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Commerzbank-Aktie: Orlopp kämpft für höhere Bewertung gegenüber Unicredit

Feindliche Übernahme

Bettina Orlopp hat ihre erste klare Botschaft gesendet. Die neue Vorstandsvorsitzende der Commerzbank will die Bank eigenständig halten und macht keinen Hehl daraus: Wer die Commerzbank übernehmen will, muss deutlich mehr auf den Tisch legen als bislang diskutiert. Das ist eine direkte Ansage Richtung UniCredit.

UniCredit kurz vor der faktischen Mehrheit

Der Zeitpunkt von Orlopps Positionierung ist kein Zufall. UniCredit hält mittlerweile Zugriff auf rund 47,59 Prozent der Commerzbank-Anteile. Durch den laufenden Aktienrückkauf der Commerzbank schrumpft die Gesamtzahl der ausstehenden Papiere, und das reicht der Italienerin bald, um faktisch die Mehrheit zu halten. Ohne Kontrollprämie zu zahlen. Genau das ist der Kern des Problems für Orlopp und Aufsichtsratschef Jens Weidmann, der laut Medienberichten eine Verschärfung des deutschen Übernahmerechts fordert und dem Bund rät, die verbliebene Beteiligung von rund 12 Prozent vorerst zu halten.

Wealth Management als Hebel in der Abwehr

Parallel dazu schärft die Commerzbank ihr strategisches Profil. Das Wealth Management unter Christian Hassel betonte am Montag die Marktführerschaft bei deutschen mittelständischen Familienunternehmen. Bereits am 13. August hatte die Bank angekündigt, Firmenkundengeschäft und Wealth Management enger zu verzahnen. Meiner Meinung nach ist das eine durchdachte Strategie: Wer eine gewachsene Stellung im deutschen Mittelstandsgeschäft kaufen will, kann diese Position nicht einfach nachbauen. Das erhöht den Preis, den UniCredit irgendwann nennen müsste.

Dazu kommt noch eine weitere Bewegung im Aktionärskreis. BlackRock meldete zum Stichtag 18. August das Erreichen einer Stimmrechtsschwelle bei der Commerzbank. Die Eigentümerstruktur verschiebt sich, und zwar schneller als die Übernahmegespräche voranschreiten.

Was das für die Commerzbank-Aktie bedeutet

Orlopps öffentliche Forderung nach einer höheren Bewertung dürfte die Commerzbank-Aktie kurzfristig stützen, weil sie eine Übernahmeprämie ins Spiel bringt. Sollte UniCredit tatsächlich ein formelles Angebot vorlegen, könnte der Kurs deutlich zulegen. Die eigentliche Machtprobe läge aber weiterhin bei den Stimmrechtsanteilen. Solange UniCredit faktisch die Mehrheit hält, ohne sie formal ausüben zu müssen, bliebe der Druck auf Orlopp hoch, und die Aktie dürfte zwischen Übernahmefantasie und Eigenständigkeits-Rhetorik pendeln.

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