FMC-Aktie: Sondereffekte treiben Gewinn, aber Kurs bricht ein
Fresenius Medical Care hat heute überraschend starke Quartalszahlen vorgelegt, doch an der Börse kam das alles andere als gut an. Die Aktie verlor im frühen Handel bis zu neun Prozent und fiel auf 42,34 € , den tiefsten Stand seit einem Monat. Der Kursgewinn seit Jahresbeginn schmolz damit auf magere vier Prozent zusammen.
Starke Zahlen, schwache Reaktion
Das bereinigte operative Ergebnis legte im zweiten Quartal währungsbereinigt um 23 Prozent auf 569 Mio. € zu. Analysten hatten im Schnitt lediglich 515 Mio. € auf dem Zettel. Auch der den Anteilseignern zurechenbare Gewinn hielt sich besser als gedacht. Nominal sank er zwar um drei Prozent auf 218 Mio. €, währungsbereinigt stand aber noch ein kleines Plus von drei Prozent zu Buche. Das Ergebnis war also stark, keine Frage. Aber genau hier liegt das Problem.
UBS-Analyst Graham Doyle wies darauf hin, dass FMC erheblich von den befristeten US-Vergütungsregeln für neue Dialysemedikamente, den sogenannten TDAPA-Erstattungen, profitierte. JPMorgan-Analyst David Adlington sieht den Überraschungseffekt vor allem darin, dass der Markt den Zeitpunkt dieser Erstattungen falsch eingeschätzt hat. Meiner Meinung nach ist das der Kern des Problems. Die starken Q2-Zahlen spiegeln also keine neue strukturelle Stärke wider, sondern einen zeitlichen Sondereffekt. Dazu kamen enttäuschende Behandlungszahlen in den USA, wo das organische Behandlungswachstum im zweiten Quartal um 0,9 Prozent zurückging.
Das Sparprogramm zieht langsam an
Seit mehr als drei Jahren läuft bei FMC ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm. Bis 2027 sollen Stellenabbau, Klinikschließungen und Teilverkäufe insgesamt 1,2 Mrd. € einsparen. Allein im zweiten Quartal steuerte das Programm 67 Mio. € bei. Im ersten Halbjahr wurden rund 100 Kliniken in den USA geschlossen, die Optimierung des US-Kliniknetzes gilt damit für 2026 als abgeschlossen. Für 2026 peilt FMC unverändert Kostensenkungen von 250 Mio. € an.
Beim neuen Dialysegerät 5008X für die hochvolumige Hämodiafiltration kommt der Konzern ebenfalls voran. Das System läuft inzwischen in 227 US-Kliniken und wurde bei mehr als 600.000 Behandlungen eingesetzt. Bis Jahresende sollen 20 Prozent der Dialysegeräte ersetzt sein, aktuell sind es rund zehn Prozent. Vorstandschefin Helen Giza spricht von rund 40 Prozent weniger Muskelkrämpfen bei Patienten nach der Behandlung.
Jahresziele bestätigt, Erwartungen dürften sinken
Die Jahresprognose bestätigte FMC. Der währungsbereinigte Umsatz soll 2026 etwa auf Vorjahresniveau von gut 19,6 Mrd. € liegen. Das bereinigte operative Ergebnis könnte ausgehend von gut 2,2 Mrd. € im mittleren einstelligen Prozentbereich steigen, aber auch im selben Maß fallen. Nach Einschätzung von JPMorgan dürften die durchschnittlichen Analystenschätzungen für das zweite Halbjahr nun nach unten korrigiert werden.
Die FMC-Aktie bleibt ein schwieriger Fall. Das Restrukturierungsprogramm zeige Wirkung und die Geräteinnovation könnte mittelfristig für mehr Profitabilität sorgen, doch die enttäuschenden Behandlungszahlen in den USA und die auslaufenden TDAPA-Sondereffekte dürften die Aktie weiter unter Druck halten. Von den Hochs aus dem Jahr 2018 bei fast 94 € ist das Papier ohnehin weit entfernt. Wer hier einsteigen will, sollte zunächst abwarten, ob die Behandlungszahlen in der zweiten Jahreshälfte wieder anziehen.
Quelle: dpa-AFX
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