Evotec-Aktie: Halbjahresbilanz enttäuscht – jetzt noch kaufen?
Evotec hat am Donnerstag erneut Kursschmerzen bekommen. Nach einer schwachen Halbjahresbilanz gab die Aktie des Hamburger Pharmaforschers in der Spitze um bis zu sieben Prozent nach, zuletzt notierte sie noch rund 5,5 Prozent im Minus bei 3,64 €. Die leichte Erholung der vergangenen Handelstage ist damit weitgehend futsch.
Was man verstehen muss: Die endgültigen Halbjahreszahlen selbst enthielten keine Überraschungen. Die Eckdaten waren bereits seit Mitte Juli bekannt. Trotzdem bestraften die Anleger die Aktie erneut. Das spricht meiner Meinung nach für ein grundsätzlich angeknackstes Vertrauen in das Papier.
Gewinnwarnung, Kurssturz, kaum Erholung
Schon im vergangenen Monat hatte Evotec mit einer Gewinnwarnung für Unmut gesorgt. Der Kurs sackte binnen eines Handelstages um mehr als ein Drittel ab, auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren. Von diesem Verfall hat sich das Papier bisher kaum erholt. Im laufenden Jahr steht ein Verlust von rund einem Drittel zu Buche, und wer fünf Jahre zurückschaut, sieht sogar fast eine Halbierung des Kurswerts.
RBC-Analyst Charles Weston zeigte sich wenig überrascht. Die endgültigen Zahlen hätten den Vorabkennziffern entsprochen, die bereits gesenkte Prognose sei bestätigt worden. Er hob aber die stark schwankende Entwicklung der Evotec-Tochter Just-Evotec Biologics im zweiten Quartal hervor. Auch das Forschungsgeschäft und die vorklinische Wirkstoffentwicklung seien deutlich schwächer gelaufen, als der Markt vor der Gewinnwarnung noch erwartet hatte.
Verhaltene Nachfrage drückt aufs Ergebnis
Der Konzern selbst begründete die Schwäche im Forschungsbereich mit verhaltener Kundennachfrage und einer schwächeren Umwandlung von Verkäufen in Umsätze. Wegen dieser Umsatzeinbußen und höherer Kosten, unter anderem durch den laufenden Konzernumbau, rutschte Evotec sowohl im zweiten Quartal als auch im ersten Halbjahr noch tiefer in die roten Zahlen. Das einstige Biotech-Vorzeigeunternehmen schreibt nach einer profitablen Corona-Phase schon seit mehreren Jahren Verluste.
CEO Christian Wojczewski, seit 2024 im Amt, hat eine Restrukturierung eingeleitet, mit massivem Stellenabbau und einer Verkleinerung des Standortnetzwerks. Bis Ende 2027 will der Konzern die Kostenbasis um rund 75 Mio. € senken, 2026 sollen davon 20 bis 30 Prozent erreicht sein. Wojczewski sprach am Donnerstag von ersten positiven Effekten des Umbaus.
Fazit zur Evotec-Aktie
Meiner Meinung nach bleibt Evotec auf absehbare Zeit ein schwieriger Fall. Die Restrukturierung wird zwar mittelfristig Früchte tragen, doch das Vertrauen der Anleger dürfte sich kaum zurückgewinnen lassen, solange die Verluste weiter wachsen und die Quartalszahlen die tiefen Erwartungen kaum erfüllen. Auf diesem Kursniveau von rund 3,64 € wäre die Aktie allenfalls etwas für risikobereite Anleger mit langem Atem. Ich sehe derzeit von einem Kauf ab.
Quelle: dpa-AFX
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