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Commerzbank-Aktie: Machtwechsel schon im Januar – kommt die Prämie?

Geht jetzt alles schnell?
Vincent Uhr
UniCredit könnte bei der Commerzbank deutlich früher die Kontrolle übernehmen als bisher erwartet. Laut Medienberichten plant Konzernchef Andrea Orcel bereits für Januar oder Februar einen vollständigen Umbau des Aufsichtsrats. Auch der Posten von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp könnte zur Disposition stehen. Für Aktionäre steigt damit die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme – eine zusätzliche Prämie ist jedoch keineswegs garantiert.

Orcel plant den großen Umbau

UniCredit hat sich den Zugriff auf 47,59% des Commerzbank-Kapitals gesichert. Da die von der Commerzbank selbst gehaltenen Aktien nicht stimmberechtigt sind, entspricht dies bereits 49,65% der verfügbaren Stimmen.

Sobald die noch ausstehenden regulatorischen Genehmigungen vorliegen, könnte Orcel eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Nach Informationen der Financial Times will UniCredit möglicherweise alle zehn Vertreter der Anteilseigner im 20-köpfigen Aufsichtsrat austauschen.

Ein neu besetztes Kontrollgremium könnte anschließend auch die Führung der Bank verändern und die strategische Ausrichtung stärker an UniCredit anpassen. Damit würde der Machtwechsel nicht erst nach einer vollständigen Verschmelzung beginnen. Er könnte bereits erfolgen, während weiterhin zahlreiche unabhängige Commerzbank-Aktionäre beteiligt sind.

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Berlin verhandelt über Bedingungen

Auch die Haltung der Bundesregierung hat sich verändert. Statt die Übernahme grundsätzlich verhindern zu wollen, verhandelt Berlin inzwischen über Bedingungen. Finanzminister Lars Klingbeil und Orcel bezeichneten ihr jüngstes Treffen übereinstimmend als konstruktiv.

Die Bundesregierung verlangt dem Vernehmen nach, dass die Commerzbank ihren Sitz und ihre Börsennotierung in Frankfurt behält. Strategische Entscheidungen sollen weiterhin in Deutschland fallen. Zudem soll die Finanzierung des deutschen Mittelstands gesichert und die Kapitalbasis der Bank geschützt werden.

Mit einer Beteiligung von rund 13% besitzt der Bund weiterhin erheblichen Einfluss. Seine Zustimmung könnte UniCredit spätere Strukturmaßnahmen erleichtern. Die Gespräche zeigen jedoch vor allem: Aus dem grundsätzlichen Widerstand wird zunehmend eine Diskussion über den Preis und die konkrete Ausgestaltung.

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Kontrolle bedeutet noch keine Prämie

Genau hier liegt das Risiko für Anleger. UniCredit benötigt nicht zwingend sofort sämtliche Aktien, um die Commerzbank operativ zu kontrollieren. Mit annähernd 50% der Stimmrechte und einem neu besetzten Aufsichtsrat könnte Orcel bereits großen Einfluss auf Vorstand, Strategie und Kapitalverwendung ausüben.

Dadurch sinkt möglicherweise der unmittelbare Druck, den übrigen Aktionären kurzfristig ein großzügiges Angebot zu unterbreiten. Die Übernahme könnte faktisch weit fortgeschritten sein, ohne dass Minderheitsaktionäre eine weitere Prämie erhalten.

Für eine vollständige Integration wären höhere Beteiligungsquoten und zusätzliche gesellschaftsrechtliche Schritte erforderlich. Spätestens dann dürfte erneut über einen finanziellen Ausgleich verhandelt werden. Wann dies geschieht und wie hoch eine mögliche Prämie ausfällt, bleibt allerdings offen.

Analysten werden vorsichtiger

Die Commerzbank-Aktie notiert aktuell bei rund 39,15 €. RBC senkte sein Kursziel zuletzt von 43 auf 40 € und stufte die Aktie auf „Sector Perform“ ab. Die Deutsche Bank strich ebenfalls ihre Kaufempfehlung, beließ das Ziel aber bei 42 €. JPMorgan sieht den fairen Wert bei 39 €, während die DZ Bank weiterhin 46 € nennt.

Fundamental liefert die Bank weiterhin Unterstützung. Im ersten Halbjahr stieg der Nettogewinn um 40% auf 1,81 Milliarden €. Gleichzeitig plant die Commerzbank für 2026 umfangreiche Dividenden und Aktienrückkäufe. Nach dem starken Kursanstieg ist jedoch bereits ein erheblicher Teil der Übernahmefantasie berücksichtigt.

ℹ️ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 42,3 Milliarden € bewertet.

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Vincent Uhr

Fazit

Ein Machtwechsel bereits im Januar macht eine Übernahme wahrscheinlicher. Er garantiert den freien Aktionären aber noch keine zusätzliche Prämie. Bestehende Anleger können auf einen späteren vollständigen Zusammenschluss spekulieren. Für einen Neueinstieg ist mir das Chance-Risiko-Verhältnis bei rund 39 € inzwischen zu stark von Orcels nächsten Schritten abhängig.