Die SAP-Aktie verliert weiter an Boden. Bis zum Mittag rutschten die Papiere des Walldorfer Softwarekonzerns um mehr als ein Prozent auf 175,84 €, und damit zählten sie zu den schwächsten Werten im Dax, der sich zu diesem Zeitpunkt immerhin leicht erholte. Zwischenzeitlich markierte die Aktie sogar den tiefsten Stand seit Anfang August.
KI-Sorgen drücken auf die Stimmung
Schuld daran sind zwei Signale von jenseits des Atlantiks. Oracle überzeugte mit starkem Cloud-Wachstum, doch die SAP-Anleger ließen sich davon nicht anstecken. Viel schwerer wog der vorsichtige Umsatzausblick von Adobe auf das laufende Quartal. Der Kreativsoftware-Konzern steckt tief in einer Vertrauenskrise, ausgelöst durch generative KI. Programme wie Photoshop galten jahrelang als gesetzt bei Kreativ- und Marketingprofis, doch inzwischen lässt sich visueller Content auch ohne die teuren Adobe-Produkte erstellen, und viele der neuen KI-Tools kommen von Wettbewerbern. Die Adobe-Aktie verlor im vorbörslichen US-Handel mehr als drei Prozent. Das ist kein Einzelfall, sondern ein Muster, das auch SAP betrifft.
Oracle profitiert, SAP schaut zu
Oracle hatte im ersten Geschäftsquartal kräftig von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur profitiert. Die Cloud-Infrastruktur-Umsätze, die vor allem KI-Rechenzentren umfassen, zogen stärker an als Analysten im Schnitt erwartet hatten. Analyst Brent Thill von Jefferies lobte das Ergebnis ausdrücklich, während Raimo Lenschow von Barclays die Entwicklung der freien Finanzmittel trotz hoher Investitionsausgaben als besser als befürchtet einstufte. Oracle legte vorbörslich gut sieben Prozent zu. Für SAP bleibt das aber ein Zuschauerspiel, denn Rechenzentren für KI-Anwendungen sind in Walldorf kein nennenswertes Geschäft.
Ein trübes Chartbild
Charttechnisch hat sich das Bild für SAP zuletzt eingetrübt. Die Papiere fielen unter die 21-Tage-Linie, die den kurzfristigen Trend beschreibt. Unterstützung liefern aktuell noch die 50-Tage- und vor allem die viel beachtete 200-Tage-Linie. Seit Jahresbeginn steht bei SAP ein Minus von fast 16 Prozent zu Buche, während der Dax im gleichen Zeitraum gut vier Prozent zugelegt hat. Das ist eine erhebliche Underperformance.
Fazit
Die entscheidende Frage für SAP-Anleger bleibt, wie schnell der Konzern seine KI-Produkte zur Marktreife bringt. Solange das unklar ist, könnten Kunden verstärkt auf günstigere Alternativen von Wettbewerbern zurückgreifen, was den Druck auf Marktanteile und damit auf den Kurs weiter erhöhen würde. Das trübe Chartbild käme dann noch erschwerend hinzu. Wer bereits investiert ist, sollte die 200-Tage-Linie im Auge behalten, denn ein Rutsch darunter dürfte weiteren Verkaufsdruck auslösen.
Quelle: dpa-AFX
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