Rigetti-Aktie: Die bessere D-Wave?
Umsatz wächst rasant
Bei Unternehmen aus dem Bereich Quantencomputing ist die aktuelle Umsatzentwicklung nur eingeschränkt aussagekräftig. Die Branche befindet sich noch in einer frühen Kommerzialisierungsphase. Entsprechend sind die Umsätze noch relativ gering, können aber bei erfolgreichen Geschäftsmodellen sehr dynamisch wachsen.
Im zweiten Quartal erhöhte Rigetti den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 183% auf 5,14 Millionen US$. Auch gegenüber dem ersten Quartal mit 4,4 Millionen US$ konnte damit ein deutlicher Anstieg erzielt werden.
Gleichzeitig steigen allerdings weiterhin die Verluste. Die Umsätze reichen noch nicht aus, um die laufenden Betriebskosten sowie die hohen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung zu decken.
Der Non-GAAP-Verlust erhöhte sich von 13,3 auf 16 Millionen US$.
Damit bleibt die Liquiditätslage für die weitere Unternehmensentwicklung von entscheidender Bedeutung. Hier ist Rigetti derzeit gut aufgestellt. Ende Juni verfügte das Unternehmen über liquide Mittel von rund 514 Millionen US$.
Für einen noch nicht profitablen Quantencomputerentwickler ist das ein wichtiger Vorteil. Rigetti besitzt damit einen erheblichen finanziellen Spielraum, um die technologische Entwicklung voranzutreiben und die Kommerzialisierung auszubauen.
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Unterstützung durch den US-Staat
Quantencomputing gehört in den USA zu den strategisch wichtigen Zukunftstechnologien. Entsprechend versucht die US-Regierung, die Entwicklung dieser Technologie gezielt zu fördern.
Rigetti soll innerhalb von drei Jahren insgesamt 100 Millionen US$ aus entsprechenden Förderprogrammen erhalten.
Für das Unternehmen ist diese Unterstützung besonders wichtig, da die Entwicklung leistungsfähiger Quantencomputer enorme Forschungs- und Entwicklungskosten verursacht.
Gleichzeitig zeigt die Förderung, welche strategische Bedeutung die Technologie für die USA besitzt.
Kooperationen werden ausgebaut
Auch bei den Kooperationen macht Rigetti Fortschritte.
Gemeinsam mit Hewlett Packard Enterprise (HPE) und dem Pittsburgh Supercomputing Center (PSC) arbeitet das Unternehmen am Aufbau der Supercomputing-Testumgebung „TangleLab“.
Das am PSC angesiedelte Testbed soll einen klassischen Hochleistungsrechner mit einem 9-Qubit-Quantencomputersystem von Rigetti verbinden.
Finanziert wird das Projekt unter anderem durch einen Zuschuss der National Science Foundation in Höhe von 5 Millionen US$.
Ziel ist die Entwicklung hybrider Quanten-Klassik-Workflows. Dabei werden klassische Hochleistungsrechner mit Quantencomputern kombiniert.
Genau diese Verbindung könnte für die Kommerzialisierung entscheidend sein. Quantencomputer müssen klassische Systeme nicht zwangsläufig ersetzen. Vielmehr könnte ihre Stärke darin liegen, bestimmte hochkomplexe Rechenprobleme gemeinsam mit klassischen Computern effizienter zu lösen.
Technologische Entwicklung bleibt entscheidend
Bei Rigetti kommt es letztlich weniger auf den heutigen Umsatz als auf die technologische Entwicklung an.
Das Unternehmen setzt auf gatterbasierte Quantencomputer. Mit dem Cepheus1-108Q befindet sich Rigetti auf dem Weg zu einer deutlichen Skalierung der Qubit-Anzahl.
Für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit sind deshalb Faktoren wie Fehlerraten, Skalierbarkeit, Rechenleistung und die Fähigkeit zur Integration in bestehende Hochleistungsrechenzentren entscheidend.
Rigetti gegen D-Wave
Der Vergleich mit D-Wave ist interessant, sollte jedoch nicht überbewertet werden.
D-Wave verfolgt mit seinen annealing-basierten Quantencomputern einen anderen technologischen Ansatz. Rigetti setzt dagegen auf gatterbasierte Quantencomputer.
Langfristig könnte gerade die gatterbasierte Technologie eine größere Bedeutung gewinnen, wenn universell einsetzbare Quantencomputer Realität werden.
Daraus lässt sich allerdings noch kein sicherer Wettbewerbsvorteil ableiten. Die Technologie befindet sich weiterhin in einer frühen Entwicklungsphase.
Bewertung
Fundamental lässt sich die aktuelle Marktkapitalisierung von rund 6,2 Milliarden US$ mit den heutigen Geschäftszahlen kaum rechtfertigen.
Bei einem Quartalsumsatz von lediglich gut 5 Millionen US$ wird die Aktie nicht aufgrund der aktuellen Ertragskraft bewertet, sondern aufgrund der Erwartung, dass Rigetti langfristig zu einem bedeutenden Anbieter von Quantencomputern werden kann.
Das macht die Aktie zu einer klassischen Zukunftswette.
Sollte die Kommerzialisierung gelingen, die Zahl der Kunden deutlich steigen und Rigetti technologisch mit den führenden Unternehmen mithalten können, ist mit steigenden Kursen zu rechnen.
Scheitert dagegen die technologische Skalierung oder setzt sich ein anderer Anbieter durch, besteht ein erhebliches Abwärtspotenzial.
ℹ️ Rigetti in Kürze
- Rigetti Computing (WKN: A3DE3J) ist ein Entwickler von integrierten Quantenschaltkreisen für Quantencomputer. Zudem betreibt es ein Cloudgeschäft mit Quantentechnologie.
- Das Unternehmen ist in Berkeley in Kalifornien ansässig.
- Die Marktkapitalisierung der an der NASDAQ gehandelten Aktie beträgt aktuell 6,2 Milliarden US$.
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Fazit
Rigetti gehört für mich zu den interessantesten spekulativen Werten im Bereich Quantencomputing. Kurzfristig dürfte die Aktie extrem volatil bleiben. Kursbewegungen von +/-20 % oder mehr sind bei einem solchen Zukunftswert jederzeit möglich.
Ein direkter Vergleich mit D-Wave ist wenig aussagefähig. D-Wave ist bekannter als Rigetti. Wer hier investiert, sollte eine hohe Risikobereitschaft mitbringen und extreme Schwankungen aushalten. Eine Alternative ist aktives Traden.
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Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Rigetti. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.