nach Angaben einer mit der Angelegenheit vertrauten Person hält Ellison die Oracle-Aktie für unterbewertet. Die Stornierung ist allerdings kein Insiderkauf. Zudem sind rund 346 Millionen seiner Oracle-Aktien als Sicherheit für persönliche Kredite hinterlegt. Anleger sollten die Entscheidung deshalb nicht überinterpretieren.
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Oracle selbst verkauft Aktien für 20 Milliarden US$
Brisant ist der Kontrast zur Finanzierung des Unternehmens. Während Ellison seine Beteiligung nicht reduziert, hat Oracle im ersten Geschäftsquartal über ein Aktienprogramm neue Papiere im Wert von 20 Milliarden US$ ausgegeben. Insgesamt will der Konzern 2026 rund 45 bis 50 Milliarden US$ über Eigen- und Fremdkapital aufnehmen.
Das Geld wird für einen der aggressivsten Rechenzentrumsausbaue der Technologiebranche benötigt. Allein im jüngsten Quartal investierte Oracle 28,5 Milliarden US$. Für das gesamte Geschäftsjahr sind sogar 90 bis 95 Milliarden US$ vorgesehen.
Trotz eines Rekord-Cashflows aus dem operativen Geschäft von 23,1 Milliarden US$ blieb deshalb ein negativer freier Cashflow von 5,4 Milliarden US$. Im vorherigen Geschäftsjahr hatte der Mittelabfluss bereits 23,7 Milliarden US$ erreicht. Die KI-Offensive wird somit nicht aus eigener Kraft finanziert und führt zu steigenden Schulden beziehungsweise einer Verwässerung der Altaktionäre.
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Jetzt wächst das Geschäft in die Investitionen hinein
Operativ beginnt die Rechnung allerdings aufzugehen. Der Quartalsumsatz stieg um 30% auf 19,3 Milliarden US$. Die gesamten Cloud-Erlöse sprangen um 62% auf 11,6 Milliarden US$, während das Geschäft mit Cloud-Infrastruktur sogar um 121% auf 7,4 Milliarden US$ wuchs.
Oracle nahm innerhalb eines Quartals zusätzliche KI-Aufträge über mehr als 30 Milliarden US$ herein. Der gesamte noch nicht realisierte Auftragsbestand erhöhte sich dadurch auf 664 Milliarden US$ – 209 Milliarden US$ mehr als ein Jahr zuvor. Das Unternehmen betont, dass die neuen Verträge keine zusätzliche Kapitalaufnahme über die bisherigen Pläne hinaus erfordern.
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Oracle mittlerweile mindestens 90 Milliarden US$ Umsatz und einen bereinigten Gewinn von 8,10 US$ je Aktie. Bei einem Börsenwert von rund 451 Milliarden US$ entspricht die Bewertung ungefähr dem Fünffachen des erwarteten Jahresumsatzes. Angesichts des dreistelligen Infrastrukturwachstums ist das nicht überzogen, der negative freie Cashflow verhindert jedoch eine klare Schnäppchenbewertung.
ℹ️ Oracle in Kürze
- Oracle (WKN: 871460) ist ein US-Soft- und Hardwarekonzern mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas.
- Bekannt ist der Konzern vor allem als Betreiber eines Datenbanksystems. Darüber hinaus bietet Oracle seinen Kunden Cloud-Infrastruktur und zahlreiche Anwendungen an.
- Gegründet im Jahre 1977 und mit einem Jahresumsatz von fast 70 Milliarden US$ zählt Oracle zu den ältesten und größten Tech-Konzernen weltweit.
- Oracle ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und ca. 432 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Ellisons Verkaufsstopp stärkt das Vertrauen, ist aber allein kein Kaufsignal. Wesentlich wichtiger sind das enorme Cloud-Wachstum und der Auftragsbestand von 664 Milliarden US$. Oracle muss nun beweisen, dass aus den milliardenschweren KI-Verträgen rechtzeitig positiver freier Cashflow entsteht. Solange dafür neue Aktien und zusätzliche Schulden benötigt werden, bleibt die Aktie trotz des Kursrückgangs eine riskante KI-Wette.