Die ASML-Aktie hat heute eine heftige Kehrtwende hingelegt. Noch am Morgen lag der Kurs im Plus, gestützt von neuen Hoffnungen auf eine Deeskalation im Iran-Krieg. Dann kam ein Bericht des Magazins "The Information" und schickte die Aktie des niederländischen Chipausrüsters auf Talfahrt. Zuletzt notierte das Papier mit 6,5 Prozent im Minus bei 1.461 € und damit auf dem tiefsten Stand seit rund sieben Wochen.
Was hinter dem Kursrutsch steckt
Ein staatlich unterstütztes chinesisches Unternehmen soll laut dem Magazin damit begonnen haben, eigene Immersions-DUV-Lithografiesysteme herzustellen. Genau diese Systeme sind für ASML ein wichtiger Umsatztreiber. Meiner Meinung nach ist die Nervosität am Markt verständlich. Denn wenn China tatsächlich in eine Massenproduktion übergeht, könnten ASML-Systeme schrittweise ersetzt werden. Ein Händler schätzt, dass Verkäufe solcher Anlagen nach China einen Anteil im niedrigen zweistelligen Prozentbereich am gesamten Systemumsatz von ASML ausmachen. Kein marginales Geschäft also.
Gleichzeitig wies derselbe Händler darauf hin, dass es in der Vergangenheit bereits Falschmeldungen über chinesische Fortschritte in der Immersionslithografie gegeben hat. Ob der aktuelle Bericht wirklich belastbar ist, bleibt offen.
Die ganze Chipbranche unter Druck
Die Sorgen über Konkurrenz aus China machten heute keinen Halt vor ASML. ASM International verlor zuletzt 3,7 Prozent, Aixtron 2,3 Prozent. In New York bremsten Halbleiterwerte den Nasdaq 100 spürbar aus, während Softwareaktien sich etwas erholten. Nvidia, Micron und AMD verloren bis zu vier Prozent. In Frankfurt lagen die Infineon-Titel mit 0,8 Prozent im Minus.
Was das für die ASML-Aktie bedeutet
Das Chartbild hat sich heute deutlich eingetrübt. Ein Minus von 6,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit sieben Wochen ist kein harmloses Rauschen. Sollten die Berichte über chinesische DUV-Produktion zutreffen und sich eine Massenproduktion anbahnen, dürfte das den Druck auf ASML weiter erhöhen. Das China-Geschäft wäre dann langfristig in Gefahr. Ich glaube, dass der Markt hier zunächst abwarten wird, bis mehr Klarheit über die tatsächlichen Produktionskapazitäten der Chinesen besteht. Solange diese Unsicherheit im Raum steht, könnten weitere Kursrücksetzer folgen.
Quelle: dpa-AFX
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