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Ölpreis: Warum Brent jetzt fast 110 US-Dollar erreicht hat

Rohstoffmarkt unter Druck
Redaktion | Wirtschaft

Kaum eine Handelsroute der Welt ist so nervös wie die Straße von Hormus, und der Ölmarkt reagiert entsprechend. In der Nacht zu Freitag schossen die Rohölpreise deutlich nach oben, nachdem erneut zwei Tanker in der Meerenge angegriffen wurden. Vier unbekannte Geschosse trafen die Schiffe, wie die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO bestätigte. Der Brent-Preis näherte sich zeitweise der Marke von 107,40 US$ je Barrel und kratzte dabei fast an 110 US$ pro Barrel. Im frühen Freitagshandel beruhigte sich die Lage ein wenig, der Preis gab leicht nach.

Huthi greifen strategisch wichtige Hafenstadt ein

Die Lage im Jemen spitzt sich weiter zu. Die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen haben die Hafenstadt Mokka an der Westküste eingenommen, einem strategisch bedeutsamen Punkt am südlichen Ende des Roten Meeres. Damit kontrollieren die Huthi nun einen wichtigen Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab. Im Jemen selbst tobt der Kampf zwischen den Huthi und von Saudi-Arabien gestützten Regierungskräften. Die Fronten verhärten sich, und das seit nun schon zwei Wochen mit zunehmender Intensität im gesamten Nahen Osten.

Brent fast 80 Prozent im Plus seit Jahresbeginn

Brent-Rohöl liegt seit Jahresbeginn knapp 80 Prozent im Plus. Das ist beachtlich, auch wenn das im April erreichte Kriegshoch von etwas mehr als 126 US$ je Barrel noch nicht wieder in Sicht ist. Raffinerieprodukte wie Diesel haben sich noch stärker verteuert, verstärkt durch die Folgen des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine. Europäisches Erdgas und die Frachtraten für Öltanker zogen ebenfalls kräftig an. Rohstoffökonom Hamad Hussain von Capital Economics brachte es gegenüber Bloomberg auf den Punkt: Marktteilnehmer korrigierten ihre Erwartungen an Schwere und Dauer des Konflikts im Nahen Osten nach oben. Eine rasche Waffenruhe oder eine Normalisierung der Energieflüsse aus der Region sei nach Einschätzung von Beobachtern nicht in Sicht, Iran und USA richteten sich auf einen längeren Konflikt ein.

Was das für Ölaktien bedeuten könnte

Anleger, die in Öl-Aktien wie Shell, BP oder TotalEnergies investiert sind, dürften von der anhaltenden Preisstärke profitieren. Solange der Konflikt im Nahen Osten schwele und die Straße von Hormus unter Druck stehe, bliebe der Aufwärtsdruck auf Rohölpreise bestehen. Für Energietitel könnte das weitere Kursgewinne bedeuten. Auf der anderen Seite dürften Branchen mit hohem Energiekostenanteil, etwa die Chemie oder die Logistik, weiter unter Druck geraten.

Quelle: dpa-AFX

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