Netflix setzt Künstliche Intelligenz inzwischen in einem Ausmaß ein, das viele unterschätzen. Allein in diesem Jahr kamen KI-Tools in rund 300 Titeln zum Einsatz, etwa um Menschenmassen oder Schlachtenszenen zu generieren. Co-Chef Ted Sarandos räumte dabei offen ein, dass viele dieser Sequenzen ohne KI schlicht nie gedreht worden wären, weil die Kosten oder der Zeitaufwand zu hoch gewesen wären. Gleichzeitig betonte er, die Technologie sei eben nur ein Werkzeug in Menschenhand. Filme werden von Leuten gemacht, die Filme machen.
Trübe Quartalszahlen, gedämpfte Prognose
Der Umsatz stieg im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 12,6 Milliarden US$, der Nettogewinn wuchs um knapp neun Prozent auf 3,4 Milliarden US$. Klingt ordentlich. Aber die Umsatzprognose für das laufende Quartal verfehlte die durchschnittlichen Analystenerwartungen, und das ist der Punkt, der Anleger aufgeschreckt hat. Im nachbörslichen US-Handel brach die Netflix-Aktie daraufhin um rund neun Prozent ein. Dabei hatte das Papier in den Monaten zuvor bereits mehr als 40 Prozent seines Werts verloren.
Kundenzahlen, Reichweite und ein fragwürdiger Kurswechsel
Netflix gibt keine regelmäßigen Kundenzahlen mehr heraus. Das ist meiner Meinung nach ein Warnsignal für sich. Künftig will der Konzern auch die Popularitätsdaten zu Filmen und Serien nur noch einmal im Jahr statt zweimal veröffentlichen. Weniger Transparenz in einer Phase, in der Marktforscher bereits darauf hinweisen, dass die Zuschauerzahlen ab der zweiten Staffel selbst bei populären Serien sinken. Sarandos hielt dagegen, die Rückgänge zwischen erster und zweiter Staffel hätten sich gegenüber dem Vorjahr sogar verringert. Co-Chef Greg Peters verwies auf das Wachstumspotenzial von Live-Übertragungen, die überdurchschnittlich viele Neukunden anlocken, insgesamt aber weniger Zuschauer erreichen als reguläres Programm.
Hinzu kommt der gescheiterte Versuch, Warner Brothers zu übernehmen. Den Zuschlag bekam Paramount. Netflix erhielt im Februar 2,8 Milliarden US$ als Vertragsstrafe nach Auflösung der bereits vereinbarten Übernahme, was die Steuerlast im vergangenen Quartal leicht erhöhte.
Was das für die Aktie bedeutet
Meiner Meinung nach spiegelt der nachbörsliche Kursrutsch von rund neun Prozent genau das wider, was viele Anleger schon länger beschäftigt. Die KI-Offensive klingt innovativ, löst aber nicht das eigentliche Problem. Wenn die Wachstumsprognose enttäuscht, die Kundenzahl im Dunkeln bleibt und die Transparenz weiter abnimmt, dürfte die Aktie unter Druck bleiben. Das Chartbild nach einem Verlust von mehr als 40 Prozent in wenigen Monaten ist alles andere als einladend. Ich sehe hier aktuell kein klares Kaufsignal.
Quelle: dpa-AFX
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