AUTO1-Aktie -7%: Sind die Befürchtungen berechtigt?
Erwartungen könnten verfehlt werden
Am 2. Oktober fand ein Pre-Close-Call (Vorabbriefing) des Unternehmens mit Analysten statt. Im Anschluss senkte JP Morgan seine mittelfristigen Gewinnerwartungen für Auto1 bis 2028 deutlich.
Das könnte darauf hindeuten, dass die bisherigen Erwartungen an die weitere Gewinnentwicklung zu hoch waren. Eine konkrete Prognosesenkung des Unternehmens liegt allerdings bislang nicht vor. Die endgültigen Zahlen für das dritte Quartal werden Anfang November erwartet.
Nach dem sehr starken zweiten Quartal könnten die Erwartungen der Analysten inzwischen entsprechend hoch sein. Auto1 hatte im zweiten Quartal den Absatz um 19,9% auf 240.298 Fahrzeuge gesteigert. Der Umsatz erhöhte sich um 23,4% auf 2,43 Milliarden €, während das bereinigte EBITDA um 38,4% auf 58,6 Millionen € zulegte.
Für das Gesamtjahr bestätigte das Unternehmen nach den Halbjahreszahlen seine Prognose. Erwartet werden 940.000 bis 1 Million verkaufte Fahrzeuge, ein Bruttogewinn von 1,1 bis 1,2 Milliarden € sowie ein bereinigtes EBITDA von 250 bis 275 Millionen €.
Damit kommt es bei den anstehenden Quartalszahlen vor allem darauf an, ob das hohe Wachstumstempo beibehalten und gleichzeitig die Profitabilität weiter steigern kann.
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Finanzchef tritt vorzeitig ab
Für zusätzliche Unsicherheit sorgte zuletzt der überraschende Rücktritt von CFO Christian Wallentin. Er hatte das Amt erst Anfang 2026 übernommen und legte sein Vorstandsmandat im September aus familiären Gründen nieder.
Wallentin bleibt Auto1 allerdings als Senior Advisor erhalten. Die Suche nach einem Nachfolger befindet sich laut Unternehmen bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Bis dahin übernimmt CEO und Mitgründer Christian Bertermann zusätzlich die Aufgaben des Finanzvorstands.
Über mögliche interne Differenzen innerhalb des Vorstands gibt es keine belastbaren Hinweise. Deshalb sollte der Rücktritt nicht als operatives Problem interpretiert werden, solange keine weiteren Informationen vorliegen.
Bewertung
Der Kursrückgang seit dem Juli-Hoch könnte teilweise auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen sein. Gleichzeitig zeigt die Reaktion am Freitag, dass die Erwartungen an die zukünftige Gewinnentwicklung mittlerweile sehr hoch sind.
Die operative Entwicklung im ersten Halbjahr liefert zunächst wenig Anlass für eine grundsätzliche Neubewertung des Geschäftsmodells. Auto1 konnte sowohl den Absatz als auch den Umsatz und das EBITDA deutlich steigern. Besonders wichtig ist dabei die zunehmende operative Hebelwirkung: Im zweiten Quartal stieg die bereinigte EBITDA-Marge auf 2,4%.
Im ersten Halbjahr erzielte das Unternehmen ein bereinigtes EBITDA von 118,4 Millionen €. Um die Jahresprognose von 250 bis 275 Millionen € zu erreichen, muss das Ergebnis im zweiten Halbjahr entsprechend weiter steigen. Die Unternehmensprognose wurde nach den Halbjahreszahlen bestätigt.
Damit ist der Kursrückgang nicht automatisch mit einer fundamentalen Verschlechterung des Geschäfts zu erklären. Vielmehr scheint der Markt zunehmend zu hinterfragen, ob die sehr hohen Erwartungen an das zukünftige Gewinnwachstum erfüllen werden können.
Weitere Belastungen könnten zudem von der allgemeinen Konsum- und Wirtschaftsentwicklung sowie von Veränderungen bei den Gebrauchtwagenpreisen ausgehen. Der Auto1-Preisindex zeigte zuletzt zwar nur moderate Veränderungen, gleichzeitig sind die Gebrauchtwagenpreise ein wichtiger Faktor für die Margenentwicklung des Geschäfts.
ℹ️ Auto1 in Kürze
- Die Auto1 Group SE ist ein 2012 gegründetes Unternehmen mit juristischem Sitz in München und Verwaltungssitz in Berlin.
- Sie betreibt nach eigenen Angaben „Europas führende digitale Automobilplattform“ für den Online-Kauf und -Verkauf von Gebrauchtwagen.
- Die Auto1 Group betreibt derzeit die drei Autohandelsplattformen Auto1.com, Autohero und wirkaufendeinauto.de.
- Das im SDAX gelistete Unternehmen ist an der Börse aktuell rund 3,6 Milliarden € wert.
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Fazit
Der Kursrückgang der Auto1-Aktie ist angesichts der weiterhin guten operativen Entwicklung nicht eindeutig durch eine Verschlechterung der Fundamentaldaten zu erklären. Allerdings sind die Erwartungen an das zukünftige Gewinnwachstum hoch.
Damit werden die kommenden Quartalszahlen besonders wichtig. Sollte Auto1 die Prognose von 250 bis 275 Millionen € bereinigtem EBITDA bestätigen und gleichzeitig zeigen, dass sich die Profitabilität weiter verbessert, ist eine Kurserholung wahrscheinlich.
Sollten dagegen die Erwartungen tatsächlich verfehlt oder die Prognose gesenkt werden, wäre mit weiterem Abgabedruck zu rechnen.
Für langfristig orientierte Anleger bietet die deutliche Korrektur eine interessante Ausgangslage, mittelfristig dürften wie Kurse von 25 € erreichbar sein.
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