Novo Nordisk-Aktie: Schützt dieses Urteil das Milliarden-Geschäft?
Gericht stoppt Semaglutid-Nasenspray
Das Bezirksgericht in Den Haag hat eine vorläufige Unterlassungsverfügung gegen die niederländische Krankenhausapotheke Ceban Ziekenhuisfarmacie erlassen. Das Unternehmen hatte ein selbst hergestelltes Semaglutid-Nasenspray angeboten. Nach Auffassung des Gerichts verletzt dieses Präparat das ergänzende Schutzzertifikat von Novo Nordisk für den Wirkstoff.
Ceban muss den Vertrieb einstellen, sämtliche Produktinformationen entfernen und Angaben zur eigenen Lieferkette machen. Zudem soll das Unternehmen die Rechtskosten von Novo Nordisk übernehmen.
Eine weitere Besonderheit liegt in der Darreichungsform. Bislang hat keine Arzneimittelbehörde ein Semaglutid-Nasenspray zugelassen. Novo Nordisk kann den Schutz des geistigen Eigentums daher mit dem Argument der Patientensicherheit verbinden.
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Warum der kleine Fall wichtig ist
Der unmittelbare wirtschaftliche Schaden durch eine einzelne niederländische Apotheke dürfte überschaubar sein. Interessant ist vielmehr die Signalwirkung. Novo Nordisk zeigt Anbietern nachgemischter Produkte, dass der Konzern nicht nur gegen offensichtliche Kopien, sondern auch gegen veränderte Darreichungsformen vorgeht.
Ein weltweiter Befreiungsschlag ist der Beschluss dennoch nicht. Der Schutz von Semaglutid läuft in einigen Ländern bereits aus. In Europa und den USA greifen wichtige Schutzrechte dagegen noch bis Anfang der 2030er-Jahre. Gegen regulär zugelassene Generika nach dem jeweiligen Patentablauf hilft das niederländische Urteil nicht.
Ebenso wenig verändert der Beschluss den Konkurrenzkampf mit Eli Lilly. Dessen Wirkstoff Tirzepatid gewinnt im wichtigen US-Markt weiterhin Marktanteile.
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Das operative Geschäft bleibt profitabel
Im zweiten Quartal erzielte Novo Nordisk einen Umsatz von 78,49 Milliarden DKK. Bereinigt und zu konstanten Wechselkursen entsprach das einem Wachstum von 7%. Der bereinigte operative Gewinn legte um 11% auf 33,39 Milliarden DKK zu.
Ganz ausgestanden ist die Wachstumsschwäche trotzdem nicht. Für das Gesamtjahr rechnet das Management weiterhin mit einem bereinigten Rückgang bei Umsatz und operativem Gewinn um bis zu 6%. Immerhin fällt der Ausblick damit besser aus als noch zu Beginn des Jahres.
Die Bewertung bleibt interessant
An der Börse werden bereits erhebliche Probleme eingepreist. Auf Basis der aktuellen Erwartungen wird die Aktie lediglich mit einem KGV von rund 14 bewertet. Hinzu kommt eine Dividendenrendite von fast 4%. Für ein hochprofitables Pharmaunternehmen mit einer führenden Position im strukturell wachsenden Adipositas-Markt ist das nicht teuer.
ℹ️ Novo Nordisk in Kürze
- Novo Nordisk (WKN: A3EU6F) mit Sitz in Bagsværd bei Kopenhagen produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte und Dienstleistungen.
- Der Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Insulin. Fast jedes dritte Diabetes-Präparat weltweit stammt vom dänischen Pharmakonzern. Außerdem ist Novo Nordisk in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente und Hormonersatztherapien aktiv.
- Darüber hinaus ist Novo Nordisk eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Adipositas-Medikamenten (Mittel zur Gewichtsabnahme).
- Das Unternehmen wird aktuell mit rund 195 Milliarden € bewertet – inklusive der nicht handelbaren A-Aktien.
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Fazit
Der Gerichtserfolg verändert die Gewinnprognosen nicht. Er zeigt aber, dass Novo Nordisk sein wichtigstes geistiges Eigentum konsequent schützt. Ich halte die Aktie weiterhin für zu günstig. Konkurrenz, Preisdruck und Patentabläufe bleiben reale Risiken und Probleme, mit denen das Management momentan umgehen muss. Die starke Marktstellung und die hohe Profitabilität rechtfertigen aus meiner Sicht dennoch eine höhere Bewertung.