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Volkswagen-Aktie: Bricht jetzt auch noch das 15-Jahrestief?

Miserable Zahlen
Zuletzt sah es danach aus, als hätte die Volkswagen-Aktie bei 70 € endlich einen Boden gefunden. Aber mit einem Kursverlust von fast -2% rückt der Kurs des deutschen Autokonzerns am Freitagmorgen seinem 15-Jahrestief wieder gefährlich nahe. Was steckt dahinter und müssen sich VW-Anleger nun auf noch tiefere Kurse einstellen?

Miserable Quartalszahlen

Volkswagen stellte heute seine Zahlen für das zweite Quartal vor und gab einen neuen Ausblick auf das Gesamtjahr — beides liest sich gar nicht gut.

Zwar konnten die Wolfsburger im abgelaufenen Quartal dank eines verbesserten Absatzmixes ihren Umsatz leicht um 2% auf 82,44 Milliarden € steigern, aber die weltweiten Fahrzeugauslieferungen sanken deutlich um 8,6%.

Deutlich schlechter sieht es bei der Profitabilität aus. Das operative Ergebnis sackte im zweiten Quartal um 9,5% auf 3,47 Milliarden € ab und verfehlte damit die Markterwartung von 3,95 Milliarden € deutlich.

Einen noch stärkeren Rückgang verbuchte Volkswagen bei Nettoergebnis. Es brach im Jahresvergleich um ein Drittel auf 1,54 Milliarden € ein. Analysten hatten mit 2,35 Milliarden € einen erheblich höheren Wert auf dem Zettel.

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Und eine Prognosesenkung

Eine noch stärkere Auswirkung auf die Kursentwicklung der VW-Aktie als die Quartalszahlen dürfte die Senkung der Umsatzprognose für das Gesamtjahr haben. Für 2026 erwartet das Management nun bestenfalls einen Umsatz auf Vorjahresniveau und im Worst Case einen Rückgang um bis zu 3%. Bislang lag die Umsatzprognose bei einem Plus von bis zu 3%.

Hauptgrund für die Senkung der Prognose ist der anhaltende Gegenwind auf dem chinesischen Automarkt. Und dieser Gegenwind ist nicht nur eine leichte Brise, sonder ein gewaltiger Orkan.

Im zweiten Quartal verkaufte Volkswagen 36,6% weniger Fahrzeuge in der Volksrepublik als im Jahr zuvor. Der beinharte Konkurrenzkampf mit chinesischen Autobauern und die immer noch viel zu schwache Position bei Elektrofahrzeugen machen sich deutlich in der Absatzstatistik bemerkbar.

Einen einzigen Wertmutstropfen gab es dann aber doch noch: Trotz der gekürzten Umsatzprognose hält der Vorstand an seinem Ziel für die operative Rendite fest. Die operative Marge soll im Gesamtjahr 2026 weiterhin zwischen 4,0 und 5,5% liegen.

Gefährliche Nähe

Die Volskwagen-Aktie konnte sich im Juli bei knapp über 70 € stabilisieren. Eine nennenswerte Kurserholung gelang ihr allerdings nicht.

Durch den heutigen Kursrückgang fällt der DAX-Titel wieder fast auf sein 15-Jahrestief. Sollte es nicht halten, droht VW ein weiterer charttechnischer Abwärtstrend.

Hauptproblem 1 ungelöst

Ich rate Anlegern weiterhin, die Finger von der Volkswagen-Aktie zu lassen. Mit einem Forward-KGV ist der DAX-Titel zwar sensationell günstig bewertet, aber das hat eben auch seine guten Gründe — und sie sind zahlreich.

Volkswagen hinkt bei Elektroautos immer noch weit dem Markt hinterher. Im vergangenen Jahr hatte gerade mal jedes zehnte verkaufte Auto einen batterielektrischen Antrieb. Das ist vor allem auf dem chinesischen Markt, in denen Autokäufer viel mehr Wert auf einen reinen Elektroantrieb legen als in Europa und den USA, ein riesengroßes Problem.

Auch in preislicher Hinsicht ist Volkswagen bis heute bei Elektroautos kaum wettbewerbsfähig. Das soll sich im zweiten Halbjahr mit ersten E-Modell für rund 25.000 € ändern. Man wird sehen müssen, wie gut diese neuen Einstiegs-Elektroautos von VW am Markt angenommen werden.

Hauptprobleme 2 und 3 ungelöst

Neben der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit sind auch das zweite und dritte Hauptproblem von VW, und zwar der viel zu hohe Personalstand und die schlechte Auslastung der Werke, noch immer nicht gelöst. Auf der Streichliste des Vorstandes stehen 100.000 Arbeitsplätze und vier Werke in Deutschland.

Aber bei VW ist es bekanntermaßen ein sehr weiter Weg vom Plänen des Vorstandes bis zur tatsächlichen Umsetzung. Gewerkschaft und Politik leisten erbitterten Widerstand. Ich gehe davon aus, dass auch diesmal nur ein Teil der Vorstandspläne umgesetzt werden kann und fürchte, es wird ein zu kleiner Teil sein.

Volkswagen muss radikal auf die Kostenbremse treten, um seine Margenziele zu erreichen. Das wird meiner Überzeugung nach angesichts des politischen Widerstands nicht gelingen.

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ℹ️ Volkswagen in Kürze

  • Die Volkswagen AG (WKN: 766403) mit Sitz in Wolfsburg ist der nach Umsatz größte und nach Absatz zweitgrößte Fahrzeughersteller der Welt. Zusätzlich zur Kernmarke Volkswagen ist die VW AG auch Muttergesellschaft zahlreicher weiterer Autohersteller, darunter Audi, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda.
  • Neben dem Pkw-Bereich gehört auch der Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge mit den Unternehmen MAN und Scania zum VW-Konzern. Zudem bietet der Konzern zahlreiche Finanzdienstleistungen an, darunter Finanzierungen und Versicherungen.
  • Volkswagen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 und aktuell ca. 39 Milliarden € wert.

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Fazit

Ich glaube, dass die Volkswagen-Aktie bei ihrem 15-Jahrestief bei 70 € noch nicht ihren Boden gefunden hat. Die miserablen Quartalszahlen und die Prognosesenkung für das Gesamtjahr zeigen, dass Anleger sich noch auf weitere Hiobsbotschaften einstellen müssen.

Gleichzeitig wird das Wettbewerbsumfeld für VW auf dem europäischen Heimatmarkt immer härter. Die chinesischen Autobauer lassen den Wolfsburgern kaum Luft zum Atmen. Luft nach oben sehe ich deshalb für den Kurs der VW-Aktie nicht.