Infineon-Aktie: -22% Absturz, dann der stärkste DAX-Tag
Ein Kursverlust von rund -22% binnen eines Monats, gefolgt vom stärksten DAX-Tagesgewinn gestern. Infineon zeigt gerade exemplarisch, wie nervös der Chipsektor derzeit tickt. Was diesmal für den Ausschlag sorgte, war ausgerechnet eine Preiserhöhung bei TSMC. Kann eine Preiserhöhung bei einem taiwanesischen Auftragsfertiger einen deutschen Chipkonzern retten? Und noch viel spannender: In welcher Phase des Schweinezyklus stecken wir? (wenn überhaupt)
Gnadenloser Abverkauf
Ehrlich gesagt, so richtig überraschend war die Talfahrt am Ende nicht, nur ihr Ausmaß schon. KI-Skepsis, ein Ölpreis, der wegen der Nahost-Eskalation wieder klettert, dazu eine erneute Rotation raus aus Tech. Ds reichte, um Infineon, Aixtron und Süss MicroTec gemeinsam nach unten zu ziehen. Bei Infineon bedeutete das zeitweise fast -30% Abstand zum Juni-Hoch von 89,67 €. Ich ziehe den Hut vor denen, die diese Achterbahnfahrt nicht nur mitmachen, sondern auch all die Dips für weitere Käufe nutzen. Denn noch sind wir im „Buy-The-Dip”-Stadium.
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Was den Dreh gebracht hat
Zwei Dinge kamen fast zeitgleich zusammen und erzeugten ein Kursfeuerwerk. Erstens: MWB Research strich am Montag die Verkaufsempfehlung und stufte auf „Hold" hoch. Nicht, weil die Analysten plötzlich Infineon lieben, sondern weil sie den Ausverkauf für übertrieben hielten und eine softe Unterbewertung erkannten. Ihr Kursziel von 60 € liegt bis heute unter dem aktuellen Niveau, das muss man fairerweise dazusagen.
Zweitens, und das war der eigentliche Auslöser der Dienstagsrally: TSMC erhöhte seine Preise, ein Signal, das die gesamte Chipbranche als Bestätigung robuster Nachfrage wertete. Infineon sprang von 63,50 auf zeitweise fast 68 €, SK Hynix zog in Asien um +4% an, Micron in den USA vorbörslich um über +6%.
Mein Kollege Christian Kämmerer hat hierzu eine charttechnische Einordnung geliefert, die Du dir unbedingt anschauen solltest.
Der Haken an der ganzen Geschichte
Und jetzt der Teil, den viele Erholungsartikel gerne unterschlagen: Billig ist Infineon deshalb noch lange nicht. Das derzeitige KGV liegt bei 80 und damit alles andere als im fair bewertet. Auch das erwartete KGV für die nächsten 12 Monate sieht nicht günstiger aus mit einem Vielfachen von 30. Das ist teurer als reine Chiphersteller wie TSMC (19), Micron (7) oder SK Hynix (5).
Manche Modellrechnungen sehen die Aktie trotz des Rücksetzers noch immer bis zu +16% über ihrem fairen Wert. Das heißt nicht, dass die Rally geplatzt ist, aber, dass hier viel Zukunft eingepreist, die erst noch geliefert werden muss.
Wo stehen wir im Schweinezyklus?
Wer die Chipbranche länger verfolgt, kennt das Muster: Erst Mangel, dann steigen die Preise, dann bauen alle Hersteller neue Fabriken. Sind die fertig, ist die Nachfrage oft schon wieder abgeflaut, das Überangebot lässt die Preise crashen, Investitionen werden gestrichen, und der nächste Mangel bahnt sich an. Ökonomen nennen das den Schweinezyklus, benannt nach genau diesem Verhalten bei Schweinepreisen.
Bei Speicherchips lief das über Jahrzehnte so ab. Die Frage ist, ob sich das auf die aktuelle KI-Nachfrage übertragen lässt. Der klassische Zyklus setzt einen gesättigten Markt voraus, doch bei KI-Chips erfindet sich die Nachfrage mit jeder neuen Technologiegeneration selbst neu, mehr Rechenleistung, neue Anwendungen wie autonomes Fahren oder Rechenzentrumskühlung. Das bremst einen klassischen Absturz ab, verhindert ihn aber nicht komplett, wie der jüngste Abverkauf zeigt.
Meine Einschätzung: Wir stecken gerade in der Übergangsphase zwischen Boom und erster Ernüchterung. Ein Bust wie bei reinen Speicherchip-Herstellern droht Infineon aber nicht zwingend, dank der breiteren Aufstellung und Preissetzungsmacht in Nischen wie der Leistungselektronik.
ℹ️ Infineon Technologies AG in Kürze
- Infineon (WKN: 623100) gehört zu den führenden internationalen Herstellern von Halbleitern. Die Schwerpunkte dabei liegen bei der Energieeffizienz, der Mobilität sowie der Sicherheit. Die Chips von Infineon finden sich in fast allen Geräten des modernen Lebens.
- Hauptsitz des Unternehmens ist in Neubiberg bei München, daneben unterhält der Konzern weltweit Niederlassungen.
- Infineon notiert in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50 und ist aktuell ca. 88 Milliarden € wert.
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Fazit
Ich würde bei Infineon aktuell nicht blind auf den fahrenden Zug aufspringen. Die Erholung ist real, aber sie steht auf sehr wackligen Beinen. Ein Analysten-Upgrade und eine TSMC-Preiserhöhung sind kein Ersatz für belastbare eigene Zahlen. Wer bereits investiert ist, kann die Ruhe bewahren und auf den 5. August (Q2 2026 Ergebnisse) warten.
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