Adobe-Aktie: Ist der massive Kurssturz übertrieben?
Starke Zahlen reichen Anlegern derzeit nicht
Fundamental läuft es bei Adobe weiterhin überraschend gut. Im zweiten Geschäftsquartal stieg der Umsatz um 13 % auf den Rekordwert von 6,62 Milliarden US$. Auch die wiederkehrenden Erlöse entwickelten sich stark: Die Annualized Recurring Revenue lag zum Quartalsende bei 27,1 Milliarden US$. Wichtig ist dabei, dass sich die Erlöse mit den neuen KI-Produkten innerhalb eines Jahres verdreifacht haben und inzwischen mehr als 500 Millionen US$ erreichen. Adobe hob deshalb sogar die Prognose für das laufende Geschäftsjahr an und erwartet nun einen Umsatz zwischen 26,5 und 26,6 Milliarden US$.
Trotzdem bleibt die Aktie unter Druck. Neue KI-Tools ermöglichen es Nutzern, Bilder, Videos oder Designs deutlich schneller und teilweise ohne klassische Adobe-Programme zu erstellen. Deshalb muss Adobe zeigen, dass Firefly und die neuen KI-Assistenten tatsächlich zusätzliches Wachstum bringen und nicht lediglich bestehende Funktionen ersetzen.
Das Unternehmen reagiert darauf mit einer klaren Offensive. Der neue Creative Agent soll komplexe Arbeitsschritte künftig direkt in Photoshop, Premiere, Illustrator und weiteren Programmen übernehmen. Nutzer können dabei ein gewünschtes Ergebnis beschreiben, während die KI mehrere einzelne Schritte selbstständig ausführt. Zusätzlich bringt Adobe seine Werkzeuge auf Plattformen wie ChatGPT, Claude, Gemini, Copilot und Slack. Damit versucht der Konzern, seine Produkte nicht nur innerhalb der Creative Cloud, sondern überall dort anzubieten, wo Nutzer bereits mit KI arbeiten.
Auch die geplante Übernahme von Topaz Labs passt in diese Strategie. Das Unternehmen ist auf die KI-gestützte Verbesserung von Bildern und Videos spezialisiert. Dazu gehören etwa das Hochskalieren, Schärfen, Stabilisieren oder Restaurieren von Aufnahmen. Adobe will diese Technik künftig in Firefly und die Creative-Cloud-Anwendungen integrieren. Dadurch könnten KI-Funktionen schneller und langfristig auch günstiger angeboten werden.
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Adobe-Aktie kämpft um die nächste Erholung
Aus charttechnischer Sicht bleibt die Lage trotz der guten Geschäftszahlen schwierig. Die Aktie ist von mehr als 360 US$ bis auf rund 190 US$ gefallen. Dort setzte zwar eine deutliche Gegenbewegung ein, diese verlor oberhalb von 230 US$ jedoch zunächst wieder an Schwung.
Wichtig bleibt nun die Unterstützung bei rund 204 US$. Dieser Bereich wurde zuletzt deutlich verteidigt und bildet die Basis der aktuellen Erholung. Solange die Aktie darüber notiert, besteht weiterhin die Chance, dass sich ein Boden entwickelt. Ein erneuter Rückfall unter 204 US$ wäre dagegen problematisch. Dann könnte auch das bisherige Tief bei etwa 190 US$ wieder getestet werden.
Auf der Oberseite wartet die entscheidende Hürde bei rund 255 US$. Dort liegt der Point of Control des sichtbaren Handelsbereichs. Das bedeutet, dass in dieser Zone besonders viele Aktien gehandelt wurden und entsprechend viele Anleger auf ihre früheren Einstiegskurse treffen. Deshalb dürfte dort der Verkaufsdruck zunächst zunehmen.
Kann Adobe die Marke von 255 US$ nachhaltig zurückerobern, wäre das ein erstes stärkeres Signal für eine größere Trendwende. Anschließend könnten die Bereiche um 290 und 325 US$ wieder in den Fokus rücken. Bis dahin handelt es sich allerdings weiterhin nur um eine Erholung innerhalb eines übergeordneten Abwärtstrends.

Adobe-Aktie auf TradingView
ℹ️ Adobe in Kürze
- Adobe (WKN: 871981) mit Sitz im kalifornischen San José einer der weltweit wichtigsten und bekanntesten Software-Konzerne.
- Das Unternehmen ist Marktführer bei Software für die Erstellung und Veröffentlichung eines breiten Spektrums von Inhalten, darunter Grafik, Fotografie, Illustration, Animation, Multimedia, Video und Druck.
- Zu den wichtigsten Produkten von Adobe gehören die Bildbearbeitungssoftware Adobe Photoshop, die Illustrationssoftware Adobe Illustrator sowie die Dokumenten-Managementsoftware Adobe Acrobat Reader.
- Adobe ist Mitglied in den US-Leitindizes S&P 500 und Nasdaq 100 und an der Börse aktuell ca. 89,5 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Adobe liefert weiterhin starke Zahlen und treibt den Ausbau seiner KI-Produkte voran. Dennoch bleibt die Aktie technisch angeschlagen. Hält die Unterstützung bei 204 US$, ist eine Erholung bis 255 US$ möglich. Erst oberhalb dieser Marke würde sich das Chartbild deutlicher verbessern.