Volkswagen-Aktie: Sparplan beschlossen, Kurs springt an die DAX-Spitze
Volkswagen hat den Markt am Freitag überrascht, und die Börse hat prompt reagiert. Die VW-Vorzugsaktie schoss um fast zehn Prozent nach oben, was sie an die Spitze im Dax katapultierte. Auch der VW-Großaktionär Porsche SE legte im MDax zeitweise über sechs Prozent zu, BMW und Mercedes-Benz notierten ebenfalls klar im Plus. Der Auslöser war eine Einigung auf ein Sparpaket, mit dem kaum jemand so schnell gerechnet hatte.
Was beschlossen wurde
Der Aufsichtsrat hat dem Vorstand einhellig grünes Licht gegeben. IG Metall und der Konzernbetriebsrat erklärten, eine Eskalation sei damit abgewendet worden. Konkret sollen in den kommenden Jahren weitere 50.000 Stellen gestrichen werden, vier Werke stehen auf der Kippe. Ob das reicht, ist eine andere Frage.
Charttechnisch war der Tag bemerkenswert. Die Aktie erholte sich vom Vortagestief um gut 15 Prozent und stieg bis auf 83,76 €. Das Minus seit Jahresbeginn schmolz auf gut ein Fünftel zusammen. Außerdem schaffte es der Kurs zurück über die 100-Tage-Durchschnittslinie, die als Indikator für den mittel- bis langfristigen Trend gilt. Zum Vergleich: Anfang Juli war die Aktie noch auf rund 69 € abgerutscht, dem tiefsten Niveau seit 2010.
Was Analysten dazu sagen
Patrick Hummel von der UBS bewertete die Einigung ausdrücklich positiv. Das Management habe seine Ziele im Wesentlichen durchgesetzt, und die Geschwindigkeit sei besser als erwartet gewesen. Laut Hummel sichere VW damit die Profitabilität gegen wachsenden Druck aus China auf dem europäischen Markt. JPMorgan-Experte Jose Asumendi lobte den Schritt ebenfalls, da er die Wettbewerbsfähigkeit der Wolfsburger in einer Zeit massiver Umbrüche stärke.
Tim Rokossa von Deutsche Bank Research sprach von einem grundlegenden Durchbruch mit einem weit besseren Ergebnis als befürchtet. Die Probleme seien damit zwar noch lange nicht gelöst, aber das größte Anliegen werde jetzt angegangen. Citigroup-Analyst Harald Hendrikse betonte, die Anlegerstimmung werde sich nicht über Nacht drehen, aber die VW-Aktie bleibe investierbar.
Kritischer fiel die Einschätzung von Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer aus. Er bezeichnete den Sparplan als Light-Version. Werksschließungen seien weder beschlossen noch ausgesetzt, und in den nächsten Monaten müsse auch über Produktpläne gesprochen werden. Analyst Tom Narayan von RBC mahnte, VW müsse nach dem ermutigenden Signal in vielen Punkten liefern, um die Ziele tatsächlich zu erreichen. Philippe Houchois von Jefferies stellte die Frage, ob das Drama bei Volkswagen wirklich beendet oder nur pausiert sei.
Was das für die Aktie bedeutet
Unserer Meinung nach ist der Kurssprung nachvollziehbar, aber er sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die eigentliche Arbeit erst beginnt. VW hätte die unter Anlegern verbreitete Ansicht widerlegt, dass ein massiver Konzernumbau nicht durchsetzbar sei. Ob das Unternehmen nun auch in der Umsetzung liefern könne, dürfte die Aktie auf mittlere Sicht entscheiden. Eine gewisse Entspannung dürfte eintreten, aber von einem nachhaltigen Trendwechsel könne man noch lange nicht sprechen. Die 100-Tage-Linie zurückzuerobern wäre charttechnisch ein positives Signal, solange der Kurs sie nicht wieder unterschreitet.
Quelle: dpa-AFX
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