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Copart-Aktie: -50% – kommt jetzt der Turnaround?

Neuer Deal
Der Gebrauchtwagenmarkt boomt und Copart geht all-in. Mit der gestern verkündeten Übernahme des Gebrauchtwagen-Auktionsspezialisten ACV Auctions geht auch ein Kursplus von +8% einher. Doch die parallel dazu veröffentlichten Quartalsergebnisse zeichnen ein etwas anderes Bild. Anleger verkaufen die Aktie, das KGV ist so niedrig wie noch nie. Ist das die große Chance nachdem die Firma sich einen neuen Markt eingekauft hat?

Wie wertvoll ist der Deal?

Copart kauft ACV Auctions, ein US-amerikanisches Tech-Unternehmen mit einer digitalen Plattform für den gebrauchten Automobilgroßhandel. Rund 1,9 Milliarden US$ zahlt Copart bis Ende 2026 in bar für die börsennotierte Firma. Das entspricht 10,50 US$ je ACV-Aktie und damit einem Aufschlag von rund +45% auf den unbeeinflussten Kurs vom 10. August, der bei 7,20 US$ je Aktie lag.

Für Copart muss hier also einiges bei rumkommen, wenn solch ein Aufschlag für ein Geschäft gezahlt wird, das im Jahr gerade einmal 760 Millionen US$ an Umsatz und 59 Millionen US$ Gewinn erwirtschaftet (berichtete Zahlen aus 2025).

Welche Vorteile bringt der Deal?

ACV bringt nicht nur einen digitalen Großhandelsmarktplatz für den Handel zwischen Autohändlern mit, inklusive Fahrzeuginspektion, Bewertungsdaten und Finanzierungslösungen. Es bringt vor allem auch Kunden mit, die für Copart ebenso relevant sind wie das Gebrauchtwagen-Ökosystem, das mit der Übernahme nun ein Stück kompletter wird. Der strategische Fit der Übernahme liegt also in einer gezielten Erweiterung des Geschäftsmodells und im Wachstum, das wie wir noch sehen werden, dringend neuen Schub braucht.

Damit verlässt Copart seine bisherige Kernnische, die in der Versteigerung von Unfall- und Totalschadenfahrzeugen im Auftrag von Versicherern bestand, und baut sich ein zweites Standbein im viel größeren Markt für nicht beschädigte Gebrauchtwagen auf.

Finanziert wird komplett aus der eigenen Kriegskasse, ohne Fremdkapital, denn Copart ist für seinen hohen Cashflow bekannt.

Frische Quartalszahlen von gestern

In einem Satz: Das Umsatzwachstum blieb solide, jedoch gerieten die Margen und der Gewinn durch steigende Betriebskosten spürbar unter Druck. Im vierten Quartal 2026 stieg der Umsatz von Copart um 2,4% auf 1,15 Milliarden US$, doch der Nettogewinn brach dagegen um über 17% auf 327 Millionen US$ ein. Die operative Marge sank zwar auf 32% von ehemals 36,7% im Vorjahresquartal, ist aber weiterhin beachtlich für ein Business wie dieses.

Grund dafür sind steigende Betriebskosten. Die Facility-Operations-Kosten für die physischen Abstellplätze, auf denen Copart die beschädigten Autos lagert bis zum Verkauf, legten um 7,7% zu. Die Börse ignorierte den Gewinnrückgang gekonnt, denn der Kurs stieg nachbörslich um fast +10% nach oben. Der ACV-Deal hatte überzeugt.

Warum Copart trotzdem eine Gewinnmaschine bleibt

Selbst mit Gegenwind bewegt sich Copart auf einem Profitabilitätsniveau, von dem die Konkurrenz nur träumt. Die Bruttomarge liegt bei rund 42%, die operative Marge bei etwa 37% – verglichen mit rund 18% bei RB Global, dem Mutterkonzern des Hauptkonkurrenten IAA.

Der Grund ist simpel und schwer zu kopieren: Copart kauft sein Land für die Abstellplätze, IAA least es. Was auf den ersten Blick nach höherem Kapitaleinsatz aussieht, hat sich über Jahrzehnte zum entscheidenden Vorteil entwickelt, da Grundstückspreise und Genehmigungsauflagen für neue Standorte stetig steigen. Das Ergebnis ist eine durchschnittliche Kapitalrendite von rund 30% über die letzten fünf Jahre, gegenüber schätzungsweise 15% bei IAA.

Copart und RB Global/IAA kontrollieren gemeinsam 80 bis 90% des nordamerikanischen Schrottauktionsmarkts und bilden ein Duopol mit extrem hohen Eintrittsbarrieren, das durch ACV nun weiter anwächst.

Die extreme Kursdelle

Wer sich fragt, warum der Kurs von Copart seit 2024 um über -50% eingebrochen ist, der sollte wissen, dass Copart historisch als makelloser „Compounder“ bekannt ist und jahrelang mit einer Prämie gehandelt wurde (KGV weit über 30 bis 35).

Wenn bei einer so hoch bewerteten Aktie das Umsatzwachstum von vormals zweistelligen Raten auf nur noch 2,4% abkühlt, kommt es an der Börse rasch zu einer Multiple-Kompression und der Markt zieht dem Papier den Bewertungsaufschlag ab. Auch plagen Copart Rückgänge durch Kundenverluste und temporär geringerer Unfallnachschub. Andere Aktien wirken derzeit attraktiver.

Die Bewertung heute so günstig wie selten

Bei einem erwarteten KGV von rund 18 handelt Copart so billig wie seit Jahren nicht mehr. Für ein Unternehmen mit Bruttomargen von über 40% und praktisch ohne Schulden bei über 3 Milliarden US$ Netto-Cash ist das durchaus ein fairer Preis, wie ich finde.

Dazu muss man sagen, dass Copart mit großem Abstand der profitabelste klassische Auktion-/Remarketing-Player ist. Margen wie die von Copart erreicht niemand aus diesem Sektor. Der größte Konkurrent RB Global hat eine Nettomarge von gerade einnmal 11% und ist teurer bewertet.

ℹ️ Copart in Kürze

  • Copart (WKN: 893807) betreibt den weltweit größten Online-Auktionsmarktplatz für gebrauchte, beschädigte oder als Totalschaden eingestufte Fahrzeuge.
  • Das Unternehmen mit Sitz in Dallas, USA, betreibt ein weltweites Netzwerk aus über 200 Logistikzentren und Höfen in 11 Ländern.
  • Im Juni 2026 wurde Copart aus dem Russell 1000 Growth herausgenommen und gleichzeitig in den Russell Midcap Value aufgenommen.
  • Der Börsenwert liegt aktuell bei rund 28,5 Milliarden €.

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Fazit

Copart ist bewertungstechnisch sehr spannend, gerade weil es im Duopol agiert, eine strategisch kluge Übernahme vollzieht und trotz Gewinnrückgang Margen einfährt, die eher im Tech-Bereich üblich sind. Im gleichen Zuge möchte ich erwähnen, dass der Gebrauchtwagenmarkt meiner Meinung nach noch stark wachsen wird, wenn Neuwagen weiterhin teurer werden.

Das Entscheidende ist für mich der Burggraben. Copart hat nicht einfach eine Website gebaut, auf der Autos versteigert werden, sondern über Jahrzehnte ein riesiges Netzwerk aus Versicherungen, Abschleppunternehmen, Lagerplätzen, Käufern, Exporteuren/Verwertern aufgebaut. Mit der ACV-Übernahme kaufen sie sich jetzt bewusst Wachstum ein.

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