Die US-Börsen kommen am Donnerstag einfach nicht zur Ruhe. Nach mehreren schwachen Handelstagen in Folge bleibt die Stimmung gedrückt, getrieben von den Entwicklungen im Nahost-Konflikt, kletternden Ölpreisen und der alten Inflationsangst, die Anleger wieder umtreibt. Dahinter steckt die Sorge, dass die Fed erneut die Zinsen anheben könnte.
Technologie bricht weg
Dieses Mal hat es vor allem die Technologiewerte erwischt. Gerade jene mit KI-Fantasie hatten sich zuletzt noch behauptet, jetzt aber gab der Nasdaq 100 um 0,9 Prozent auf 29.161 Punkte nach. Der Dow Jones Industrial steuert mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 52.153 Zähler auf seinen vierten schwachen Handelstag in Folge zu. Der S&P 500 verlor außerdem rund ein halbes Prozent und rutschte auf 7.598 Punkte.
Besonders hart traf es Chip- und Speicheraktien. Bis zu fünf Prozent Kursverlust standen bei Western Digital, ARM, Intel, Sandisk und Micron zu Buche. Als Belastung kam hinzu, dass der chinesische KI-Anbieter Deepseek mit einem neuen Modell den Druck auf die US-Konkurrenz erhöhte. Das ist meiner Meinung nach kein Rauschen im Markt, das halte ich für ein echtes Warnsignal für den gesamten Sektor.
EZB erhöht, Fed entscheidet nächste Woche
Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der Fokus verschiebt sich jetzt auf die Fed-Entscheidung in der kommenden Woche. Davor werden am Freitag noch die US-Inflationsdaten erwartet. Die am Donnerstag veröffentlichten Erzeugerpreise sind im August etwas stärker gestiegen als prognostiziert. Das macht das Bild für die Fed nicht einfacher.
Einzelwerte unter Druck
Oracle und Adobe berichten nach Börsenschluss. Beide lagen im Vorfeld im Minus, Oracle mit rund drei Prozent besonders deutlich. Die Frage nach der Schuldenlast für den KI-Infrastrukturausbau belastet Oracle schon seit Juni und Juli, und ich glaube, dieses Thema wird die Aktie noch eine Weile beschäftigen.
Minenwerte litten unter deutlich fallenden Metallpreisen. Freeport-McMoran und Southern Copper brachen jeweils um mehr als sieben Prozent ein, nachdem an den Kupfer- und Silbermärkten eine kräftige Korrektur einsetzte. Begründet wurde das mit einer vertagten Entscheidung über US-Zölle und konjunkturellen Sorgen rund um den Ölpreis.
Im Einzelhandel enttäuschte American Eagle Outfitters mit einem Kurseinbruch von 13 Prozent nach schwachen Umsatzzahlen am deutlichsten. Die Macy's-Aktie verlor nach Vorlage der Quartalszahlen 2,4 Prozent, weil der Ausblick auf das dritte Quartal hinter den Erwartungen zurückblieb. Cooper Companies brach sogar um 15 Prozent ein, nachdem der Kontaktlinsenhersteller seinen Wachstumsausblick senkte und der geplante Verkauf der Sparte CooperSurgical abgesagt wurde. Die Bank of America zog daraufhin ihre Kaufempfehlung zurück. Auf der Gewinnerseite stach AeroVironment mit einem Plus von fast sechs Prozent heraus, weil der Drohnenhersteller mit seinen Quartalsumsätzen die Markterwartungen übertraf.
Fazit
Die Gemengelage aus Geopolitik, Inflation und dem Deepseek-Schock für KI-Werte dürfte den Druck auf die US-Technologiebörsen kurzfristig hochhalten. Meiner Meinung nach könnten die Freitags-Inflationsdaten die nächste Richtungsentscheidung liefern. Fallen sie zu heiß aus, wäre weiterer Verkaufsdruck besonders bei zinsempfindlichen Wachstumsaktien wie den Chip-Titeln zu erwarten. Die Oracle- und Adobe-Zahlen nach Börsenschluss dürften zeigen, ob der Tech-Sektor zumindest fundamental noch Rückhalt findet.
Quelle: dpa-AFX
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