Die Inflation in der Eurozone ist im Juli wieder nach oben gedreht. Eurostat meldete am Freitag einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,9 Prozent im Jahresvergleich, nach 2,8 Prozent im Juni. Der Treiber ist eindeutig: Energie. Die Energiepreise legten im Jahresvergleich um satte zehn Prozent zu, im Monatsvergleich um 2,4 Prozent. Hintergrund ist die erneute Eskalation im Nahen Osten, die vor allem Erdöl- und Erdgaspreise nach oben gedrückt hat.
Kernrate macht der EZB das Leben schwer
Was die Situation noch unangenehmer macht: Auch die Kernrate, bei der Energie und Nahrungsmittel herausgerechnet werden, ist leicht gestiegen, von 2,4 auf 2,5 Prozent. Volkswirte hatten hier keine Bewegung erwartet. Damit liegt die Inflation insgesamt spürbar über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Im Februar hatte die Jahresinflationsrate noch bei 1,9 Prozent gelegen, bevor der Iran-Krieg die Preise nach oben trieb.
September-Sitzung im Fokus
Innerhalb der Ökonomen gehen die Meinungen auseinander. VP Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel sieht bislang keine klaren Indizien für ernstzunehmende Zweitrundeneffekte und hält einen akuten Handlungsbedarf der EZB für nicht gegeben. Ob die Währungshüter im September den Zins anheben, dürfe man durchaus anzweifeln, so Gitzel. Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer sieht das anders. Für ihn machen die erneuten Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran eine zweite Zinserhöhung durch die EZB immer wahrscheinlicher, zumal die Kernrate überraschend gestiegen ist und sich die Gesamtinflation den EZB-Projektionen annähert, in denen die Notenbank zwei Zinserhöhungen unterstellt hat. Die EZB hatte im Juni den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Auf der Sitzung in der vergangenen Woche blieben die Zinsen stabil. Die nächste Entscheidung fällt Mitte September.
Ländervergleich zeigt klare Unterschiede
In Deutschland stieg die Jahresinflationsrate im Juli auf 2,8 Prozent, in Frankreich auf 2,4 Prozent, in Spanien auf 3,8 Prozent. Die italienische Rate sank leicht auf 2,9 Prozent. Spitzenreiter bleibt Litauen mit 5,6 Prozent, das niedrigste Niveau verzeichnet Estland mit 2,0 Prozent.
Was das für die Börse bedeutet
Eine mögliche Zinserhöhung der EZB im September dürfte die Märkte belasten. Höhere Zinsen verteuern die Refinanzierung für Unternehmen und drücken die Bewertungen, insbesondere bei wachstumsstarken Aktien mit hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen. Energiewerte könnten kurzfristig profitieren, solange die Geopolitik die Rohstoffpreise oben hält. Bankaktien, die von höheren Zinsen profitieren, wären ebenfalls im Vorteil. Die Unsicherheit rund um den September-Termin dürfte für anhaltende Volatilität sorgen, bis Klarheit über den nächsten EZB-Schritt herrscht.
Quelle: dpa-AFX
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