Am Ölmarkt setzt sich der Rückzug fort. Brent-Rohöl mit Oktober-Lieferung kostet aktuell 91,29 US$ je Barrel und damit ein Prozent weniger als am Vortag. Dabei hatte der Preis in der vergangenen Woche noch kräftig zugelegt, getrieben von der Sorge um den Transportweg durch die Straße von Hormus. Seit Jahresbeginn hat sich Rohöl damit um rund 50 Prozent verteuert.
Viel Lärm, wenig Substanz
Der Auslöser für die jetzige Gegenbewegung ist schnell gefunden. Am Vorabend hielt US-Finanzminister Scott Bessent eine mit Spannung erwartete Rede, aus der konkrete Maßnahmen gegen den Iran schlicht ausblieben. Zuvor hatte Washington lautstark von einem "Wirtschaftskrieg" gegen Teheran gesprochen und mit einer vollständigen Abkopplung des Irans von der Weltwirtschaft gedroht. Anlagestratege Haris Khurshid vom Hedgefonds Karobaar Capital bringt es auf den Punkt. Die Ankündigung habe zwar für viel Wirbel gesorgt, stelle aber keinen unmittelbaren Schock für das physische Ölangebot dar. Solange Sekundärsanktionen nicht den Kreis derjenigen einschränken, die iranisches Rohöl kaufen, transportieren oder finanzieren dürfen, gibt es kaum einen Grund, einen geopolitischen Risikozuschlag einzupreisen.
Naher Osten bleibt das bestimmende Thema
Die geopolitische Lage bleibt trotzdem das zentrale Thema am Ölmarkt. Die Straße von Hormus ist der entscheidende Flaschenhals für Lieferungen aus den Fördergebieten am Persischen Golf, und genau diese Blockade hatte die Preise in der vergangenen Woche nach oben getrieben. Solange sich daran nichts ändert, dürfte die Nervosität am Markt hoch bleiben.
Was das für die Aktie bedeutet
Unserer Meinung nach dürfte der Ölpreisrückgang kurzfristig Druck auf Aktien von Ölproduzenten wie Shell, BP oder TotalEnergies ausüben, während Fluggesellschaften und energieintensive Industrien etwas aufatmen könnten. Bleibt die Lage rund um die Straße von Hormus angespannt, dürfte der Markt jede neue Eskalationsmeldung mit einem raschen Preisanstieg quittieren. Ob die aktuellen 91,29 US$ je Barrel der neue Boden sind oder nur eine Pause vor dem nächsten Anstieg, bleibt abzuwarten.
Quelle: dpa-AFX
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