Der Donnerstag an der Wall Street war kein schöner Tag für Tech-Investoren. KI-Ausgaben, die nicht enden wollen, dazu ein Ölpreis, der erstmals seit zwei Monaten wieder die Marke von 100 US$ je Barrel überwunden hat. Das hat gereicht, um die Erholung vom Dienstag vollständig zu begraben.
Der Nasdaq 100 verlor im frühen Handel 1,6 Prozent auf 28.545 Punkte. Der S&P 500 gab 1,1 Prozent auf 7.418 Zähler nach, der Dow Jones Industrial 1,0 Prozent auf 51.675 Punkte. Großes Abwärtspotenzial kam vor allem aus dem Tech-Sektor.
Alphabet und Tesla ziehen den Markt runter
Alphabet, die Mutterfirma von Google, hat im vergangenen Quartal den Umsatz besser als erwartet gesteigert. Trotzdem brach die Aktie um mehr als 6 Prozent ein, rund 260 Milliarden US$ Börsenwert wurden damit vernichtet. Der Grund: Der Konzern will noch mehr Geld in den Ausbau der KI-Infrastruktur stecken. Das kommt an der Börse gerade gar nicht gut an.
Tesla traf es noch härter. Minus 12,5 Prozent. Absatz und Umsatz stiegen zwar stark, doch milliardenschwere Investitionen haben den Gewinn weit unter die Erwartungen gedrückt. Marktbeobachter Stephen Innes brachte es auf den Punkt: Was an Umsatzwachstum gewonnen wurde, verpuffte im Ergebnisausweis.
Öl macht Airline-Aktien das Leben schwer
Brent über 100 US$ bedeutet Gegenwind für alle, die Kerosin kaufen müssen. American Airlines verlor 7,5 Prozent und riss dabei United Airlines, JetBlue und Delta Air Lines mit in die Tiefe. American Airlines schließt wegen der hohen Treibstoffpreise einen Verlust in diesem Jahr nicht mehr aus. Das ist eine Aussage, die Anleger nicht hören wollen.
Auf der Gewinnerseite standen dagegen die Ölproduzenten. Chevron legte im Dow 2,4 Prozent zu, ExxonMobil und ConocoPhillips zogen in ähnlicher Größenordnung mit.
Weitere Verlierer des Tages
Texas Instruments verlor 3,8 Prozent, obwohl die Zahlen überzeugten und der Ausblick auf das dritte Quartal die Erwartungen übertraf. Hier wurden schlicht Gewinne mitgenommen, nach einem starken Lauf der Halbleiter-Aktie seit Jahresbeginn. T-Mobile US sackte 5,4 Prozent ab. Der Konzern gewann im zweiten Quartal mehr neue Kunden als erwartet, blieb dabei aber unter dem Vorjahreswert und deutlich hinter AT&T. IBM bewegte sich zwischen Gewinnen und Verlusten und schloss zuletzt 0,3 Prozent im Plus. Das Unternehmen senkte nach einem enttäuschenden Quartal die Umsatzprognose für 2026 leicht und will dafür die Kosten stärker drücken als geplant, um den Zahlungsmittelzufluss um eine Milliarde US$ zu steigern.
Fazit: Schwieriges Umfeld für Tech-Aktien
Meiner Meinung nach ist die Gemengelage derzeit wirklich ungemütlich. Steigende Ölpreise dürften die Inflation wieder anfachen und die Fed unter Druck setzen, was wiederum die ohnehin hoch bewerteten Tech-Werte belasten dürfte. Dazu kommen Ausgaben für KI, die Quartal für Quartal höher ausfallen und die Gewinne auffressen. Wer in Alphabet oder Tesla investiert ist, sollte die kommenden Quartalsberichte sehr genau im Blick behalten. Das Risiko weiterer Enttäuschungen ist aus meiner Sicht keineswegs vom Tisch.
Quelle: dpa-AFX
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