Rheinmetall-Aktie: Kursflaute – was ist ratsam?
Schwache Börsenstimmung belastet
Insgesamt befinden sich die Börsen in den vergangenen Monaten in einer eher schwachen Verfassung. Der übergeordnete Trend ist dabei von hoher Unsicherheit geprägt.
Die Ursachen sind vielfältig. Einerseits belasten die geopolitischen Spannungen, insbesondere der Konflikt im Nahen Osten. Andererseits sorgt die schwierige Lage in der Automobilbranche für Verunsicherung.
Auch politische Diskussionen und geplante Reformen können das Anlegerverhalten beeinflussen. In einem solchen Umfeld werden Investitionen teilweise zurückgestellt und Kursanstiege schwieriger.
Für eine schnelle und nachhaltige Erholung der Aktienmärkte sind das insgesamt keine idealen Voraussetzungen.
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Rüstungswerte besonders betroffen
Eigentlich sind die Rahmenbedingungen für den Rüstungssektor weiterhin günstig.
Der Krieg in der Ukraine dauert mit hoher Intensität an. Russland und die Ukraine setzen weiterhin in großem Umfang Drohnen ein. Gleichzeitig erhöhen die NATO-Staaten in Europa ihre Verteidigungsausgaben deutlich. Auch außerhalb Europas steigen die Militärbudgets.
Allein in Europa wird mit einem Verteidigungsbudget von rund 730 Milliarden € gerechnet, was einem Anstieg von etwa 20% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Für die kommenden Jahre sind weitere Erhöhungen möglich.
Trotz dieser grundsätzlich positiven Rahmenbedingungen kommen die Rüstungswerte derzeit kaum voran. Bei Rheinmetall wurde die wichtige Marke von 1.000 € wieder unterschritten.
Damit zeigt sich aktuell eine deutliche Diskrepanz zwischen der starken operativen Entwicklung des Unternehmens und der verhaltenen Kursentwicklung der Aktie.
Bewertung
An der aktuellen Börsenstimmung dürfte sich kurzfristig wenig ändern. Deshalb halte ich bei Rheinmetall zunächst eine weitere Seitwärtsbewegung in einer Spanne von etwa 950 bis 1.100 € für möglich.
Fundamental sprechen allerdings zahlreiche Faktoren für höhere Kurse.
Rheinmetall verfügte Ende Juni über einen Auftragsbestand von rund 56 Milliarden €. Hinzu kommen Rahmenverträge beziehungsweise noch nicht vollständig abgerufene Aufträge im Volumen von rund 24 Milliarden €.
Setzt man diese Größenordnung ins Verhältnis zum erwarteten Jahresumsatz von rund 14 Milliarden €, wird die enorme Visibilität des Geschäfts deutlich. Die Nachfrage reicht bereits über mehrere Jahre. Um die Aufträge möglichst schnell abarbeiten zu können, baut Rheinmetall seine Produktionskapazitäten weiter aus.
Dabei entwickelt sich Rheinmetall zunehmend vom klassischen Rüstungsproduzenten zu einem umfassenderen Anbieter von Systemen und Dienstleistungen.
Ein Beispiel dafür ist der Aufbau eines kompletten Militärstandorts in Litauen, der unter anderem von der Bundeswehr genutzt werden soll. Aus solchen Projekten können neben dem klassischen Produktgeschäft langfristige und wiederkehrende Einnahmen entstehen. Gerade dieser Bereich könnte für Rheinmetall künftig an Bedeutung gewinnen.
ℹ️ Rheinmetall in Kürze
- Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
- Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
- Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
- Seit Anfang 2023 ist der Konzern Mitglied im deutschen Leitindex DAX und aktuell etwa 45,7 Milliarden € wert.
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Fazit
Die aktuelle Kursschwäche ist aus meiner Sicht vor allem auf die insgesamt zurückhaltende Börsenstimmung zurückzuführen. Sie steht dabei in einem gewissen Gegensatz zur weiterhin sehr starken operativen Entwicklung von Rheinmetall.
Kurzfristig rechne ich deshalb weiterhin eher mit einer Seitwärtsbewegung. Das aktuelle Kursniveau halte ich jedoch für eine interessante Einstiegschance. Die hohe Visibilität durch den milliardenschweren Auftragsbestand, zusätzliche Rahmenverträge und der weitere Ausbau der Produktionskapazitäten sprechen aus meiner Sicht für eine anhaltend positive Geschäftsentwicklung.
Mittelfristig halte ich daher Kurse von rund 1.500 € für realistisch.
In diesem Zusammenhang: Regierungen stocken strategische Rohstoffreserven massiv auf – unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ analysiert zwei Aktien, die zu großen Profiteuren werden dürften.
Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Rheinmetall. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.