SAP-Aktie: Der Cloud-Rückzieher könnte clever sein!
Kein Abschied von der Cloud
SAP öffnet seine KI nicht bedingungslos für sämtliche On-Premise-Kunden. Das Angebot richtet sich zunächst an große Unternehmen, die mindestens die Hälfte des Werts ihrer SAP-Lizenzen in die Cloud verlagern. Joule soll anschließend auch auf Informationen aus älteren Systemen zugreifen können.
Damit bleibt die Cloud weiterhin Teil des Geschäfts. SAP baut lediglich eine Brücke für Kunden, die ihre umfangreichen IT-Landschaften nicht innerhalb weniger Jahre vollständig ersetzen können. Das dürfte die Migration zwar verlängern, könnte aber zusätzliche Unternehmen überhaupt erst zum Abschluss eines Cloud-Vertrags bewegen.
Operativ ist bislang kein Einbruch erkennbar. Der aktuelle Cloud-Auftragsbestand wuchs im zweiten Quartal währungsbereinigt um 27% auf 22,93 Milliarden €. Die Cloud-Erlöse stiegen um 22% auf 6,28 Milliarden €. Eine kurzfristige Abkehr der Kunden von SAPs Cloud-Angeboten lässt sich daraus nicht ableiten.
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200 Millionen € zeigen das Problem
Warum SAP flexibler werden muss, zeigt der Technologiekonzern Zeiss. Dieser stoppte nach sechs Jahren und Investitionen von mehr als 200 Millionen € den vollständigen Neuaufbau seiner SAP-Landschaft. Stattdessen sollen bestehende Prozesse in eine Cloud-Umgebung eingebunden werden.
Solche Projekte betreffen Finanzbuchhaltung, Produktion, Lieferketten und Personalverwaltung. Eine vollständige Umstellung kann Jahre dauern, hohe Beratungskosten verursachen und betriebliche Risiken schaffen. Zu viel Druck gefährdet daher nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern öffnet auch Konkurrenten die Tür.
Besonders bei künstlicher Intelligenz kann SAP nicht warten, bis sämtliche Kunden vollständig migriert sind. Beim Modekonzern Levi Strauss laufen bereits mehr als 1.000 KI-Agenten, von denen laut Bloomberg lediglich fünf bis zehn von SAP stammen. Die meisten basieren auf Microsoft Copilot. SAP kontrolliert zwar weiterhin viele der zugrunde liegenden Unternehmensdaten, verdient an der neuen KI-Nutzung bislang aber nur begrenzt.
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Microsoft ist Rivale und Vertriebspartner
Microsoft muss für SAP nicht ausschließlich ein Gegner sein. Joule und Microsoft 365 Copilot sind inzwischen miteinander verbunden. Nutzer können innerhalb von Copilot beispielsweise offene Bestellungen abfragen; die Anfrage wird anschließend von Joule verarbeitet und mit Informationen aus dem SAP-System beantwortet.
Das eröffnet SAP eine attraktive Rolle: Microsoft kann die Benutzeroberfläche liefern, während SAP seine Unternehmensdaten, Geschäftslogik und Berechtigungen monetarisiert. Entscheidend ist somit weniger, welcher Assistent auf dem Bildschirm erscheint, sondern welches System die Transaktion verarbeitet.
Die Öffnung gegenüber älteren Installationen könnte diese Position stärken. Scheitert die technische Umsetzung allerdings oder entscheiden sich Kunden überwiegend für externe Agenten, droht SAP bei der KI-Wertschöpfung an Bedeutung zu verlieren.
ℹ️ SAP in Kürze
- Die SAP SE (WKN: 716460) gehört weltweit zu den führenden Softwareunternehmen im Bereich Unternehmenssoftware. Der Konzern bietet Lösungen für Geschäftsprozesse, Datenmanagement und Cloud-Anwendungen für Unternehmen jeder Größe.
- Der Hauptsitz befindet sich in Walldorf (Deutschland). SAP ist weltweit tätig und verfügt über zahlreiche Standorte und Kunden in nahezu allen Branchen.
- Die Aktie ist im DAX und Euro Stoxx 50 gelistet und zählt mit einer Marktkapitalisierung von rund 222 Milliarden € zu den wertvollsten börsennotierten Unternehmen Europas.
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Fazit
Der vermeintliche Cloud-Rückzieher ist für mich kein Grund, die SAP-Aktie zu verkaufen. Die größere Flexibilität kann Migrationen retten und Joule schneller in die Bestandskundenbasis bringen. Nun muss SAP jedoch belegen, dass daraus tatsächliche KI-Nutzung und zusätzliche Erlöse entstehen. Für einen Neueinstieg würde ich deshalb die nächsten Angaben zur Joule-Nutzung und zur Entwicklung des Cloud-Auftragsbestands abwarten.